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Verspielt der FCB seine Saison? Zwei Meinungen

Inmitten einer herausfordernden Saison hat sich die Situation am Rheinknie seit dem Trainerwechsel von Ludovic Magnin zu Stephan Lichtsteiner noch einmal verschlechtert. Am Mittwoch in St. Gallen droht auch das dritte grosse Saisonziel verpasst zu werden, was die Frage mit sich bringt: Hat sich der FCB mit dem Wechsel auf der Trainerbank maximal verpokert? Unsere Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek sind sich nicht einig.

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Stephan Lichtsteiner hat beim FC Basel übernommen – und steht vor herausfordernden Zeiten. © KEYSTONE/Georgios Kefalas

Patrick Y. Fischer sagt: Ja

0:1 gegen Viktoria Pilsen in Endspiel Nr. 1. 1:2 gegen den FC Thun in Endspiel Nr. 2. Und nun Endspiel Nr. 3 morgen Abend in St. Gallen. Der Ausgang? Ungewiss, aber spielt es wirklich eine Rolle? Bereits jetzt steht fest, dass sich die Bebbi den Preis für die sinnloseste Trainerentlassung der Saison gesichert haben. Und das vermutlich auf Jahre hinaus.

Denn ganz ehrlich: Wer kommt auf die Idee den Trainer einen Tag nach dem wertvollsten Sieg der ganze Saison zu entlassen? Nach einem spektakulären Last-Minute-Erfolg beim Erzrivalen, der so viele positive Emotionen freisetze, dass ein Turnaround vielleicht zum ersten Mal in den vergangenen Monaten realistisch erschien? Und habe ich schon erwähnt: Unmittelbar vor drei entscheidenden Spielen in der Europa League (Pilsen), in der Meisterschaft (Thun) und im Cup (St. Gallen).

So viel Dreistigkeit und unbegründete Risikofreudigkeit habe ich in den rund 20 Jahren, in denen ich Profisport beruflich verfolge, noch selten gesehen. Denn der Wechsel von Magnin zu Lichtsteiner war nicht mutig, sondern ganz einfach nur leichtsinnig und unverständlich.

Wollte man das erst im Sommer lancierte «Projekt Magnin» abbrechen und in eine neue Richtung gehen?  Dann sicher nicht unmittelbar vor der wichtigsten englischen Woche der letzten Jahre. Hoffte man auf einen kurzfristigen Trainereffekt, um einer «toten» Mannschaft neues Leben einzuhauchen? Dann hatte man wohl den Auftritt beim Klassiker in Zürich – die beste Basler Leistung seit Wochen – ganz einfach verschlafen.

So kann nun Trainer-Neuling Stephan Lichtsteiner ausbaden, was seine neuen Chefs beim FCB verbockt haben. Ohne Zeit, um seine Ideen rund um die wichtigsten Spiele der Saison einbringen zu können und vor allem unmittelbar nach dem grössten Sieg des Jahres. In diesem Moment den Spielern zu vermitteln, dass ein ganz klares Bedürfnis für Veränderungen vorherrscht,  wäre auch für einen erfahrenen Trainer eine höchst undankbare Aufgabe. Insbesondere, wenn dann die nächsten beiden Spiele prompt auch noch in die Hose gehen.

So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Basler morgen Abend auch noch aus dem dritten Wettbewerb vorzeitig verabschieden werden. Degen & Co. bliebe dann die leise Hoffnung, auf ein wundersames Meisterschafts-Comeback und vor allem die Gefahr, den soeben mit einem Vertag bis 2029 neu verpflichteten Jungtrainer schon in den ersten Woche beträchtlich zu beschädigen. Aber das werden die Basler Bosse in weiser Voraussicht hoffentlich schon einkalkuliert haben. Die aktuelle Saison haben sie bereits auf ihrem Gewissen.

