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Sind die Bayern reif für Real? Zwei Meinungen

Real Madrid und der FC Bayern München treffen in der Champions League (respektive im Pokal der Landesmeister) zum 29. Mal aufeinander. Die Bilanz ist mit je zwölf Siegen und vier Remis ausgeglichen, aber in den letzten vier Duellen sind jeweils stets die Spanier weitergekommen. Sind die Münchner nun reif für die Revanche? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind unterschiedlicher Meinung.

Hier zogen die Münchner zuletzt den Kürzeren_Bayern Münche udn _Real Madrid im CL Halbfinael 2024_Keystone Lukas Barth Tuttas
Hier zogen "die Roten" zuletzt den Kürzeren: CL-Halbfinal-Duell zwischen Bayern und Real im Frühjahr 2024 © Keystone / DPA / Lukas Barth-Tuttas

Andy Maschek sagt: Ja

 

43 Spiele, 37 Siege, vier Unentschieden und nur zwei Niederlagen (gegen Arsenal und Augsburg): Der FC Bayern München Version 2025/26 ist eine Macht und hat die beeindruckendere Bilanz als Real Madrid mit 46 Spielen, 33 Siegen, zehn Remis und drei Niederlagen. Und auch die Tordifferenz spricht klar für den deutschen Rekordmeister – 146:43 gegenüber 102:51. Alles klar also? Ein Selbstläufer wird das Aufeinandertreffen mit Real zwar nicht, aber ich bin überzeugt, dass die Bayern reif für die Revanche sind und am Ende die Nase vorne haben und in die Halbfinals einziehen werden. Gründe dafür gibt es in meinen Augen zahlreiche.

 

Angefangen beim Trainer Vincent Kompany, der so herrlich unaufgeregt seinen Job macht und sich nicht in den Vordergrund drängt. Er hat seine Mannschaft zu einer Einheit zusammengeschweisst, auch für die Topstars steht das Team und nicht das eigene Ego im Vordergrund. Vorbei sind die Zeiten des FC Hollywood, es ist «mia soan mia» at it’s best. Zudem versteht es der Belgier, seine Spieler auf jeden Gegner perfekt einzustellen, und er weiss, dass er immer auf seine Jungs zählen kann.

 

Es ist beeindruckend, wie die Münchner ihre Spiele gewinnen. 3,4 erzielte Tore pro Spiel sind der eindrückliche Beweis einer immensen offensiven Qualität, in der Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz herausstechen. Dass Harry Kane nach seiner Verletzung im Nationalteam nun gegen Real zumindest wieder im Kader steht, ist natürlich ein zusätzliches, nicht zu unterschätzendes Plus. Der Torminator ist für jede gegnerische Defensive eine ernsthafte Bedrohung, auch für die der Spanier. Gleichzeitig zeigt der Wert von einem Gegentor pro Match, dass die Bayern bei aller offensiven Herrlichkeit die Defensive zwischendurch etwas vernachlässigen, aber sie sind auch jederzeit in der Lage, die Null zu halten.

 

Zudem hat der aktuelle FC Bayern München die spezielle Gabe, auf verschiedene Art und Weise zu den Siegen zu kommen. Da sind die Gala-Auftritte mit munterem Scheibenschiessen wie zuletzt im Achtelfinal-Hinspiel auswärts gegen Atalanta Bergamo mit einem 6:1-Sieg. Aber da gibt es auch die Willensleistungen wie am Samstag gegen den SC Freiburg, als die Bayern so gut wie geschlagen waren, nach 80 Minuten 0:2 im Rückstand lagen – und am Ende dank Toren der Youngsters Tom Bischof und Lennart Karl doch noch 3:1 gewannen. Es war ein weiterer Beweis für die immense Breite und Tiefe im Kader. Und vor allem auch für den unbändigen Siegeswillen. Das 3:2 war auch ein Sieg für die Moral und so sagte Sportvorstand Max Eberl nach dem Sieg: «Mehr positives Gefühl, um nach Madrid zu fahren, geht nicht.»

