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Wer ist der Titel-Favorit? Zwei Meinungen Playoff-Start in der National League

Heute Abend geht der Kampf um den Meistertitel in der National League mit den Playoffs endlich richtig los. Wer von den acht Titelaspiranten steigt als Favorit ins knapp sechs Wochen lange Meisterrennen? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind unterschiedlicher Ansicht.

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Topskorer Matej Stransky und der HC Davos gehören ebenso zu den heissen Titelkandidaten wie Servette mit Verteidiger Jan Rutta. © PostFinance/KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Andy Maschek sagt: Servette-Genève HC

Ich gestehe: Es fällt mir schwer, mich festzulegen. Die ZSC Lions sind die eine Option, auch wenn die Regular Season nicht wunschgemäss gelaufen ist. Doch das Kader der Zürcher ist hochklassig, so dass jeder Gegner aus dem Weg geräumt werden kann. Rekordmeister HC Davos? Es wäre nach der starken Regular Season die einfachste Wahl, die auch problemlos begründet werden könnte. Und Gottéron? Mit Erfolgstrainer Roger Rönnberg definitiv eine valable Möglichkeit, allerdings wiegen die Ausfälle von Marcus Sörensen und Sandro Schmid (zu) schwer. Und so entscheide ich mich für Servette.

Schon vor der Saison war klar, dass die Genfer über ein starkes Kader verfügen und eigentlich alles haben, um ein Titelkandidat zu sein. Doch es stellte sich die Frage, wie die Einzelkönner als Team funktionieren. Als es dann in den ersten zwölf Spielen schon zwei Kanterniederlagen absetzte – 0:11 gegen Lausanne und 0:8 gegen Biel –, musste man sich um Servette ernsthafte Sorgen machen. Als Anfang Oktober der Finne Ville Peltonen an der Bande den Franzosen Yorick Treille ablöste, wurde jedoch der Turnaround eingeleitet.

Servette beendete so die Regular Season auf Rang 3 und hat die Geister der Vergangenheit verscheucht, nachdem seit dem Gewinn des Meistertitels 2023 unter dem baldigen Nationalcoach Jan Cadieux in den letzten zwei Saisons nicht mehr viel zusammenpasste. Sowohl 2024 als auch 2025 fanden die Playoffs ohne Servette statt.

Doch nun sind die Genfer heiss. Zum Ende der Regular Season haben sie fünf Spiele in Folge gewonnen und Muskeln gezeigt. Die Finnen Markus Granlund (22 Tore/32 Assists), der Topskorer der Liga, Jesse Puljujärvi (19/33) und Sakari Manninen (17/28) bilden die wohl gefährlichste und hochklassigste Sturmlinie der ganzen National League und können jede gegnerische Defensive in ihren Grundfesten erschüttern. In der Defensive sorgen Vili Saarijärvi, Stanley Cup-Sieger und Weltmeister Jan Rutta, Tim Berni, Simon Le Coultre, Roger Karrer und Giancarlo Chanton für Qualität.

Und ganz hinten sichert Stéphane Charlin ab. Der 25-Jährige, der letzte Saison noch die Lebensversicherung der Tigers war und als MVP der National League und bester Goalie der Liga ausgezeichnet wurde, hat sich nach seiner Rückkehr nach Genf nach einem schwierigen Start prächtig erholt und ist wieder einer der besten Goalies auf Schweizer Eis. Wer Meister werden will, braucht bekanntlich einen überdurchschnittlichen Goalie – und das ist Charlin, der im vergangenen Frühling auch Teil des Schweizer WM-Silber-Nationalteams war und früher oder später in der NHL landen dürfte, ganz sicher.

Die Genfer dürften zwar bereits im Viertelfinal in den emotionalen Derbies gegen den zuletzt zweimaligen Vizeweltmeister Lausanne hart gefordert werden, doch wenn sie diese Abnützungsschlacht überstehen, kann der Gipfelsturm beginnen. Und dann müssen sich auch die Titanen wie der HC Davos und die ZSC Lions warm anziehen.

Patrick Y. Fischer sagt: Der HC Davos

117 Punkte in 52 Spielen. 191 Tore (fast 20 mehr als das nächstbeste Team) und trotzdem die zweitbeste Defensive der Liga. 39 Siege und nur 13 Niederlagen. Den «zweitfangsichersten» Keeper und natürlich das beste Powerplay sowie den besten Torschützen der Liga. Keine Frage, der HC Davos ist das Team der Regular Season und der Favorit auf den 32. Meistertitel seiner Klubgeschichte.

Klar, da gibt es Titelverteidiger ZSC und Geheimfavorit Fribourg, die unberechenbaren Servette und Lausanne sowie das aufstrebende Lugano. Und natürlich ist die Regular Season spätestens beim «Puck Drop» heute Abend nur noch so viel Wert, wie die News von gestern. Aber die HCD-Ausgabe 2025/26 ist eben mehr als nur eine Ansammlung überragender, schlussendlich aber bedeutungsloser Stats. Es ist ein Ensemble, das alles mitbringt, um der mittlerweile bald dreijährigen Dominanz der ZSC Lions ein Ende zu bereiten.

Mit Verteidigern die offensiv überzeugen und defensiv absichern wie Lukas Frick, Michael Fora oder Klas Dahlbeck. Mit offensiven Playmakern und Scharfschützen wie Matej Stransky, Filip Zadina oder Adam Tambelini. Mit Routinier Enzo Corvi (sofern rechtzeitig fit), der noch immer fast einen Punkt pro Spiel liefert. Mit «Secondary Scoring» via einem Tino Kessler oder Valentin Nussbaumer. Und natürlich mit einer gehörigen Portion Physis dank Spielern wie Simon Knak oder Brendan Lemieux und einem Torhüter (Sandro Aeschlimann), der in den Playoffs zeigen will, dass er zum Meistergoalie taugt.

Kommt hinzu: Seit Head Coach Josh Holden in Davos das Sagen hat, geht es im Bündnerland nur noch in eine Richtung: nach oben. Erst in kleinen, aber spürbaren Schritten (Rang 6 und Viertelfinale in 2024, Rang 5 und Halbfinale in 2025), jetzt in einem wahren Sturmlauf durch die Regular Season. Und: Holden war Teil des Staffs bei Zugs Titeln in 2021 und 2022, weiss also, wie sich «Meister» anfühlt. Ein Gefühl, das er im aktuellen Davoser Kader nur mit Enzo Corvi (Meister mit Davos 2015) und Matej Stransky teilt, der 2024 mit Tschechien Weltmeister wurde.

Mag sein, dass die Davoser Unerfahrenheit in der Meisterschaftsendphase zu einem kleinen Handicap werden kann, gerade in einem möglichen Vergleich mit den ZSC Lions. Oder dass die Bündner ihre «mentale» Stärke – nach einer fast schon zu perfekten Quali – erst noch unter Beweis stellen müssen. Aber das sind Spekulationen. Ich halte mich da lieber an Fakten, und die lassen zum Start der Playoffs nur einen Schluss zu: Der Weg zum Meistertitel führt in diesem Jahr nur über den HC Davos.

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