Welcome back, Borussia: Gladbach zurück im Abstiegskampf
22 Punkte, Rang 14 und seit sieben Spielen ohne Sieg: Borussia Mönchengladbach ist nach dem 23. Spieltag zurück im Bundesliga-Abstiegskampf, den man noch vor wenigen Wochen vermeintlich hinter sich gelassen hatte. Geht den Fohlen unter Seoane-Nachfolger Eugen Polanski ausgerechnet in den entscheidenden Wochen die Puste aus? Wir werfen einen Blick auf die Situation am Niederrhein.
Zu früh gefreut
Am 11. Januar schien die Sache gelaufen: Soeben hatte Borussia Mönchengladbach den FC Augsburg mit 4:0 besiegt, war auf Rang 10 vorgerückt und hatte sich zum Rückrundenauftakt der letzten ernsthaften Abstiegssorgen entledigt. Nur: Knapp sechs Wochen später befindet sich der Traditionsverein zurück in ungewollter Gesellschaft, umgeben von den St. Paulis (Rang 16), Werder Bremens (Rang 18) und Wolfsburgs (Rang 15) der ersten Fussball-Bundesliga. Ganze zwei Punkte trennen die Fohlen noch vom Relegationsplatz, drei von einem direkten Abstiegsplatz. Wie konnte es so schnell, so weit kommen?
Rückfall zur Unzeit
Rein oberflächlich betrachtet, ist die Antwort auf diese Frage ganz einfach – die Borussia gewinnt nicht mehr. Der Vollerfolg gegen die Fuggerstädter war der vorläufig letzte in dieser Spielzeit und es macht fast den Anschein, als hätten die Gladbacher in diesem Spiel ihr ganzes offensives Pulver verschossen. Seit dem gelungenen Start in die Rückrunde haben Elvedi, Tabakovic & Co. noch ganze vier Mal getroffen und lediglich drei Zähler geholt. Zuwenig, um sich die aufkommende Konkurrenz auf den hinteren Plätzen (Mainz, St. Pauli und auch Erzrivale Köln haben in diesem Jahr z.T. deutlich besser gepunktet) vom Leib zu halten, zumal sich die Mannschaft zuletzt auch immer wieder defensive Unzulänglichkeiten leistete (fünf Gegentore in Hoffenheim, je drei vs. Stuttgart und Frankfurt). Topskorer Haris Tabakovic (11 Saisontore) brachte es nach der Niederlage gegen Freiburg auf den Punkt: Hinten zu inkonstant und vorne nicht zielstrebig genug.
Ein bekanntes Gesicht
Muster, die die Borussen schon in den vergangenen beiden Spielzeiten unter dem im Sommer nach dem dritten Spieltag entlassenen Gerardo Seoane prägten. Dabei verliefen die ersten Wochen unter Nachfolger Polanski, ehemaliger Spieler und U23-Coach der Fohlen, durchaus nach dem Geschmack der zahlreichen Gladbacher Anhänger. Polanski brachte frischen Wind und neue Impulse, ja sogar so etwas wie eine klare Spielidee. Gladbach presste früh, arbeitete aktiv gegen den Ball und suchte nach Ballgewinnen schnell den Weg in die Tiefe. Eine Spielweise, die im Spätherbst in einer Serie von fünf Bundesligaspielen und 13 Punkten gipfelte, von der die Borussia heute noch zehrt. Denn mit dem Ende jener Serie, endete auch die kurze Phase Gladbacher Stabilität. Seitdem resultierte für Polanski und sein Team noch genau ein Sieg in zehn Spielen - die Bilanz eines Absteigers. Noch hält der Verein am 39-jährigen (ehemaligen?) Hoffnungsträger fest, die Frage sei jedoch erlaubt: Wie lange noch?
Mach’s nochmal, Eugen
Denn klar ist: Die Schonfrist für die Gladbacher und ihren Trainer ist abgelaufen. Spätestens nach den beiden kommenden Spielen gegen Union und bei Bayern folgen die Wochen der Wahrheit, mit Duellen gegen die direkte Konkurrenz aus St. Pauli, Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg innerhalb von sechs Spieltagen. Kaum vorstellbar, dass der im Herbst für Vorgänger Roland Virkus installierte Sportdirektor Rouven Schröder noch lange zuschauen könnte, sollte z.B. die Partie gegen den Hamburger Kiezklub in die Hose gehen. Andererseits stehen genau jetzt jene Wochen an, in denen Eugen Polanski das Steuer in der Vorrunde schon einmal herumreissen konnte. Auch damals musste er das ohne den verletzten Captain und Torjäger Tim Kleindienst tun, dessen Rückkehr sich nach einem zweiten operativen Eingriff im Dezember weiter verzögert. Insofern kennt der ehemalige polnischen Nationalspieler die Herausforderung, ohne seinen vielleicht wichtigsten Spieler reüssieren zu müssen. Ob es ihm tatsächlich auch ein zweites Mal gelingt, seine Mannschaft auf den Punkt bereit zu bekommen, werden die kommenden Wochen zeigen.