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Vorhang auf für die Playoffs!

Andy

Die letzte Entscheidung ist in der National League gefallen: Die Rapperswil-Jona Lakers haben nach zwei Siegen gegen einen blutleeren und enttäuschenden SCB die Playoffs erreicht. Dort fordern die St. Galler Gottéron und träumen von einer Überraschung. Eine Übersicht über die am Freitag beginnenden Viertelfinals.

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EVZ-Goalie Leonardo Genoni und HCD-Stürmer Matej Stransky sind in ihrer Viertelfinalserie zwei Schlüsselspieler. © KEYSTONE/Urs Flüeler

HC Davos – EV Zug

Eigentlich ist es eine klare Sache. Hier der klare Qualifikationssieger HC Davos, da der Tabellenachte EV Zug. Satte 42 Punkte haben die Bündner in 52 Spielen mehr gewonnen als die Zentralschweizer. Es ist eine Ansage. Mit 191 Toren war das Team von Josh Holden in der Regular Season auch das mit Abstand gefährlichste, zudem war die Defensive sattelfest (120 Gegentore) – einzig die ZSC Lions waren mit 115 erhaltenen Treffer noch stabiler. Der HCD stürmt der Erfüllung der «Mission 32» entgegen, der Rekordmeister ist heiss auf den Gewinn des 32. Meistertitels. Es wäre der erste seit 2015, als noch Kulttrainer Arno Del Curto an der Bande das Zepter schwang.

Aber Achtung, die Bündner tun gut daran, ihren Gegner nicht zu unterschätzen. Der EV Zug hat zwar eine äusserst bescheidene Qualifikation gespielt und Anspruch und Wirklichkeit lagen so weit auseinander, dass Trainer Michael Liniger geopfert und durch den Kanadier Benoît Groulx ersetzt werden musste. Doch die eigentliche Substanz im Team ist gross, vor der Saison wurde der EVZ als einer der grössten Anwärter auf den Meistertitel gehandelt.

Zudem steht mit Leonardo Genoni der Meisterhexer schlechthin im Tor, der in jeder Serie der entscheidende Faktor sein kann. Wenn der 38-Jährige beschliesst, in diesem Viertelfinal überragend zu halten, wird es für den HCD schwierig. Die Bündner haben zwar in der Qualifikation drei von vier Direktduellen gewonnen, mussten aber zweimal ins Shootout.

Prognose: Letztes Jahr brauste der HCD im Viertelfinal über die Zuger hinweg und zog mit 4:0 Siegen in die Halbfinals ein. Eine solche Dominanz, auch wenn sie mancherorts wohl erwartet wird, wird es in diesem Jahr nicht geben. Im Gegenteil: Der EVZ ist trotz allem in der Lage, die Bündner Offensivmaschinerie um Captain Matej Stransky und Filip Zadina zu stören und den Rekordmeister in Schwierigkeiten zu bringen.

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Die Rapperswil-Jona Lakers haben gegen den SCB viel Moral getankt und wollen nun Gottéron ärgern.

Fribourg-Gottéron – Rapperswil-Jona Lakers

Die Freiburger haben eine starke Qualifikation gespielt und auf Rang 2 souverän den Sprung in die Playoffs geschafft. Der Traum vom ersten Meistertitel in der Klubgeschichte lebt, zumal mit dem schwedischen Erfolgstrainer Roger Rönnberg ein Mann an der Bande steht, der weiss, wie man Titel gewinnt. Doch Verletzungen sorgen für Fragezeichen. Der Schwede Marcus Sörensen wird in dieser Serie kaum spielen können, für Nati-Stürmer Sandro Schmid ist die Saison beendet. Damit fehlen stattliche 1,73 Skorerpunkte pro Spiel – es ist ein herber Verlust, der über Tore und Assists hinausgeht.