Andy Maschek sagt: Nein

Ganz klar, es war mutig, Ludovic Magnin nach dem 4:3-Sieg gegen den FC Zürich zu entlassen. Aber ganz abwegig war es nicht. 33 Spiele war Magnin beim FCB als Cheftrainer in Amt und Würden. Er gewann pro Spiel durchschnittlich 1,58 Punkte,. Das sind weniger als einige seiner Vorgänger wie Fabio Celestini (1,89), Patrick Rahmen (2,11), Marcel Koller (2,00) oder Raphael Wicky (1,88). 

Gerade der Vergleich mit Patrick Rahmen zeigt, wie gross die Ansprüche am Rheinknie sind: Er wurde vor vier Jahren trotz eines Schnitts gefeuert, der besser war als jener von Urs Fischer zwischen 2015 und 2017 (2,19). Mit der Statistik lässt sich so gesehen die Trennung rechtfertigen, auch wenn der FCB in jenem Moment noch in drei Wettbewerben über mehr oder weniger gute Perspektiven verfügte.

Doch es gibt da auch die andere Sichtweise. Rang 4, den der Double-Gewinner zum Zeitpunkt der Trennung belegte, ist und war für die Ansprüche schlicht und einfach zu wenig. Dazu kam die Tatsache, dass die Auftritte zu selten überzeugend waren, stattdessen aber für Stirnrunzeln sorgten. 

So wie beim zweitletzten Spiel unter Magnin, beim 1:3 gegen RB Salzburg, bei dem die Basler in der ersten Hälfte so desaströs auftraten, dass der damalige Trainer danach sagte: «Es ist das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis, das fehlt. Die Liebe zum Fussball habe ich heute auch nicht gespürt.» Und: «Wir sind nicht da, um Alibis zu suchen. Da muss ich mich auch selbst hinterfragen.» Hinterfragt wurde er auch von der Klubleitung, die dabei wohl sah, dass die Entwicklung in die falsche Richtung geht. Und die verständlichen Konsequenzen zog.

Und nun also Stephan Lichtsteiner, der erstmals als Trainer eine Profi-Mannschaft führt. In seinen ersten zwei Spielen an der FCB-Linie kassierte er zwei Niederlagen – gegen Pilsen und Thun. Somit ist das europäische Abenteuer für die Basler bereits vorbei – und in der Meisterschaft liegen sie arg in Rücklage. 13 Punkte Rückstand auf Leader Thun sind nur schwierig und vielleicht gar mit etwas Phantasie aufzuholen. 

Natürlich kann man jetzt sagen, dass sich die Basler mit dem Trainerwechsel verpokert haben. Aber ob sie unter Magnin Pilsen und Thun bezwungen hätten, ist eine ganz andere Frage, zumal der Auftritt gegen den FCZ zuweilen vogelwild war und der Sieg vor allem dank Xherdan Shaqiri zustande kam, der dann gegen Thun gesperrt fehlte.

Lichtsteiner hat zweifellos die Qualität, um nach seiner glorreichen Spielerkarriere auch als Trainer erfolgreich zu sein. Allerdings muss auch er in Basel mit den Spielern arbeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Und da fehlen nun mit Jonas Adjetey und Philip Otele, die in die Bundesliga abgegeben wurden, zwei wichtige Spieler mit Qualität. Das vergrössert die Herausforderung für Lichtsteiner, gerade am Mittwoch im Cup in St. Gallen. 

Immerhin haben die Basler Bosse gleichzeitig mit den Abgängen von Adjetey und Otele auch kommuniziert, dass die sportliche Führung mit Trainer Stephan Lichtsteiner unabhängig von den Resultaten in der aktuell schwierigen Phase die volle Rückendeckung geniesst. Es sei das Ziel, gemeinsam und langfristig etwas aufzubauen. Es sind schöne Worte, die etwas Druck vom Kessel nehmen. Aber im Endeffekt entscheiden auch beim FCB die Resultate. Und da traue ich Stephan Lichtsteiner mehr zu als Ludovic Magnin. Im Wissen, dass es auch im Fussball nur ganz selten einen Messias gibt.

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