Schweiz gegen Italien – oder wer wird Spielverderber?
Am Samstag wird in Bormio in der Abfahrt der Nachfolger von Beat Feuz als Olympiasieger gesucht. Die heissesten Kandidaten kommen aus der Schweiz – und aus Italien, wie eine kurze Übersicht zeigt.
Sechs Abfahrten wurden in diesem Winter im Weltcup bislang bestritten, und immer kam der Sieger aus der Schweiz oder Italien. Dreimal triumphierte Marco Odermatt, zweimal Franjo von Allmen und einmal Shootingstar Giovanni Franzoni. Die Schweizer und die Italiener eroberten in der Königsdisziplin auch die meisten Podestplätze: Die Schweiz kam in den ersten sechs Rennen auf acht Top-3-Rangierungen, Italien auf fünf, die USA auf zwei sowie Norwegen, Frankreich und Österreich auf je eine.
Logischerweise kommen auch die Favoriten auf die Goldmedaille aus diesem erlauchten Kreis der Sieg- und Podestfahrer. Odermatt und von Allmen sind ganz sicher heiss, zumal sie es in den Trainings gemütlich angingen und so ihr immenses Selbstvertrauen unterstrichen. Auch Alexis Monney muss man auf der Rechnung haben. Nicht weil er im wenig aussagekräftigen Training am Donnerstag, in dem viele Fahrer geblufft haben, der schnellste Schweizer war, sondern vor allem, weil er im vergangenen Jahr die Weltcupabfahrt auf der Stelvio gewann – vor Von Allmen, während Odermatt damals Fünfter wurde.
Wie cool bleibt Franzoni?
Wie die Schweizer verfügen auch die Italiener über mehrere Trümpfe. Da ist Newcomer Giovanni Franzoni, der in diesem Winter die Speed-Szene aufmischt. Seine starken Resultate sorgen dafür, dass er mit breiter Brust in die olympischen Rennen steigen kann, andererseits muss sich erst noch zeigen, wie er mit den grossen Erwartungen in seiner Heimat und dem damit verbundenen Druck umgeht. Denn Italien sucht einen neuen Helden und wartet seit 1952 und dem Triumph von Zeno Colò auf Abfahrtsgold.
Neben Franzoni sind auch Mattia Casse und Florian Schieder zu beachten, die in diesem Winter und in den Trainings einen guten Eindruck hinterliessen. Und da ist natürlich auch Dominik Paris, Mister Bormio schlechthin. Sechsmal hat er hier bereits in der Abfahrt gewonnen, einmal im Super-G. Die Stelvio liegt ihm, er kennt sie in- und auswendig. 19 Abfahrtssiege hat der 36-Jährige in seiner Weltcupkarriere gefeiert, so viele wie Peter Müller – und einzig die Austria-Legende Franz Klammer war noch erfolgreicher (25 Siege). Allerdings ist die Karriere des Südtirolers noch nicht vollkommen: Viermal nahm er bislang an Olympischen Spielen teil, für eine Medaille hat es aber noch nicht gereicht.
Er sei glücklich, wieder in Bormio und auf dieser Piste zu sein, sagte Paris nun, er fühle sich bereit für das Rennen. Einer der Favoriten zu sein, sei kein Druck, sondern vielmehr ein Ansporn: «Ich werde richtig Gas geben, wenn es soweit ist.» Er freue sich besonders darüber, dass die Olympischen Spiele in seinem Heimatland stattfinden, «das macht das Rennen zu etwas Besonderem».
Kriechmayr wartet auf olympisches Edelmetall…
Wie Paris wartet auch der Österreicher Vincent Kriechmayr als weiterer Grosser des Skisports noch auf eine Olympiamedaille. Er hat es als einziger Abfahrer unserer Nachbarn in dieser Saison aufs Podest geschafft (Rang 2 in Wengen) und ist wohl die grösste Hoffnung der Österreicher – und einer der heissesten Kandidaten, um der grosse Spielverderber für die Schweizer und Italiener zu sein. Weitere Kandidaten sind der Amerikaner Ryan Cochran-Siegle, der in Beaver Creek Zweiter und in Crans-Montana Dritter wurde und 2022 in Peking im Super-G Olympia-Silber gewann, die Franzosen Nils Allegre und Maxence Muzaton sowie der bereits erwähnte Kanadier Cameron Alexander. Oder rast am Samstag gar irgendein Mister X ins Rampenlicht und ärgert die Favoriten?