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Stresstest für Charlin

Andy

Die ZSC Lions haben heute Abend in Lugano die grosse Chance, mit dem vierten Sieg in Serie gegen die Tessiner als erstes Team und mit weisser Weste in die Halbfinals einzuziehen. Weniger rosig sind die Perspektiven für den Genève-Servette HC und Goalie Stéphane Charlin, die im Derby gegen Lausanne bereits mit dem Rücken zur Wand stehen.

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Behält Servette-Goalie Stéphane Charlin gegen Lausanne einen kühlen Kopf und bringt er sein Team nach einem 1:2-Rückstand in die Viertelfinalserie zurück? © KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Titelverteidiger ZSC Lions überzeugte beim 4:0-Sieg im dritten Duell gegen den HC Lugano mit einer meisterlichen Leistung und hat heute Abend im Tessin den ersten Matchpuck. Die Zürcher setzten ein fettes Ausrufezeichen und zeigten eindrücklich auf, dass mit ihnen im Meisterkampf zu rechnen ist – egal, wer der Gegner ist.

Das sollte eigentlich auch auf den Genève-Servette HC zutreffen, der die Regular Season auf Rang 3 abgeschlossen und in der finale Phase fünf Siege aneinandergereiht hat. Grosse Trümpfe waren dabei der finnische Paradesturm mit Markus Granlund, Sakari Manninen und Jesse Puljujärvi sowie Goalie Stéphane Charlin, der in der letzten Saison, als er noch in Diensten der SCL Tigers war, zum MVP der National League gewählt wurde.

Der Sturm und der Goalie schwächeln

Doch aktuell ist es vorbei mit dieser Herrlichkeit. Im ersten Viertelfinalduell gegen Lausanne erzielte zwar Puljujärvi beim 1:0-Sieg den entscheidenden Treffer und feierte Goalie Charlin einen Shutout. Doch danach war der Ofen aus. Der so hoch eingeschätzte Sturm mit den drei finnischen Topstars stellte quasi den Betrieb ein, war nicht einmal mehr ein laues Lüftchen, so dass Granlund und Manninen auch nach drei Spielen noch auf ihre ersten Skorerpunkte in diesen Playoffs warten, während ihr Linienpartner Puljujärvi wenigstens das eine Tor auf seinem Konto hat. Und auch Goalie Charlin wurde den Ansprüchen und Erwartungen nicht mehr gerecht.

In den beiden Spielen nach seinem Shutout wurde er jeweils fünfmal bezwungen, so dass Lausanne nach den zwei Siegen (5:1 und 5:2) in der Serie mit 2:1 führt und mit einem weiteren Erfolg einen grossen Schritt in Richtung Halbfinal machen kann. Servette-Keeper Charlin hielt in diesen beiden Spielen noch 86,21 respektive 83,33 Prozent der gegnerischen Schüsse – es sind unterdurchschnittliche Werte, die für Erfolge in den Playoffs schlicht nicht ausreichen. Auf der anderen Seite stehen bei Lausannes Kevin Pasche starke 97,30 und 94,87 Prozent, was ganz klar zeigt, wo sich das Momentum befindet.

Nun sind die Genfer gefordert. Die Stürmer, aber speziell auch Goalie Charlin, der nun zeigen muss, dass er nicht nur während der Regular Season, sondern auch in den Playoffs stark performen kann und über genügend breite Schultern verfügt, um diesem Druck standzuhalten. Denn seine Playoff-Erfahrung in der National League ist bescheiden. Letzte Saison verpasste er den Playoff-Beginn aufgrund einer Verletzung und kam erst in den letzten zweieinhalb Spielen der Viertelfinalserie zwischen den SCL Tigers und Lausanne zum Zug, welche die Waadtländer mit einem 6:2-Sieg in der Finalissima für sich entschieden. Charlin hielt damals in seinen Einsätzen 92,31 Prozent der gegnerischen Schüsse, aktuell liegt dieser Wert nach drei Spielen bei 88,16 Prozent.

Grosses Potenzial – und starke Nerven?

«Er bleibt ein sehr guter Torhüter, unsere Nummer eins und ein Schlüsselspieler für den weiteren Verlauf der Serie», betonte Servette-Stürmer Marc-Antoine Pouliot am Mittwoch nach der Heimniederlage. Er sei überzeugt, dass Charlin bereits am Freitag in der Vaudoise Arena wieder zu alter Stärke. Und Ex-Servette-Goalie Gauthier Descloux erklärte in den Westschweizer Medien: «Wenn ich ihn mit anderen Torhütern in der Schweiz oder der KHL vergleiche, sehe ich niemanden mit seinem Potenzial. Er nimmt viel Raum ein, spielt sehr sauber und hat gute Beine. Er hat alles, um noch weiter zu kommen. Dieser grosse Torhüter ist gemacht für die NHL.» Und im Endeffekt habe jeder einmal einen schlechten Abend.

Das kann sich Charlin nun aber nicht mehr erlauben. Und sein Goalietrainer Mathieu Fernandes ist überzeugt, dass sein Schützling den Weg zurück in die Spur findet. Er sagt: «Er bleibt ruhig, egal was passiert. Das ist eine seiner grossen Stärken.» Charlin lese das Spiel gut, erkenne Schüsse früh und bewahre stets einen kühlen Kopf. Auch in Extremsituationen verliere er nicht die Nerven: «Selbst bei einem Erdbeben würde er ruhig bleiben und überlegen, was zu tun ist.» So weit geht es glücklicherweise nicht, aber klar ist, dass Charlin nun einem Stresstest unterzogen wird, den er bestehen muss, damit in Genf weiterhin vom Meistertitel geträumt werden kann.

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