Auf der anderen Seite haben die Lakers mit ihrem Play-In-Sieg gegen den SC Bern viel Moral und Selbstvertrauen getankt. Und mit dem Erreichen des Saisonziels ist jeder Druck weg. Stattdessen können die St. Galler unbeschwert in diesen Viertelfinal steigen. Und auch ein Blick auf die Direktbegegnungen macht Mut: Rappi gewann die beiden Spiele in Fribourg 3:2 und 4:2 und verlor daheim einmal erst im Penaltyschiessen und Ende Februar knapp mit 2:3. Das zeigt, dass sich das Team von Johan Lundskog mit Gottéron auf Augenhöhe bewegen kann.

Ein Vorteil ist vielleicht, dass der Rappi-Trainer sein Gegenüber Roger Rönnberg bestens kennt. So sagte er einmal gegenüber dem Eishockeymagazin «Slapshot»: «Die drei Jahre, die ich mit ihm bei Frölunda verbracht habe und die Freundschaft, die wir seither gemeinsam entwickelt haben, sind unheimlich wertvoll. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Sein unheimliches, tägliches Streben nach neuen Blickwinkeln und Perspektiven hat mich in meiner Leadership enorm geformt. Er ist ein grosser Teil meines Lebens.» Seit er Frölunda verlassen habe, würden sie regelmässig in Kontakt stehen und Gedanken und Ideen austauschen und bei Bedarf einander zu helfen versuchen. Doch nun, so viel ist klar, hört die Freundschaft zumindest vorübergehend auf.

Prognose: Gottéron ist natürlich klar favorisiert, verfügt im Kader über viel Substanz – angefangen bei Goalie Reto Berra, der trotz seiner 39 Jahre voll im Saft ist und sich in seinen letzten Playoffs für Gottéron vor seinem Wechsel nach Kloten von seiner besten Seite zeigen will. Doch die Freiburger tun gut daran, die von jeglichem Druck befreiten St. Galler nicht zu unterschätzen, zumal bei Rappi auch die Form stimmt: Zum Abschluss der Regular Season gab es vier Siege in Folge, dann im Play-In eine 2:5-Niederlage gegen den EV Zug, die aber weit weniger klar war, als das Resultat vermuten lässt, sowie einen Sieg gegen die Zentralschweizer und die beiden Erfolge gegen den SCB. Die Rapperswiler surfen auf der Erfolgswelle – eine lange Serie oder gar eine Überraschung kann definitiv nicht ausgeschlossen werden.

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Servettes Matthew Verboon und Lausannes Austin Czarnik liefern sich einen Fight und müssen durch Linienrichter Benjamin Francey getrennt werden – Emotionen sind auch im Derby im Viertelfinal zu erwarten...

Servette-Genève HC – Lausanne HC

Im Westschweizer Duell treffen zwei Titelkandidaten aufeinander. Servette hat die Regular Season auf Rang 3 beendet, nachdem Ville Peltonen Anfang Oktober den Franzosen Yorick Treille als Cheftrainer beerbte, unter dessen Führung die Genfer zwei Kanterniederlagen kassiert hatten – 0:11 gegen Lausanne und 0:8 gegen Biel. Unter dem Finnen, der ein Trainerkandidat beim SCB ist, haben sich die Genfer prächtig entwickelt und zum Ende der Regular Season fünf Spiele in Folge gewonnen.

Der USP des Teams ist die offensive Feuerkraft mit den Stürmern Markus Granlund (22 Tore/32 Assists), dem Topskorer der Liga, Jesse Puljujärvi (19/33) und Sakari Manninen (17/28), die sich in der National League alle unter den Top 6 der Skorer befinden. Nachdem der Champion von 2023 in den letzten zwei Jahren die Playoffs verpasst hat, ist nun wieder mit ihm zu rechnen. Zumal mit Goalie Stephan Charlin ein sicherer Rückhalt da ist, der die gegnerischen Stürmer verzweifeln lassen kann. Zudem haben die Genfer drei der vier Direktbegegnungen in der Regular Season für sich entschieden, enttäuschten nur bei besagter Kanterniederlage.

