Stellt Fischer den Dortmundern ein Bein?
Urs Fischer hat dem 1. FSV Mainz 05 neues Leben eingehaucht und sich mit dem Klub vom Tabellenende verabschiedet und ins Mittelfeld vorgearbeitet. Führt er sein Team nun zum nächsten Sieg und lässt die Dortmunder Meisterträume platzen?
Dank drei Siegen in Serie – gegen Wolfsburg, Leipzig und Augsburg – haben sich die Mainzer in der Tabelle in eine viel angenehmere Position manövriert. Beim Amtsantritt von Fischer belegte der Klub noch den letzten Platz, mit bereits beachtlichem Abstand gegen vorne. Nun ist Mainz auf Rang 14, hat eine Reserve von vier Punkten auf den ersten direkten Abstiegsplatz – und gleichzeitig fehlen nur zwei Zähler auf den Tabellenzehnten Köln. Mainz ist zurück im Geschäft, doch Fischer hält den Ball wie gewohnt flach und weist darauf hin, dass es keinen Grund gibt, auch nur einen Gang runterzuschalten: «Wir wollen und müssen weiter von Woche zu Woche besser werden.»
Die Richtung stimmt. Von den ersten vier Spielen der zweiten Saisonhälfte hat Mainz drei gewonnen. Es ist die zweitbeste Bilanz in diesem speziellen Ranking, das von Borussia Dortmund mit vier Siegen in vier Spielen angeführt wird. «Das Selbstvertrauen ist aufgrund der Resultate zurückgekommen», sagt Fischer nun im Hinblick auf das Duell heute Abend gegen die Dortmunder, bei denen Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 2012 zurückgekehrt sind. Seine Mainzer sind im Flow, klettern in der Tabelle kontinuierlich nach oben und so sagt der Trainer: «Da entsteht etwas im Kopf, wenn du dir etwas zutraust, anstatt zögerlich zu sein.»
Gleichzeitig hebt er vor dem Duell gegen die Dortmunder, gegen die er von zehn Duellen mit Union Berlin nur drei gewinnen konnte, aber den Mahnfinger und stellt klar: «Erreicht ist noch nichts. Wir wollen und müssen weiter von Woche zu Woche besser werden.» Dennoch rechnet er sich gute Chancen aus, um die Dortmunder von der Siegeswelle herunterzureissen, dies aber nur, «wenn wir an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen können, unsere Basics abrufen und kompakt sind».
Die Balance finden
Der Schweizer hat sein Team gerade in der Defensive stabilisiert und mit viel Pragmatismus zurück in die Spur geführt. «Du brauchst eine Kompaktheit und musst gut organisiert sein. Du darfst ihnen nicht zu viele Räume lassen», sagte Fischer nun vor dem Duell mit den Dortmundern, bei dem er aber nicht nur auf die Defensive setzen will: «Es gibt ja auch noch ein Spiel ohne Ball. Ich glaube schon, dass du sehr mutig in Dortmund auftreten und den Ball behaupten musst.»
Es geht darum, die richtige Balance zu finden, so, wie er es in seiner Aufgabe vorlebt. Er hebt weder nach sensationellen Siegen wie in Leipzig ab, noch versinkt er nach Rückschlägen wie bei den Niederlagen gegen Köln oder der Nullnummer gegen St. Pauli im Elend. Dinge, die nicht zu ändern sind, beschäftigen den am 20. Februar 60 Jahre alt werdenden Zürcher nicht allzu gross. Nach dem Sieg gegen Augsburg sagte er zum streitbaren Penaltyentscheid lediglich: «Der Schiedsrichter hat entschieden, also muss ich mir die Bilder nicht anschauen. Spiel ist vorbei.»
Am Freitagabend nun also das Duell gegen die Borussia Dortmund, für die eine Niederlage wohl das Ende der Meisterträume bedeuten würde, nachdem die zuletzt schwächelnden Bayern gegen Hoffenheim und im Pokal gegen Leipzig wieder ihre Muskeln spielen liessen. «Dortmund kombiniert sich immer wieder durchs Zentrum, dazu haben sie Spieler, die ins Eins-gegen-eins gehen können», analysiert Fischer den Gegner. Um gegen die Borussia zu bestehen, benötige seine Mannschaft eine gute Organisation, auch gegen Umschaltaktionen, aber es sei auch wichtig, «mutig aufzutreten mit Ball, ihn zirkulieren zu lassen». Am Ende mache es die Mischung aus gegen ein Top-Mannschaft, die erst ein Spiel verloren und die zweitbeste Defensive der Liga habe.
Klar ist, dass die Mainzer wieder an sich glauben. Dass mit den jüngsten Erfolgen das wichtige Selbstvertrauen zurückgekehrt ist, was auch beim Coach für Zuversicht sorgt: «Wenn wir an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen können, unsere Basics abrufen und kompakt sind, haben wir gute Chancen.»
Lob von Kovac
Fischer ist definitiv der wichtigste Faktor für die Renaissance der Mainzer nach dem Niedergang unter Ex-FCZ-Trainer Bo Henriksen. Aber nicht der einzige. Das Team wurde durch die vier Neuzuzüge Stefan Posch, Phillip Tietz, Silas und Sheraldo Becker gezielt und clever verstärkt. «Ich glaube schon, dass der Konkurrenzkampf zugenommen hat – das ist aber auch wichtig. Die Jungs nehmen diesen Kampf an. Für die Innenverteidigung haben wir aktuell sieben Kandidaten für drei Positionen, da kann nicht jeder spielen. Im Sturm verhält es sich genauso eng. Jeder Trainer freut sich, einen solchen Kader zur Verfügung zu haben. Becker für Silas bringen zu können, das hilft dir schon», so Fischer, der im Vorfeld des Spiels auch von BVB-Coach Niko Kovac gelobt wurde: «Ich freue mich, dass Urs Fischer wieder zurück in der Bundesliga ist. Jetzt sieht man seine Qualitäten. Er spielt sein System – wie auch in Berlin – sehr kompakt und schnell auf Konter. Man sieht die Erfahrung, die er mitbringt. Die Mainzer sind eine gute Mannschaft. Ich erwarte ein schwieriges Spiel.»