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Spiele der letzten Chance: Diese Schweizer träumen noch vom WM-Ticket

Patrick

Während sich die Schweizer Nationalmannschaft heute Abend im Test gegen Norwegen ein zweitletztes Mal auf die Weltmeisterschaft im Sommer vorbereitet, geht es für neun weitere Schweizer Kicker gleichzeitig um alles. Mit dem Kosovo, Bosnien-Herzegowina und der Demokratischen Republik Kongo kämpfen sie um die Chance, im letztmöglichen Moment doch noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

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Schiesst Haris Tabakovic Bosnien-Herzegowina heute Abend in die Schweizer WM-Gruppe B? Italien dürfte etwas dagegen haben © IMAGO / Every Second Media

Mit dem Spätzünder und einem Coach aus dem Nichts in die USA

Wer hätte das vor knapp zwei Jahren gedacht? Bosnien-Herzegowina steht unmittelbar vor der zweiten WM-Teilnahme in der Geschichte des noch jungen Landes – mit Trainer Sergej Barbarez und dem Berner Goalgetter Haris Tabakovic. Beide waren vor 24 Monaten noch nicht wirklich auf dem Radar der bosnischen Auswahl, Tabakovic als erst gerade (Spät)Berufener aus der zweiten Bundesliga, Barbarez als ex-Bundesligaprofi, der seine Trainerkarriere mal so eben auf dem wichtigsten Trainerposten des Landes lancierte – rund 15 Jahre nach seinem Rücktritt als Spieler. Eine Trainerwahl wie sie wohl nur ein Land treffen konnte, das vor der aktuellen WM-Kampagne in diesem Jahrzehnt genau in einem Jahr (2022) mehr als einen Punkt pro Spiel sammelte. Das hat mittlerweile auch Barbarez geschafft (1,32 Punkte/Partie), was nach dem missglückten Beginn seiner Trainerlaufbahn (sechs Niederlagen und ein Unentschieden, inkl. einem 0:6 gegen GER) bereits viel über den Turnaround aussagt, den der ex-HSV-Torjäger in seiner Heimat zu initiieren vermochte. Seit einem 1:2 gegen Österreich im September haben die Bosnier nie mehr verloren und kamen der direkten WM-Qualifikation im Herbst so sehr nahe. Schlussendlich scheiterten sie aufgrund eines 1:1 in Wien, in dem der langjährige Schweizer U-Internationale Tabakovic sein drittes Tor im dritten aufeinanderfolgenden Länderspiel erzielte. Bei YB und GC gescheitert, hat der 31-Jährige seinen Weg im Ausland gemacht und erzielt seine Tore mittlerweile für Borussia Mönchengladbach. Aktuell Stürmer Nr. 3 in Barbarez‘ Kader hinter Captain Edwin Dzeko und dem ex-St. Galler Ermedin Demirovic, könnte er heute Abend auch gegen Italien eine wichtige Rolle einnehmen. Zwar steigt der vierfache Weltmeister als Favorit in das entscheidende Playoff-Duell, vieles könnte aber davon abhängen, wie gut es den Italienern gelingt, die Gedanken an die in vergleichbaren Szenarien verspielten WM-Teilnahmen 2018 und 2022 zu verdrängen. Von der Bilanz von vier Siegen und einem Unentschieden in den bisherigen sechs Duellen mit den Bosniern werden sich die „Azzurri“ heute Abend auf jeden Fall nichts kaufen können.

 

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Jubel mit Kosovo: Albian Hajdari (Bildmitte) und sechs weitere "Schweizer" hoffen heute Abend auf die erste WM-Qualifikation in der Geschichte des jungen Landes (IMAGO / Michal Fajt)

