Mit zwei Siegen geht die deutsche Nationalmannschaft aus den beiden Spielen gegen die Schweiz und Ghana heraus, die die letzten Tests waren, bevor Julian Nagelsmann am 12. Mai seinen finalen WM-Kader benennt.
Von Florian Hartmann, Florian Plettenberg & Kerry Hau
Gewinner:
Florian Wirtz
Mit einem magischen Gala-Auftritt und insgesamt vier Scorerpunkten inklusive Traumtor lässt der Liverpool-Star gegen die Schweiz die Herzen der DFB-Fans höherschlagen. Quasi im Alleingang sorgt Wirtz für den Auswärtssieg in Basel und macht laut eigenen Aussagen sein bis dato bestes Spiel für das DFB-Team. Gegen Ghana kann der Wirbelwind dem Spiel nicht mehr ganz so seinen Stempel aufdrücken, überzeugt aber auch gegen die Black Stars als ständiger Aktivposten mit guten Ideen im Spiel nach vorne. Spätestens ab jetzt ist Wirtz die deutsche WM-Hoffnung.
Kai Havertz
Nach seiner schier endlosen Verletzungsmisere ist Kai Havertz zurück im DFB-Team. Der Gunners-Angreifer, der immer wieder unter anderem von einer Knieverletzung ausgebremst wurde, geniesst nach 16 Monaten Nationalmannschafts-Pause direkt wieder das volle Vertrauen von Bundestrainer Julian Nagelsmann und darf in beiden Partien beginnen. In den knapp 60 Minuten gegen die Eidgenossen arbeitet Havertz als Stürmer durchgehend akribisch mit, verpasst jedoch noch einen Scorerpunkt. Dafür belohnt sich der 26-Jährige bei seinem 45-minütigen-Auftritt gegen Ghana mit einem Elfmetertor und sammelt Argumente, Deutschlands Stürmer Nummer eins bei der WM zu sein können.
Nathaniel Brown
Während der Frankfurter in der Schweiz leicht angeschlagen 90 Minuten lang zuschauen muss, darf Brown gegen Ghana sein Können von Beginn an unter Beweis stellen. In seinen 61 Minuten Einsatzzeit präsentiert sich der 22-Jährige defensiv zweikampfstark und setzt auch immer wieder offensive Akzente. Brown erhält wohl ähnlich wie bei der SGE die Freigabe, seine Rolle als Linksverteidiger etwas offensiver interpretieren zu dürfen, was ihm zugutekommt. Nach der Partie erhält der Youngster explizit von Kapitän Joshua Kimmich ein Sonderlob für seine Leistung und hat Stand jetzt beste Chancen hinter Raum als Linksverteidiger bei der WM dabei zu sein.
Lennart Karl
Zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere darf sich das Bayern-Juwel gegen die Schweiz das DFB-Trikot überstreifen. Gegen Ghana sammelt der 18-Jährige ausserdem noch gleich weitere Nationalelf-Erfahrung. Während Karl den Rasen in Basel in der 63. Minute für Leroy Sane betritt, bekommt er gegen Ghana gleich schon 45 Minuten Einsatzzeit und wird dabei vor Sane eingewechselt. Bei seinen beiden Joker-Einsätzen kann Karl zwar keinen Scorerpunkt beisteuern, sammelt mit seiner Spritzigkeit und einigen guten Ansätzen als ständiger Unruheherd aber Argumente für ein WM-Ticket und begeistert Nagelsmann, der gleich mehrfach vom Youngster schwärmt.
Deniz Undav
Gleich mehrfach feiern die DFB-Fans in Stuttgart noch während der ersten Halbzeit den Lokalmatador mit lauten Sprechchören und senden damit eine klare Botschaft an Julian Nagelsmann. Undav, der nach 90 Minuten auf der Bank in der Schweiz auch zunächst gegen Ghana mit einem Bankplatz vorliebnehmen muss, wird vom Bundestrainer schliesslich zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt und bringt die MHP-Arena mit seinem sehenswerten Treffer kurz vor Schluss zum Beben. Nach der Partie lobt der Bundestrainer den Stuttgarter für sein schönes Tor, lässt jedoch auch mit etwas Kritik für den Torjäger aufhorchen und deutet an, dass Undav bei der WM vorerst nur als Joker eingeplant ist
Verlierer:
Leroy Sane
Während der Dribbelkünstler gegen die Slowakei im letzten WM-Qualispiel im November noch die Sterne vom Himmel spielt, erlebt der 30-Jährige nun einen enttäuschenden DFB-Lehrgang. Gegen die Schweiz muss der blasse Gala-Star das Feld nach 60 Minuten für Karl räumen, gegen Ghana darf Sane dann erst ab der 80. Minute mitwirken und muss bei seiner Einwechslung Pfiffe von den Zuschauern über sich ergehen lassen. Immerhin bereitet der Ex-Bayern-Star den Siegtreffer von Deniz Undav vor, dennoch gibt Sane insgesamt kein WM-Empfehlungsschreiben in eigener Sache ab.
Antonio Rüdiger
Der Real-Star muss sich wohl endgültig eingestehen, dass er seinen Stammplatz in der deutschen Innenverteidigung vorerst an Nico Schlotterbeck verloren hat. Sowohl in Basel als auch im Schwabenland bildet der BVB-Star zusammen mit Jonathan Tah das Herz der deutschen Abwehrkette. Rüdiger bekommt nur gegen Ghana in der zweiten Halbzeit Einsatzminuten und bleibt dabei unauffällig, aber auch fehlerlos.
Josha Vagnoman
In seinem Wohnzimmer bekommt der VfB-Star gegen Ghana knapp 30 Minuten Zeit, sich für die WM zu empfehlen. Anstatt von sich zu überzeugen, strahlt Vagnoman dabei allerdings mit einigen Fehlpässen eher Unsicherheit aus und agiert beim zwischenzeitlichen Ausgleich von Ghana unglücklich, als er erst von Union-Profi Derrick Köhn überlaufen und anschliessend stehen gelassen wird. Die Chance, Julian Nagelsmann zu signalisieren, dass er hinten rechts aushelfen kann, sofern Joshua Kimmich mal wieder ins Mittelfeld auswandert, hat der 25-Jährige nicht genutzt.
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