Auf der anderen Seite ist der Lausanne HC heiss, nach zwei Finalniederlagen gegen die ZSC Lions den Weg endlich weiterzugehen. Auch die Waadtländer verfügen mit Austin Czarnik, Théo Rochette und Erik Brännström, dem produktivsten Verteidiger der Liga, über enorme offensive Feuerkraft, zudem haben sie mit Connor Hughes und Kevin Pasche ein starkes Goalie-Duo und mit Geoff Ward einen Coach an der Bande, der ein Team auf den Gegner perfekt einzustellen weiss und auch in heissen Situationen ruhig bleibt.

Prognose: Auch wenn Servette die Regular Season besser abgeschlossen hat als Lausanne, muss man die Waadtländer auf der Rechnung haben. Ein Fragezeichen ist allerdings die Defensive, die im Vergleich zum Vorjahr mit den Abgängen von Andrea Glauser, Lukas Frick, Gavin Bayreuther und David Sklenicka viel Substanz verloren hat. Zu erwarten ist deshalb eine enge und emotionale Serie, in der am Ende auch die Disziplin und die Special Teams entscheidend sein könnten.

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Denis Malgin und Sven Andrighetto sind zwei Trümpfe, die bei den ZSC Lions gegen Lugano stechen sollen.

ZSC Lions – HC Lugano

Seit der Einführung der Playoffs in der Saison 1985/86 trafen die Lions und Lugano bereits achtmal aufeinander. Fünfmal behielten die Zürcher die Oberhand, wobei es teilweise dramatisch war und immer wieder viele Emotionen mitspielten. Titelverteidiger ZSC hat in der Regular Season drei von vier Direktbegegnungen für sich entschieden, die letzte am 5. März in Lugano mit einem 4:1-Sieg. Und auch wenn die Zürcher in der abgelaufenen Regular Season nicht immer überzeugten und auch schwere Zeiten durchlebten, ist ihnen nun alles zuzutrauen. Zumal auch die zuletzt verletzten Leistungsträger Denis Malgin, Patrick Geering, Yannick Weber und Willy Riedi wieder bereit sein sollten und der gerade auch in den Playoffs so wertvolle Finne Juho Lammikko aus Nordamerika zurückgekehrt ist.

Doch die Serie gegen Lugano dürfte nicht zu einem Selbstläufer werden. Die Tessiner haben zwar seit 2018, als ihnen im Final gegen die ZSC Lions nur ein Sieg zum Meistertitel fehlte, keine Playoffserie mehr gewonnen und mussten vor einem Jahr sogar den bitteren Gang ins Playout gegen Ajoie antreten. Unter dem Trainerduo Tomas Mitell/Stefan Hedlund erfolgte nun aber die Renaissance, die in der Regular Season in Rang 5 mündete, der besten Klassierung seit fünf Jahren – mit der gemeinsam mit dem HC Davos hinter den ZSC Lions zweitbesten Defensive der Liga. Einer der Erfolgsfaktoren war Stürmer Luca Fazzini, der mit 47 Punkten (16 Tore, 31 Assists) ligaweit der erfolgreichste Schweizer in der Regular Season war.

Prognose: Zwischen den beiden Teams ist eine enge Serie zu erwarten, wenngleich die Lions leichte Vorteile besitzen. Nicht zuletzt das Heimrecht, das in einem allfälligen siebten Spiel das Zünglein an der Waage sein könnte. Zudem sind die Energietanks der Zürcher nach der Pause zwischen Regular Season und Playoff-Beginn voll und verfügen auch Unterschiedsspieler wie Malgin, Grant und Balcers nach ihren verletzungsbedingten Pausen in dieser Saison ganz sicher noch Reserven. Und wenn die Playoffs beginnen und der Weg zu einer Trophäe nicht mehr lange ist, sind auch eigentlich satte Teams plötzlich wieder hungrig und erinnern sich daran, wie schön es ist, nach dem letzten Spiel der Saison eine rauschende Party zu feiern. Gerade auch das kongeniale Duo Sven Andrighetto/ Denis Malgin kann da am Ende für die offensive Entscheidung sorgen, während hinten Simon Hrubec dichtmacht.

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