skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Eishockey

Viertelfinal-Blues oder WM-Vorfreude: Die Hockey-Nati nach Olympia

Younes

2:3 nach Verlängerung gegen Finnland. Wieder einmal hat die Schweizer Eishockey-Nati an einem Grossanlass überzeugt, stand unmittelbar vor dem Erreichen eines ganz grossen Ziels – nur um es am Ende abermals haarscharf zu verpassen. Was hat das mit Blick auf die Heim-WM im Mai zu bedeuten? Unsere Eindrücke knapp drei Monate vor dem zweiten grossen Saison-Highlight.

keystone_Salvatore di Nolfi_Verständliche Enntäuschung_ die Schweiz nach Fin
Verständliche Enttäuschung: Die Schweiz nach dem Viertelfinal-Out gegen Finnland © Keystone / Salvatore Di Nolfi

Halbvoll vs. halbleer

Was in den Köpfen der Schweizer Spieler und Staffmitglieder in den Tagen nach Mailand wohl alles verarbeitet wurde? Mit Sicherheit der Frust und die Enttäuschung über das Verpassen der greifbar nahen Chance, um eine olympische Medaille spielen zu können. Möglicherweise aber auch ein wenig Trost aufgrund der Tatsache, sich gegen die Besten der Welt behauptet zu haben. Allerdings dürfte diese Erkenntnis innerhalb der Nationalmannschaft bereits in den letzten beiden Jahren gereift sein und es wäre entsprechend verständlich, hätten sich die Schweizer nach diesem Turnier erst einmal mit negativen Gefühlen und Gedanken beschäftigt. Wichtig wird im Hinblick auf die WM jedoch sein, das aktuell halbleere Glas bis im Mai wieder aufzufüllen, idealerweise mit Erfolgserlebnissen auf individueller Ebene. Was sich im Hinblick auf die Weltmeisterschaft jedoch nicht einnisten darf, sind Zweifel, im entscheidenden Moment doch nicht gut genug zu sein. Diese Entwicklung in den Köpfen der Spieler und Coaches zu verhindern, wird die grösste Herausforderung unserer Nati in den kommenden Wochen und Monaten sein. Denn der nächste Showdown mit einem Konkurrenten aus der Weltelite folgt bestimmt.

 

Das Time-Out in der Tasche

Im American Football ist es eine Art strategische Todsünde, seine Timeouts mit in eine Halbzeitpause zu nehmen. Denn dort – quasi in der Tasche des Hauptübungsleiters – haben sie noch selten etwas Gutes bewirkt. Und ganz ähnlich verlief die Situation am vergangenen Mittwochabend auch für die Schweizer Nationalmannschaft. Noch knapp eineinhalb Minuten waren im Duell mit Finnland zu spielen, als sich Patrick Fischer dagegen entschied, ein Timeout zu nehmen. Ein Timeout, dass die Geschichte des Spiels hätte beeinflussen können, ein Timeout, dass den besten Schweizer Kräften (namentlich Roman Josi und Nico Hischier) die Möglichkeit gegeben hätte, das eigene Tor in den fatalen Sekunden danach gemeinsam zu verteidigen. Mit Hischier, dem stärksten Schweizer Bullyspieler, und mit Josi dahinter. Natürlich ist es jetzt müssig darüber zu spekulieren, ob die Partie so allenfalls einen anderen Ausgang genommen hätte, Fakt aber ist: Mit ihren beiden besten Spielern auf dem Eis hätte die Schweiz eine bessere Chance gehabt, den nächsten Shift schadlos zu überstehen. Leider aber blieb das Timeout in Patrick Fischers Tasche, wo es – analog dem American Football – nichts mehr bewirken konnte.

