SL-Endspurt: Darum wird in den letzten 7 Runden noch gespielt
Willkommen zurück im Super-League-Alltag. Knapp ein Jahr nachdem zum selben Zeitpunkt der Saison (32. Spieltag) noch die halbe Liga (leise) vom Meistertitel träumen durfte und sich vier weitere Klubs vor dem Abstieg fürchteten, ist die Ausgangslage in dieser Spielzeit deutlich klarer. Dennoch steht in den finalen sechs Meisterschaftswochen einiges auf dem Spiel. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Entscheidungen.
Nicht wenn, sondern wann
In einem Punkt hat die Super League die europäischen Top-Ligen nicht nur ein-, sondern direkt auch überholt. Denn dass der Tabellenführer die nationale Meisterschaft zu diesem Zeitpunkt der Saison mit sage und schreibe 15 Punkten Vorsprung anführt, ist selbst in den sonst gerne als „vorhersehbar“ bezeichneten Championats der Ligue 1 und der Bundesliga unvorstellbar. Alas, dreht sich in der Schweiz eigentlich alles nur noch um die Frage, wann denn der FC Thun den ersten Meistertitel seiner Klubgeschichte in trockene Tücher packt. Erster möglicher Zeitpunkt: Das Heimspiel gegen den FC Basel vom Samstag, 11. April, seit dieser Woche offiziell ausverkauft. Was gegen eine so frühe Entscheidung spricht: Das nicht ganz so einfache Auswärtsspiel in Lugano vom Ostersamstag sowie natürlich die Partie gegen den FCB selber, der seinen Titel wohl lieber nicht im direkten Duell an den Underdog aus dem Oberland abtreten möchte. Und was, falls die Thuner die nun folgenden vier direkten Duelle mit Lugano und Basel allesamt verlieren würden? Mit dieser Frage können wir uns dann beschäftigen, wenn dieser Fall tatsächlich eintreffen sollte.
Aus fünf mach zwei
Hinter Thun geht es vergleichsweise eng zu und her. Zwar hat sich das zweitplatzierte St. Gallen (56 Punkte) einen kleinen Vorsprung auf den FC Basel (52 Punkte) und den FC Lugano (51 Punkte) erarbeitet, hat aber trotzdem ein - noch kleines - Problem. Anders als in den Vorjahren hat die Schweiz in der Saison 2026/2027 nämlich nur noch vier Startplätze in Europa, wovon einer auf den Cupsieger fällt. Natürlich könnte der FC St. Gallen heissen, wer sich allerdings aktuell mit der Materie „Europacup“ beschäftigt, sollte dafür zwingend den zweiten oder dritten Tabellenplatz ins Visier nehmen. Machbar für das eben erwähnte Trio, bereits sehr herausfordernd für die beiden letzten, für die Championship Group qualifizierten Teams, Sion und YB (je 46 Punkte). Entsprechend wichtig könnten hier die Spiele werden, die noch vor der Trennung der Tabelle auf dem Programm stehen. Während St. Gallen in den Spielen gegen Zürich und Luzern die Chance winkt, sein Punktekonto noch vor den fünf folgenden Direktduellen anzureichern, bietet sich Sion umgekehrt die Möglichkeit, um bei GC und gegen Lausanne an Boden gut zu machen. Deutlich weniger komfortabel ist da die Ausgangslage in Bern vor dem samstäglichen Gastspiel in Basel. Eine Niederlage können sich die Young Boys hier kaum erlauben, wenn sie ernsthaft an Rang 3 dranbleiben möchten.
Wer kann im Schneckenrennen noch zulegen?
Zugegeben: Im Super-League-Tabellenkeller war die Ausgangslage schon deutlich spannender. Denn mit Luzern (39 Punkte), Servette (36 Punkte), Lausanne (36 Punkte) und dem FC Zürich haben sich aktuell bereits vier Teams um mindestens zehn Punkte vom Barrageplatz (Rang 11) entfernt. Verbleiben also noch GC (24 Punkte) und Winterthur (19 Punkte), die den direkten Absteiger in einem Schneckenrennen von historischem Ausmass unter sich ausmachen. Zur Einordnung: Kein einziger Absteiger war in den letzten zehn Jahren zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch schlechter unterwegs als der FCW (0,61 Punkte/Spiel) und auch die Hoppers wären mit dem aktuellen Punkteschnitt (0,77/Spiel) nur bedingt besser gestellt. Aber natürlich schützt schlechter Fussball nicht vor Spannung und diese dürfte im Abstiegskampf entsprechend noch eine Weile erhalten bleiben. Zum einen, weil die beiden Teams kaum je voll punkten (gemeinsam neun Siege in total 62 Spielen), zum anderen, weil sie in den Runden 33 und 37 noch zweimal direkt gegeneinander antreten werden. Das Zünglein an der Waage könnte schlussendlich jedoch der Faktor spielen, wie sich die sportlich belanglose Situation der vier Relegation-Group-Mistreiter auf deren Leistungsbereitschaft in den Duellen mit GC und Winterthur auswirken wird. Ein Element, das in der Abstiegsfrage eine kaum vorhersehbare, dafür aber umso entscheidendere Rolle spielen könnte.