Geschichte schreiben in Pristina

Ähnlich überraschend wie die Teilnahme Bosnien-Herzegowinas in der zweiten Runde der WM-Playoffs, ist die Tatsache, dass sich für diese „Alles-oder-Nichts-Spiele“ auch der Kosovo qualifiziert hat. Fast genau zehn Jahre nach der Aufnahme in UEFA und FIFA, winkt dem Kleinstaat mit knapp 1,8 Mio. Einwohner:innen die Gelegenheit, mit der erstmaligen Qualifikation für eine (WM-)Endrunde Geschichte zu schreiben. Dank dem 2022 beim FC Zürich in Rekordzeit geschassten Franco Foda (GER) auf der Trainerbank und einem Kader, in dem es von in der Schweiz ausgebildeten Spielern (sieben an der Zahl) wimmelt. Angefangen bei den beiden Torhütern Arijanet Muric (US Sassuolo) und Amir Saipi (FC Lugano), über das Hoffenheimer-Duo Leon Avdullahu und Albian Hajdari sowie die SL-erprobten Defensivstützen Fidan Aliti (2022 Meister mit dem FCZ), Kreshniq Hajrizi (FC Sion) und Florent Hadergjonaj (ex-YB, jetzt Alanyaspor). In das entscheidende Duell mit der Türkei steigen die „Dardanët“ dennoch als klarer Aussenseiter, zumal ausgerechnet Mittelfeld-Taktgeber Advullahu aufgrund einer Mitte März zugezogenen Adduktorenverletzung nicht zur Verfügung stehen wird. Aber auch mit dem ex-Basler in Bestform wären die Türken, bei denen die Top-Talente Arda Güler (Real) und Kenan Yildiz (Juve) alleine über deutlich mehr Marktwert(165 Mio Euro vs. 114 Mio. Euro), als der gesamte kosovarische Kader verfügen, als klarer Favorit in die Partie in Pristina gestiegen. Und doch sollte man zwei Faktoren nicht unterschätzen: Den Willen und den Glauben der kosovarischen Einheit, welche diese Merkmale auch am Freitag in der Slowakei (3:4 Auswärtssieg) auf den Platz brachte und die Fähigkeit der Türken, in den entscheidenden Momenten immer wieder einmal die Nerven zu verlieren. Nicht umsonst kämpft eine der stärksten Fussballkulturen Europas abermals um die erste WM-Teilnahme seit 2002.

 

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Noch ein Sieg (vs. Jamaika) trennt die DK Kongo und den Solothurner Charles Pickel (in rot-orange) von der ersten WM-Teilnahme seit 1974 (IMAGO / Pascu Mendez)

Ein Sieg für ein geschundenes Land

Und dann gibt es da ja noch das interkontinentale WM-Playoff, in dem u.a. die Demokratische Republik Kongo auf Jamaika trifft. Gespielt wird morgen früh Schweizer Zeit in Guadalajara (Mexiko) und mit dem ex-Basel-, ex-GC- und ex-Xamax-Akteur Charles Pickel ist ein ehemaliger Schweizer U-Internationaler mittendrin statt nur (via Stream) dabei. Mittlerweile kickt der Solothurner im zentral-defensiven Mittelfeld von Espanyol Barcelona und hat in dieser Rolle auch in der Nationalmannschaft der Heimat seiner Mutter eine wichtige Rolle inne. Zuletzt scheiterten „die Leoparden“ in ihrer afrikanischen Qualifikationsgruppe trotz sieben Siegen in acht Spiele knapp an Senegal (2:3-Niederlage im Direktduell), unterlagen im Achtelfinale des Afrika-Cups WM-Teilnehmer Algerien (0:1 n.V.) und erhalten nun aber gegen die Nr. 70 der FIFA-Weltrangliste eine weitere Chance, um sich im seit Jahrzehnten kriegsgeplagten Vielvölkerstaat (über 200 ethnische Gruppen) unsterblich zu machen. Bringen die Kongolesen ihr Potential auf den Platz, dürfte der ersten WM-Teilnahme seit 1974 nichts mehr im Weg stehen, es sei denn, der von Aston-Villa-Angreifer Leon Bailey angeführte Karibikstaat wächst im entscheidenden Moment über sich hinaus. In der Qualifikation, in der Jamaika an Curacao scheiterte, schafften das die zu einem grossen Teil aus der britischen Championship rekrutierten „Reggae Boys“ allerdings nicht.

 

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