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Shootingstar als Herausforderer von Odermatt und Co.

Andy

Der Italiener Giovanni Franzoni ist der Shootingstar im Weltcupzirkus und ist auch für die Schweizer Speed-Asse eine grosse Herausforderung. Steht er Marco Odermatt, Franjo von Allmen & Co. auch am Sonntag in Crans-Montana und in einer Woche an den Olympischen Spielen in seiner Heimat vor der Sonne?

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Giovanni Franzoni widmete in Kitzbühel seinen Sieg auf der Streif seinem verstorbenen Teamkollegen und Freund Matteo Franzoso. © IMAGO / Anadolu Agency

Vor dieser Saison hatte Giovanni Franzoni 48 Weltcuprennen auf dem Buckel. Seine besten Resultate dabei: Rang 4 beim Super-G im Dezember 2024 in Beaver Creek mit einem Rückstand von sechs Zehntelsekunden auf Sieger Marco Odermatt sowie je ein zehnter Platz im letzten Winter in den Super-G’s in Kitzbühel und Sun Valley. Und auch zu Beginn dieser Saison deutete nichts auf eine Leistungsexplosion hin.

Doch Mitte Dezember in Val Gardena folgte die Initialzündung. Erstmals in seiner Karriere raste der Italiener aufs Weltcuppodest, wurde im vom Tschechen Jan Zabystran gewonnenen Super-G Dritter, direkt hinter Odermatt. Dass dieser Erfolg nicht nur den Wetterbedingungen geschuldet war, bewies Franzoni dann im Januar: In Wengen gewann er den Super-G und wurde Dritter in der Abfahrt, und in Kitzbühel verhinderte er mit einem Husarenritt um sieben Hundertstelsekunden den ersten Abfahrtssieg von Marco Odermatt auf der Streif.

Riesenslalom-Technik als Fundament

Ganz klar, Franzoni ist im Konzert der Grossen angekommen. «Er fährt einfach unglaublich gut Ski, kommt wie ich vom Riesenslalom. Ich glaube, in Zukunft braucht es diese Riesenslalom-Technik, um im Abfahrtssport ganz vorne zu sein», wurde er zuletzt auch von Superstar Marco Odermatt gelobt.

Odermatt gehört am Sonntag in Crans-Montana ebenso zu den Top-Favoriten auf den Abfahrtssieg wie in einer Woche in der Olympiaabfahrt in Bormio, wo er zwar 2022 und 2023 im Super-G siegte und in der Abfahrt 2021 und 2023 auf Rang 3 raste, aber in der Königsdisziplin noch nicht triumphieren konnte. Franzoni hat in Bormio noch gar kein Ausrufezeichen gesetzt – sieben Mal ist er zu einem Super-G oder zu einer Abfahrt in der Wintersportdestination im oberen Veltlin gestartet, Rang 17 war dabei sein Bestresultat. Doch an Olympia muss man ihn auf der Rechnung haben. Denn die technisch sehr anspruchsvolle Strecke in seiner Heimat sollte Franzoni gut liegen. Ein Fragezeichen ist aber, wie die Heim-Spiele auf ihn wirken. Mit seinen grossartigen Leistungen in Gröden, Wengen und Kitzbühel hat der 24-Jährige in seiner Heimat eine Euphorie entfacht. Und die kann anspornen, aber auch lähmen.

Siege für den toten Teamkollegen

Dass der Shootingstar mit Emotionen umgehen kann, hat er in den letzten Wochen und Monaten bewiesen. Mitte September starb das italienische Speed-Talent Matteo Franzoso einen Tag vor seinem 26. Geburtstag an den schweren Verletzungen, die er sich bei einem Trainingssturz in Chile zugezogen hatte. Als Franzoni nun in Val Gardena erstmals den Sprung aufs Podest schaffte, vergoss er Tränen und sagte: «Wäre er hier, würde ich ihm sagen, dass er eine fantastische Person ist. Dass er wie ein Bruder für mich ist. Ich werde mein ganzes Leben für ihn Ski fahren.» Franzoni widmete auch den Sieg auf der Streif seinem ehemaligen Team- und Zimmerkollegen und erklärte: «Ich werde ihn immer in meinem Herzen tragen.»

Vor Olympia steht noch die Abfahrt in Crans-Montana auf dem Programm, im WM-Ort 2027, wo am Freitag das Training abgesagt werden musste. Die Erfahrungen von Franzoni auf dem Walliser Hochplateau halten sich in Grenzen. Vor Jahresfrist fuhr er in der Abfahrt auf Rang 47, im Super-G auf den 40. Platz. Marco Odermatt belegte in der Abfahrt Rang 2 – im Schweizer Sandwich hinter Sieger Franjo von Allmen und vor Alexis Monney; im Super-G, der in diesem Jahr im Programm fehlt, siegte der Nidwaldner vor Team- und Stöckli-Kollege Monney.

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Das Nasenpflaster ist ein Markenzeichen des Italieners.

Nasenpflaster als mentale Stütze

Dennoch ist klar, dass man Franzoni bei den kommenden Highlights auf der Rechnung haben muss. Die Form stimmt, das Vertrauen ist da – und vielleicht hilft ihm ja auch das Nasenpflaster, das er in den Rennen jeweils trägt. «Subjektiv geben Nasenpflaster dem Athleten das Gefühl, leichter zu atmen. Objektiv bewirken sie aber keine Verbesserung von Leistungsparametern wie Sauerstoffaufnahmen oder Puls», erklärte nun Walter O. Frey, der Chefarzt von Swiss Ski. Aus leistungsphysiologischer Sicht bringe ein Nasenpflaster nichts. Doch das Pflaster kann zumindest ein Glücksbringer und eine mentale Hilfe sein. «Einen psychologischen, mentalen Vorteil hat es durchaus. Man hat das Gefühl, etwas Zusätzliches zu tun, etwas, das die anderen nicht haben. So hat man das Gefühl, man steht besser da als die anderen», so Frey.

Ob Franzoni mit dem Revival des Nasenstrips zum Trendsetter wird, muss sich noch zeigen. Aber die Weltelite mischt der 24-jährige Italiener definitiv auf und fordert die starken Schweizer. Oder wie der Österreicher Vincent Kriechmayr zuletzt sagte: «Es tut dem Skisport sehr gut, dass so ein Junger daherkommt. Er bietet den Schweizern immerhin Paroli, wenn es schon wir Österreicher nicht machen.»

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