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Weisst du noch? GC und die Parallelen zum Abstiegsjahr 2019

Patrick

Der Grasshopper Club Zürich, stolzer Fussball-Rekordmeister, steckt wieder einmal in der Klemme. So wie fast immer in den letzten zwölf Jahren und vor allem, ziemlich genau so wie im Jahr 2019, dem Jahr des ersten Abstiegs aus der höchsten Spielklasse nach 70-jähriger Zugehörigkeit. Nun droht der Fall in die Challenge League erneut, die Parallelen sind erstaunlich.

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Die Liga hiess noch Raiffeisen und GC stieg ab: Winter-Rückkehrer Yoric Ravet gegen Ende der Saison 2018/2019 © Keystone / Ennio Leanza

Die vermeintlichen Hoffnungsträger

Im Januar 2019 versprühte er noch einmal Optimismus. Thorsten Fink, damals Trainer beim Tabellenvorletzten GC, sprach auch im Rückrundentrainingslager in Belek offen vom Ziel Europacup. Noch immer war der ehemalige Bayern-Spieler und Basler Meistertrainer davon überzeugt, mit den Zürchern zu neuen Ufern aufbrechen zu können. Fünf Spiele, vier Niederlagen und einen Absturz auf Rang 10 später, war der Deutsche, im April 2018 als jüngster Hoffnungsträger nach Zürich geholt, Geschichte. „Fast Forward“ ins Frühjahr 2025, als sich mit der ehemaligen GC-Spielerikone Alain Sutter (zwei Meistertitel und Cupsiege mit den Hoppers) die nächste Figur mit grosser Vergangenheit daran machte, den Rekordmeister als Sportchef wieder auf Vordermann zu bringen. Bald schon an seiner Seite: Gerald Scheiblehner, als Trainer in Österreich mit Blau-Weiss Linz so erfolgreich, dass er als eine Art „Geheimtipp“ den Weg nach Zürich fand. Knapp neun Monate später jedoch, ist das Geheimnis bereits wieder entschlüsselt, findet sich GC zum dritten Mal in Folge auf Kurs in Richtung Barrage. Nicht völlig überraschend ist Trainer Scheiblehner deshalb bereits wieder weg, entlassen von Sutter, der im Verein unverändert viel Macht vereint. Hoffnung auf Besserung verkörpert der Berner allerdings nicht mehr – im Gegenteil.

 

Gernot Wer?

Dass Sutter in weniger als einem Jahr vom Hoffnungsträger zum Sündenbock mutierte, hat u.a. diesen Grund: Gemeinsam mit Trainer Scheiblehner schaffte es der langjährige Nationalspieler nicht, in der Mannschaft für eine nachhaltig positive Entwicklung zu sorgen. Schwache oder (zu) späte Transfers trugen dabei genauso zur enttäuschenden GC-Saison bei, wie das sture Festhalten am immer gleichen, nur bedingt zur Mannschaft passenden Spielsystem. Doch Sutters schlimmster Fehler war möglicherweise jener Schachzug, den er letzten Montag auf die Entlassung Scheiblehners folgen liess, in dem er U21-Trainer Gernot Messner, so etwas wie dessen weniger profilierten Bruder im (Fussball)Geiste, zum Nachfolger bestimmte. Dabei hätte Sutter im GC-Geschichtsbuch nur ein paar Seiten zurückblättern müssen, um zu erkennen, dass ein Tainer ohne grosse Erfahrung und ohne echten Leistungsausweis in einer vergleichbaren Situation nur ganz selten dazu in der Lage ist, einen Turnaround herbeizuführen. Denn genau das hatten die Hoppers auch im Abstiegsjahr 2019 versucht, als sich ein gewisser Tomislav Stipic von der U19 von Eintracht Frankfurt aufmachte, GC als Nachfolger des entlassenen Thorsten Fink zu retten – mit vorhersehbarem Resultat. Fünf Spieltage und drei Punkte später war Stipic bereits wieder Geschichte und GC so nahe am Abstieg, dass auch Uli Forte die Zürcher nur noch in die Relegation begleiten konnte. Durchaus möglich, dass sich genau dieses Szenario 2026 noch einmal wiederholt.

 

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Der neue Tomislav Stipic? Neo-GC-Trainer Gernot Messner erlebte beim 0:5 in Genf ein denkbar schlechtes Debüt (Keystone / Andreas Becker)

Panik? Panik!

Der stolze Grasshopper Club Zürich in höchster Abstiegsnot? Realität in den letzten Jahren und dennoch auch im vergangenen Sommer ganz weit weg von den Planspielen der GC-Verantwortlichen. Wie sonst ist zu erklären, dass Neo-Sportchef Sutter und seine Vorgesetzten vom LAFC abermals darauf verzichteten, den Kader um eine erfahrene, leistungsstarke Achse zu ergänzen, die den zahlreichen jungen Spielern zur notwendigen Stabilität hätte verhelfen können? Folgerichtig schlitterten die extrem unerfahrenen und dünn besetzten Hoppers mehr schlecht als recht durch den Herbst und mussten in der Winterpause erneut substantiell nachrüsten. Das taten die Zürcher, die auch im Winter 2019 mit den Bundesliga-Auslaufmodellen Caiuby und Ravet kurzfristig zu reagieren versuchten  - aber erneut mit bescheidenem Erfolg. Michi Frey, Sven Köhler, El Bachir Ngom und Luka Mikulic sind mittlerweile genauso Teil der grossen GC-Krise, wie der Rest der Mannschaft und waren bislang nicht in der Lage, die Mannschaft einen Schritt nach vorne zu bringen. Im Gegenteil: Mit nur einem Sieg in zwölf Spielen ist der Rekordmeister deutlich schwächer unterwegs als noch in der Hinrunde, sicherte sich zuletzt sogar den Super-League-Rekord für den schnellsten 0:4-Rückstand in einem Spiel. Immerhin in dieser Hinsicht haben die Hoppers im Vergleich zum Abstiegsjahr 2019 nicht mehr viel zu befürchten. Die „Null-Siege-Rückrunde“ der damaligen Mannschaft können sie dank dem Sieg über Lugano nicht mehr unterbieten.

 

Immer diese Kleinen

2019 hiess der kleine Gallier Xamax, der die mit hohen Zielen angetretenen Zürcher in der Rückrunde links überholte und direkt stehen liess. In diesem Jahr ist es abermals Winterthur, dass GC das Leben schwermacht. Wobei es angesichts von nur 19 Winterthurer Punkten in 31 Spielen durchaus zulässig ist hervorzuheben, dass es in erster Linie die Grasshoppers selbst sind, die kein Bein vors andere bekommen. Zig Mal verpassten die Hoppers die Gelegenheit, sich entscheidend von den Eulachstädtern abzusetzen, ehe sie nun selbst ins Zittern geraten sind. Es sind aktuell nämlich nur noch fünf Punkte, die GC vom FCW trennen, einem Kontrahenten, der gemäss altem GC-Selbstverständnis und beim Blick auf die aktuellen finanziellen Möglichkeiten eigentlich gar kein Gegner sein dürfte. Doch wer die Situation dermassen falsch einschätzt, dass er seinen gesperrten Captain am Abend des ersten Spiels unter dem neuen Trainer als Experte ins TV-Studio schickt, darf sich nicht darüber wundern, wenn er sich abermals in ganz gefährlichen Gewässern wiederfindet. Auf diese kolossale Idee kam nämlich nicht einmal die GC-Ausgabe 2018/2019, an dessen Fersen sich das aktuelle Team immer mehr heftet.

 

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