 

Ähnlich tönte es von Doppeltorschütze Tim Bischof: «So ein Spiel ist das perfekte Spiel für das kommende Spiel gegen Real. Wir merken, was wir für ein Team sind. Wir halten zusammen, das schweisst uns brutal zusammen. Es ist klar, dass es ein anderes Spiel wird. Real ist ein anderes Level, wir müssen noch eine Schippe drauflegen.» Und Lennart Karl meinte: «Der späte Sieg hat für sehr, sehr grosses Vertrauen gesorgt. Wir können jeden schlagen.» Und: «Wir fühlen uns im Moment tatsächlich unschlagbar.» Wenn die Bayern nun mit breiter Brust und grossem Selbstvertrauen ein angeschlagenes Real Madrid fordern, das am Samstag mit der Niederlage gegen Mallorca wohl auch noch die letzte kleine Chance auf den Meistertitel vergab, ist für mich die logische Folge, dass die Deutschen erstmals seit 2012 und dem Sieg im Elfmeterschiessen die Spanier im Giganten-Duell eliminieren.

 

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Wird wohl rechtzeitig wieder fit: Harry Kane, Bayerns grösste offensive Waffe (IMAGO / MIS)

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

 

Zugegeben: Wäre ich Fan von Real Madrid, gab es mit Sicherheit schon Zeiten, in denen ich mit mehr Zuversicht auf ein CL-Viertelfinal-Duell mit Bayern München geblickt hätte. Schliesslich erleben die Königlichen gerade zum zweiten Mal hintereinander eine Spielzeit, in der sie alles andere als unverwundbar auftreten. Auf der anderen Seite befinden sich die Münchner eigentlich schon seit August in der Art von Saison, die für gewöhnlich mit einem bajuwarischen Triple endet. Und doch ist für mich klar: Auch gegen ein imperfektes Real stehen die Bayern vor der bislang grössten Herausforderung dieser Spielzeit.

 

Denn mittlerweile ist es nicht mehr der deutsche Rekordmeister, der als «Bestia Negra» nach Spanien reist, um den dortigen Grossklubs das Fürchten beizubringen. Nein, es sind die Königlichen aus Madrid, die sich im letzten Jahrzehnt zu so etwas wie einem Angstgegner auf höchstem Niveau entwickelt haben. Vier Mal standen sich der FCB und Real seit 2014 in der Schlussphase der Champions League gegenüber – und jedes Mal zogen die erfolgsverwöhnten Münchner dabei den Kürzeren. Einmal deutlich (2014), zweimal auf Augenhöhe (2018 und 2024) und einmal ultra-knapp im Elfmeterschiessen (2017). Allerdings war gerade jenes Duell dasjenige, dass am ehesten an die aktuelle Ausgangslage erinnert. Auch damals dominierten die Bayern die Bundesliga nach Belieben, scheiterten in der Runde der letzten Acht aber an einem Real, dass am Ende der Spielzeit 17 Punke Rückstand auf Meister Barca aufwies, sich aber parallel den Champions-League-Titel sicherte.

 

Natürlich bedeutet das nicht, dass es neun Jahre später abermals so kommen muss. Genauso sollte man aber auch nicht den Fehler machen, die Madrilenen aufgrund einer bislang alles andere als berauschenden Spielzeit abzuschreiben. Denn wenn es ein Klub in den letzten Jahren verstand, quasi auf Knopfdruck bereit für grosse Momente und Spiele zu sein, dann ist das Real Madrid. Sei es 2017 oder – viel relevanter – vor wenigen Wochen im CL-Achtelfinale, als sich die Königlichen mit zwei überzeugenden Auftritten und einem Gesamtscore von 5:1 gegen Manchester City durchsetzten, dem sie z.B. in der Ligaphase noch unterlagen. Und über hinreichlich offensive Klasse, wie sie dieses Jahr den Münchnern um Kane, Olise und Diaz zugeschrieben wird, verfügt Real mit Kylian Mpappé, Vinicius Junior und Jude Bellingham schon länger.

 

Was sicher stimmt: Als Team sind die Madrilenen weniger gefestet und gerade in der Defensive mit den jungen Huijsen und Carreras auch weniger erfahren, als ihre bayerischen Antipoden. Ich zähle jedoch darauf in den beiden Spielen gegen die Bayern ein anderes Real zu sehen, als zuletzt im Liga-Alltag bei Mallorca oder in Oviedo. Ein Real, dass um seine Chance weiss, mit einem fünften aufeinanderfolgenden Triumph gegen den grossen deutschen Rivalen eine ansonsten ziemlich verkorkste Saison retten zu können. Und ein Team, in dem gerade die Führungsspieler auch in der Bringschuld sind, dem Klub nicht die zweite titellose Spielzeit in Folge zu bescheren.

 

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