The good, the bad and the injured: Unsere NHL-Schweizer einen Monat vor Olympia
In knapp einem Monat ist es soweit: Die Schweiz trifft zum Auftakt ins Olympische Eishockeyturnier auf Frankreich. Mit zahlreichen WM-Silberhelden und mit der ersten (fast) kompletten Auswahl an NHL-Cracks seit Jahren. Sind sie in Form, hat die Schweiz im Idealfall sogar die Chance auf eine Medaille. Aktuell sind die Rückmeldungen aus Nordamerika jedoch nicht nur positiv.
Top
Roman Josi
Die erfreulichste Entwicklung für die Schweizer Nationalmannschaft: Ihr Captain ist zurück. Nach einem Seuchenjahr mit POTS-Syndrom und einer Oberkörperverletzung ist der Berner endlich wieder bei 100 Prozent angelangt. Seit seiner Rückkehr Ende November beflügelt Josi das Spiel seiner Nashville Predators, die sich in den letzten knapp sechs Wochen mit einer Serie von 24 Spielen und 30 Punkten vom letzten Platz der Western Conference auf Rang 10 hervorgearbeitet haben. Auch dank Josi, der in bislang 33 Spielen 21 Punkte (6 Tore, 15 Assists) verbuchen konnte und zuletzt gegen Washington dreifach skorte. So darf es gerne weitergehen.
Janis Moser
Auch auf Janis «J.J.» Moster dürften sich die Schweizer Eishockeyfans freuen. Weniger spektakulär als sein zehn Jahre älteres Pendant in der Nati-Defensive, überzeugt der 25-jährige Seeländer in den Reihen der Tampa Bay Lightning bislang vollauf. Als Teil der ersten Linie des dreifachen Stanley-Cup-Champions übernimmt Moser überwiegend defensive Aufgaben und erfüllt diese auf hohem Niveau. Der Lohn: Eine Plus-37-Bilanz bei Halbzeit der Regular Season und eine Vertragsverlängerung um die Maximaldauer von acht Jahren in Florida, die ihm pro Jahr künftig USD 6,75 Mio. einbringen wird. Der ehemalige Bieler wird auch in Mailand eine zentrale Rolle einnehmen.
Solide, aber mit Luft nach oben
Nico Hischier
Kaum zu glauben: Mit 27 bestreitet der Walliser bereits seine neunte NHL-Saison. Nach einem starken Start zeichnet sich jedoch ab, dass diese die sportlich Herausforderndste werden könnte, sind die Teufel seit Ende November (Rang 1) doch regelrecht abgestürzt (aktuell Platz 13 mit 48 Punkten). Daran nicht gänzlich schuldlos ist Hischier, der zwar jeden Abend forciert (20:56 Minuten Eiszeit) und im Über- und Unterzahlspiel eingesetzt wird, die Devils aber trotz ordentlicher Skorerwerte (13G/22A sind Schweizer Ligabestwert) bislang nicht stabilsieren konnte. Entsprechend macht die Kritik zum ersten Mal in seiner Karriere auch vor dem Captain nicht halt. Trotzdem gilt: Auf den vielseitigen Zweiweg-Center wird die Schweiz in keiner Phase eines Spiels verzichten wollen.
Kevin Fiala
Mit 16 Saisontoren ist Fiala der aktuell beste Schweizer NHL-Torschütze. Auch in der teaminternen Skorerliste belegt der Ostschweizer derzeit mit 31 Punkten Rang 2, was umso bemerkenswerter ist, als dass Fiala zuletzt aus taktischen Gründen und aufgrund der Verletzung von Captain Anze Kopitar des Öfteren «nur» noch in der dritten Sturmreihe der Kalifornier zum Einsatz kam. Doch auch hier gilt: Der schnelle und kreative 29-Jährige kann in einer Partie jederzeit mit einer Einzelaktion für den Unterschied sorgen, auch wenn er der Pace seiner produktivsten NHL-Spielzeiten derzeit noch etwas hinterherhinkt. Findet der Familienvater in Mailand den nächsten Gang, wäre das für die Nati ein grosses Plus.