 

Gut genug

Die erfreuliche Erkenntnis aus den Spielen in Mailand: Die Schweiz war von Spieler 1 bis 25 gut genug, um im Kräftemessen mit den besten Eishockeynationen mitzuhalten. Das galt für unsere NHL-Top-Shots, die das Spiel gegen die kleineren Nationen dominierten und zudem in der Lage waren, auch im direkten Match-Up mit den Stars der ganz grossen Teams ihren Mann zu stehen. Und das galt für die Spieler aus der National League, die in keinem Spiel abfielen und bis zum letzten Spiel wertvolle Nadelstiche setzten. Dass sie gegen Kanada oder in der Schlussphase der Partie gegen Finnland an ihre Grenzen stiessen, ist nachvollziehbar und hätte möglicherweise mit bereits besagtem Timeout kompensiert werden können. Auf der anderen Seite gilt es aber auch festzuhalten: Ein Tor, wie es die Schweizer gegen Finnland schiessen durften, erzielt man gegen Goalies vom Kaliber eines Juuse Saros nicht alle Tage. Umso ärgerlicher, konnte man diesen Moment des Spielglücks schlussendlich nicht in eine Halbfinalqualifikation ummünzen.

 

Keystone_AP_Petr David Nosek_...und wieder verschwindet eine Scheibe im Fanghandshcu_ Leo Genoni zeigt sich auch in Mailand auf Höhe seiner A_ufgabe
...und wieder verschwindet eine Scheibe im Fanghandschuh: Leo Genoni zeigte sich auch in Mailand auf der Höhe seiner Aufgabe (Keystone / AP / Petr David Josek)

Leo for NHL?

Auf den ersten Blick ist diese Idee absurd. Warum sollte irgendein GM auf die Idee kommen, einem nächste Saison 39 Jahre alten NHL-Rookie einen Vertrag anzubieten? Die Antwort: Weil Genoni ganz einfach das Zeug dazu hat, um in der NHL auch ohne Gardemass (der Zürcher ist rund acht Zentimeter kleiner als der durchschnittliche NHL-Goalie) zu bestehen. Das zeigten die vergangenen zwei Wochen wieder einmal eindrücklich, in denen sich der EVZ-Keeper als zweitbester Torhüter des Turniers auszeichnen konnte. «Geschlagen» nur von Olympiasieger Connor Hellebuyck, aber mit zum Teil deutlich besseren Statistiken als die seit Jahren in der National Hockey League beschäftigten Jacob Markström, Juuse Saros, Jordan Binnington oder Philipp Grubauer. Plus: Genoni wäre (bzw. ist) so kostengünstig, wie sonst kein Goalie auf Weltniveau. Als über 25-jähriger Liga-Neuling würde er das Gehaltsbudget voraussichtlich im Bereich des NHL-Mindestgehalts von USD 850'000 belasten. Ein Klacks angesichts einer Gehaltsobergrenze von USD 104 Mio. pro Team und der Tatsache, dass Genoni auch im fortgeschrittenen Alter dazu in der Lage ist, einem Team 45 bis 50 Spiele auf hohem Niveau zu geben. Gerade Teams wie die «Swiss Devils», die schon seit Jahren versuchen ihre Torhüterposition zu stabilisieren, haben schon deutlich kostspieligere Fehler begannen, als einem auf internationalem Niveau bewährten Goalie spät noch eine Chance in der besten Liga der Welt zu geben.

 

Zweiklassengesellschaft

Dass die Schweiz ihre «Verstärkungen» aus der NHL braucht, um auf internationalem Parket ganz vorne mitzuspielen, ist bekannt. Allerdings ist NHL-Star nicht gleich NHL-Star. Während die nordamerikanischen Grossverdiener (Fiala, Hischier, Josi, Meier, Moser) dazu in der Lage sind, auch die absoluten ausländischen Top-Shots in Schach zu halten, gelingt das der zweiten NHL-Garde (Kurashev, Niederreiter, Schmid, Suter) nicht ganz so überzeugend und konstant. An der WM wird die Schweiz nicht auf die Dichte an internationalen Top-Stars treffen, wie eben in Mailand. Umso vorteilhafter wäre es, entsprechend selber auf ihre besten Spieler zurückgreifen zu können. Stand jetzt besteht die durchaus realistische Chance, dass sich die «Swiss Devils» und Roman Josis Predators nicht für die Playoffs qualifizieren werden, während Kevin Fiala (verletzt) und JJ Moser (Tampa gehört zu den Stanley-Cup-Favoriten) wohl eher nicht zur Verfügung stehen werden. Abgerechnet wird spätestens zum Ende der ersten NHL-Playoffrunde Anfang Mai.

 

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss