Stresstest: Neun Schweizer im Bundesliga-Überlebenskampf
Bei Bayern und Bayer spielt seit spätestens diesen Sommer keiner mehr. Bei Leipzig ohnehin noch (fast) nie und auch beim BVB hält aktuell nur noch Keeper Kobel unsere Fahne hoch. Die Rede ist von den Schweizer Legionären in der Fussball-Bundesliga, die sich in diesem Jahr zwangsläufig vermehrt im Abstiegskampf tummeln. Ob Hamburg oder Heidenheim, Mainz oder Mönchengladbach – wo Abstiegskampf draufsteht, ist in diesem Jahr viel «Swissness» drin.
Leonidas Stergiou in Heidenheim (Rang 18, 14 Punkte)
In sprichwörtlich höchster Abstiegsgefahr befinden sich Leonidas Stergiou und der 1. FC Heidenheim. Mit Stergiou selber hat das allerdings relativ wenig zu tun, wechselte er doch erst zur Rückrunde zu den Ostschwaben. Allerdings konnte der 23-jährige Rechtsverteidiger bislang auch nicht wirklich zur erhofften Trendwende beitragen. Nach zwei Einsätzen zum Auftakt, fiel die VfB-Leihgabe zuletzt gegen Dortmund bereits wieder mit Adduktorenproblemen aus. Ein Rückschlag für den Toggenburger und sein neues Team, dem in seiner dritten Bundesliga-Saison zum zweiten Mal in Folge die Relegation droht. Kommt Stergiou nicht bald und stark zurück, dürfte der EM-Teilnehmer von 2024 (drei Teileinsätze) die WM nur vor dem Fernseher verfolgen.
Urs Fischer und Silvan Widmer in Mainz (Rang 16, 18 Punkte)
«Mit Urs auf Kurs»: So oder ähnlich könnte das Fazit nach knapp zwei Monaten Urs Fischer in Mainz lauten. Am 7. Dezember als Nachfolger des entlassen Bo Henriksen vorgestellt, ist es dem erfahrenen Zürcher innert Rekordzeit gelungen, die zuvor arg wackelnden «Meenzer» (12 Spiele / 6 Punkte) wieder in die Spur zu bringen. Angefangen mit einem 2:2 im ersten Spiel beim FC Bayern, zuletzt mit einem 2:1-Auswärtssieg bei RB Leipzig. Der Schlüssel: Fischers Abkehr vom Dreimann-Sturm zugunsten eines fünften Mittelfeldspielers, seitdem die Mainzer fast doppelt so viele Tore wie zuvor erzielen.
Ebenfalls einen guten Lauf erlebt Rechtsverteidiger Silvan Widmer. Der Captain spielte sich nach einer schwierigen Vorsaison im Herbst 2025 wieder zurück in die Stammelf der 05er und gehört dort auch unter Fischer zu den Fix-Startern. Zuletzt gelangen dem 32-Jährigen sogar zwei Tore. Trotzdem bleibt die Gesamtwetterlage trügerisch. Aufgrund des schwachen Saisonstarts dürften die Rheinhessen wohl noch länger in der Nähe der Abstiegszone verbleiben.
Isaac Schmidt in Bremen (Rang 15 mit 19 Punkten)
Vielleicht hat Isaac Schmidt zum Zeitpunkt, an dem Sie diese Zeilen lesen bereits einen neuen Trainer (ja, es ist Daniel Thioune). Fakt ist: Nach einer Serie von zehn sieglosen Spielen hat Schmidts Arbeitgeber den bisherigen Hauptübungsleiter Horst Steffen vergangenen Sonntag entlassen. Unter dem 56-Jährigen kam die Leeds-Leihgabe seit dem vergangenen Sommer immer wieder zu Einsätzen (zwölf), zuletzt in der Schlussviertelstunde des samstäglichen Duells mit Borussia Mönchengladbach, als der Linkverteidiger per Kopf aktiv einen Beitrag zum späten Ausgleich leistete. Für Linksverteidiger Schmidt und Werder kann es in den kommenden Wochen nur darum gehen, sich mit guten Leistungen den Platz in der Bundesliga sowie im Schweizer WM-Kader zu verdienen.