Akira Schmid
Für den 26-Jährigen verläuft die aktuelle Spielzeit bislang überraschend gut. Als Nr. 3 der Las Vegas Golden Knights in die Saison gestartet, ist Schmid dank Verletzungen von Stammkeeper Adin Hill und zuletzt von Carter Hart mehr oder weniger kampflos zur temporären Nr. 1 aufgestiegen und hat diese Chance bislang an den meisten Abenden genutzt. Zwar spielt er nicht überragend, aber solide, was ihm in 23 Einsätzen bislang 13 Siege eingebracht hat. Statistisch gesehen liegt der ex-Devil mit einer Fangquote von 89,5% allerdings unter der Grenze von rund 91%, welche gute Keeper für gewöhnlich vom Durchschnitt trennt, was vor allem daran liegt, dass Schmid auf gute auch immer wieder einmal schwächere Spiele folgen lässt. Falls er an Olympia zum Einsatz kommen sollte, wäre der Zeitpunkt ideal, um noch etwas konstanter zu spielen.
Knapp genügend
Jonas Siegenthaler
Der zweite Swiss Devil im Olympiaaufgebot erlebt bislang eine unauffällige Saison. Der 28-jährige Zürcher ist der vielleicht verlässlichste Teil der nicht immer sattelfesten Devils-Defensive und erhält deshalb auch etwas mehr Eiszeit, als in den vergangenen beiden Jahren (19:47 Minuten). Allerdings: In Zeiten in denen es seinem Team nicht läuft fällt auch eher auf, dass Siegenthalers offensiver Beitrag bescheiden ausfällt. Ganze fünf Assists stehen nach 46 Spielen auf seinem Konto, was auch für einen Defensivverteidiger relativ mager ist. Immerhin: Am Sonntag kam er seinem ersten Saisontor beim Spiel in Winnipeg sehr nahe, ja, er erzielte es sogar. Allerdings wurde «Siegs» Premierentreffer im Nachgang die Gültigkeit entzogen – die Refs hatten im Videostudium eine Torhüterbehinderung entdeckt.
Muss sich steigern
Timo Meier
Auch sein drittes Jahr in New Jersey verläuft für Timo Meier bislang nicht wie erhofft. Zwar erhält er von Coach Sheldon Keefe so viel Eiszeit (18:35 Minuten/Spiel) wie noch nie seit seinem Zuzug aus San Jose im Februar 2023, des Ostschweizers Output lässt aber nach wie vor zu wünschen übrig. 12 Tore und 13 Assists in rund 40 Spielen mögen für einen durchschnittlichen NHL-Stürmer ok sein, für den teuersten Angreifer im Kader der Devils (8,8 Mio. USD/Jahr) fällt die Ausbeute aber zu gering aus. Zuletzt ging er genauso wie seine prominenten Mitstreiter im Angriff der Teufel unter (1G, 1A in elf Spielen), wenn das Team Tore und Assists mehr denn je hätte gebrauchen können. Vielleicht gelingt es ihm in einem (hoffentlich) funktionierenden Gefüge wie der Nationalmannschaft eher, seine Goalgetter-Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Nino Niederreiter
Vor Kurzem erlebte «El Nino» eines der grössten Highlights seiner Karriere. Mitte Dezember bestritt er im Heimspiel gegen Washington sein 1000. NHL-Spiel, das die Jets mit 5:1 für sich entschieden. Das Problem: Der Sieg im Jubiläums-Spiel blieb für Wochen das einzige Highlight in einer für Niederreiter und sein Team bislang sehr enttäuschenden Saison. Denn unmittelbar nach dem Sieg gegen die Capitals geriet das Team aus der kältesten NHL-Stadt in ein Tief, welches satte elf Niederlagen am Stück mit sich bringen sollte. Gar noch länger dauerte die persönliche Durststrecke des Bündners, der von Ende November bis zum Sieg gegen die Kings am vergangenen Freitag keinen einzigen Skorerpunkt verbuchen konnte. Auch für einen Stürmer, dessen Wert mittlerweile nur noch zum Teil an Toren und Assists gemessen wird, eine enttäuschende Bilanz (total in 43 Spielen bis jetzt 17 Punkte). Bleibt zu hoffen, dass Niederreiter und seine Teamkollegen die Talsohle nach zwei Siegen und zwei Assists am Wochenende endlich durchschritten haben.
Derzeit verletzt
Pius Suter und Philipp Kurashev
Bereits seit mehreren Wochen verletzt sind Center Pius Suter (Knöchel) und Flügel Philipp Kurashev (Oberkörper), die beide trotzdem im Kader von Trainer Patrick Fischer fungieren. Beide hatten in den Spielen vor ihrer Verletzung mit ihrer Form zu kämpfen, erzielten gemeinsam in 22 Spielennur drei Assists. Vielleicht ist es da ganz gut, erhielten sie unfreiwilligerweise eine kleine Verschnaufpause. Sowohl der Zürcher als auch der Berner sollten bis zu den Spielen wieder fit sein und können Verpasstes dann gerne in Mailand und für die Schweiz nachholen.