Pirmin Schwegler in Wolfsburg (Rang 14 mit 19 Punkten)
Vom Bremer Rasen in die Wolfsburger Teppichetage. Dort hat am 10. Dezember Pirmin Schwegler Einzug gehalten und steht als Neo-Sportdirektor zum ersten Mal in der Verantwortung für den sportlichen Erfolg. Und ganz zu Beginn seiner noch frischen Amtszeit lief es für den Zentralschweizer und die Wölfe auch ganz ordentlich: Vier Spiele, sieben Punkte und damit genügend Argumente, um Interims-Trainer Daniel Bauer mit Vertrag bis 2027 zum neuen Cheftrainer zu befördern und den Kader mit den hoffnungsvollen aber jungen Cleiton (Flamengo), Kento Shiogai (NEC Nijmegen) und Jonas Adjetey (FCB) zu verstärken. Bislang ohne den erhofften Erfolg. Anstatt sich weiter in Richtung Mittelfeld abzusetzen, befinden sich Schwegler und der VfL nach einer Serie von sechs Spielen und vier Punkten abermals mitten im Abstiegskampf. Nächste Gegner: Borussia Dortmund und RB Leipzig.
Miro Muheim in Hamburg (Rang 13 mit 19 Punkten)
Nach 20 Partien seiner ersten Bundesliga-Saison kann man festhalten: Miro Muheim hat sich in Deutschlands höchster Spielklasse etabliert. Beim Traditionsverein ist der gebürtige Zürcher verlässlicher Teil der siebtbesten Defensivreihe der Liga, dank der der ehemalige Bundesliga-Dino sich bislang im hinteren Tabellen-Mittelfeld etabliert hat. Nur: Der aktuelle Trend ist kein Hamburger Freund, wartet die Truppe von Trainer Merlin Polzin mittlerweile doch seit bereits sechs Spielen auf einen Sieg. Trotz jüngstem Remis gegen die Bayern nicht die Art von Entwicklung, die sich die Rothosen in Jahr 1 nach der Bundesliga-Rückkehr erhofft hatten. Finden sie in den anstehenden Direktbegegnungen gegen Heidenheim, Union und Mainz jedoch keinen Schlüssel zu mehr offensiver Durchschlagskraft (bislang 19 Tore), könnte die aktuelle Serie für Muheim & Co. trotz dem Ausrufezeichen gegen den Rekordmeister bald einmal gefährliche Dimensionen annehmen.
Nico Elvedi in Gladbach (Rang 12 mit 21 Punkten)
Seit mittlerweile zehneinhalb Jahren trägt Nico Elvedi (29) das Trikot von Borussia Mönchengladbach, doch so düster, wie zu Saisonbeginn unter ex-Coach Gerry Seoane, dürfte die Perspektive der Fohlen dabei noch selten gewesen sein. Nicht für den unbestritten Routinier und Leistungsträger persönlich, aber für den Klub, der sich nach einem monumentalen Fehlstart mit drei Punkten aus acht Spielen auf dem 18. und letzten Tabellenplatz wiederfand. Dann kamen Eugen Polanski und mit ihm (kurzfristiger) Erfolg und Glaube in den Borussia-Park zurück. Aus vier Spielen resultierten zehn Punkte und spätestens nach dem 4:0-Erfolg gegen Augsburg zum Rückrundenauftakt, schien der Abstiegskampf passé. Doch falsch gedacht. Der Triumph über die Fuggerstädter war der einzige in den vergangenen sieben Spielen und deshalb stagnieren der 63-fache Internationale und der Traditionsklub im Dunstkreis der vom Abstieg bedrohten Klubs. Mit Blick auf die kommenden Wochen kann es für Elvedi und die Borussia deshalb nur ein Ziel geben: Aus den Duellen mit Leverkusen, Frankfurt, Freiburg, Union und Bayern zumindest so viele Punkte zu sammeln, um nicht noch weiter in Richtung Abstiegsränge zu rutschen.
Fabian Rieder und Cédric Zesiger in Augsburg (Rang 12 mit 22 Punkten)
So schnell kann es gehen. Eben noch in akuter Abstiegsgefahr, befindet sich der FC Augsburg nach den beiden Erfolgen gegen den FC Bayern und St. Pauli plötzlich am oberen Rand der «Abstiegsgefährdungszone». Auch dank der beiden Schweizer Fabian Rieder und Cédric Zesiger, die in Augsburg eigentlich schon die ganze Saison über zum erweiterten Stamm gehören und zuletzt regelmässig in der Startelf standen. Doch noch ist in der Fuggerstadt nicht alle Gold, was glänzt. Ein dominanterer und produktiverer Rieder wäre aus Schweizer Sicht und mit Blick auf die WM sicher wünschenswert (sechs Skorerpunkte aus 22 Spielen) und auch für den Klub selbst bleibt die Lage angespannt. Immerhin hat man zumindest in den kommenden Wochen alles in den eigenen Füssen: Die nächsten Gegner heissen Mainz (a), Heidenheim (h), Wolfsburg (a) und Köln (Rang 11 mit 23 Punkten und – natürlich - dem Schweizer Joël Schmied).