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Zu stur und offensiv planlos: Daran scheiterte Gerald Scheiblehner bei GC

Patrick

Das halbe Liga hat es getan: Mit Gerald Scheiblehner wurde gestern Abend der bereits siebte Übungsleiter der laufenden Super-League-Saison entlassen. Der Österreicher, der vergangenen Sommer in die Schweiz gekommen war, muss bei GC nach nur einem Sieg in den letzten zwölf Meisterschaftsspielen gehen. Ausbleibende Resultate und vor allem eine ausbleibende Entwicklung wurden dem Linzer zum Verhängnis.

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Muss sich von der Super League verabschieden: Gerald Scheiblehner (r.), ex-GC-Trainer © Keystone / Manuel Geisser

Schon Einstein wusste Bescheid

„Dumm ist, wer immer wieder dasselbe tut, und dabei ein anderes Ergebnis erwartet“ sagte einst Albert Einstein in einem Satz, der die jüngsten Wochen beim Grasshopper Club Zürich ziemlich gut umschreibt. Denn dort konnte man Trainer Gerald Scheiblehner zwar nicht mangelnde Intelligenz, dafür aber fast schon penetrante Sturheit vorwerfen. Bis zuletzt hielt der 49-Jährige nämlich am Spiel mit einer Dreierabwehr fest, und das, obwohl Fortschritte schon längere Zeit nicht mehr erkennbar waren. Natürlich, dass 3-4-3-System war in guten Momenten mutig und dominant, meist aber einfach anfällig und fragil. Oft wirkten die Grasshoppers defensiv überfordert und instabil, und das nicht nur mit Bezug auf die Abwehrreihen selbst. Auch im zentralen Mittelfeld fehlte die Balance, entweder um das Spiel des Gegners zu bremsen, oder um eigene Umschaltmomente erfolgreich auszuspielen. Zu oft klafften zwischen den Mannschaftsteilen grosse Lücken, die der Gegner gnadenlos ausnutzte. Doch die fast zwei Gegentore im Schnitt waren bei Weitem nicht das einzige GC-Problem in einer immer schwieriger werdenden Spielzeit.

 

Hinten pfui, vorne…

Denn auch in der Offensive blieb der erhoffte Fortschritt unter Scheiblehner je länger, desto mehr aus. Vieles blieb aufgrund der häufigen Unterzahl im Mittelfeld Stückwerk und auf Zufall ausgerichtet, klare Automatismen im Spiel nach vorne waren kaum erkennbar. Statt pragmatischer Angriffsmuster und Lösungen unter Einbezug der Flügelspieler, dominierten lange Bälle in die Spitze, die Stürmer wie Michael Frey, Luke Plange oder neuerdings Young-jun Lee oft in Unterzahl verarbeiten mussten. Kreative Unterstützung aus dem Mittelfeld hatte Seltenheitswert – Torchancen entstanden meist aus Einzel- oder Zufallsaktionen. Selbst Bayern-Leihgabe Jonathan Asp Jensen konnte seine technischen Stärken zuletzt immer seltener einbringen und verzettelte sich ob der Systemlosigkeit viel zu oft in Einzelaktionen. Kein Wunder, stellen die Hoppers mit 38 Treffern die zweitschwächste Offensive der Liga und sind kaum je in der Lage, über längere Spielphasen zwingend aufzutreten.

 

Keystone_Gian Ehrenzeller_Dieses Team gilt es wieder aufzubauen
Dieses Team sollen Gernot Messner und sein Staff wieder aufrichten (Keystone / Gian Ehrenzeller)

Fehlende Klasse und fehlendes Vertrauen

Dass man den Grasshoppers eigentlich nur dann Tore und Siege zutraut, wenn alles nahezu perfekt läuft, ist allerdings nicht erst seit ein paar Wochen ein Merkmal der GC-Ausgabe 2025/2026. Vielmehr ist es eine Tatsache, die sich auch Sportchef Alain Sutter ankreiden lassen muss, der mit seiner Transferpolitik und Einschätzung des Kaders im Sommer falsch lag. Ab Tag eins waren die Hoppers zu dünn und zu unerfahren unterwegs, weshalb im Verlauf der Saison verschiedene Male nachjustiert werden musste. Erst einigermassen gemächlich mit den Zuzügen von Maximillian Ullmann und Abdoulaye Diaby, dann mit Hochdruck im Winter. Jetzt sollten die erfahrenen Sven Köhler, El Bachir Ngom und Michael Frey die überforderten Jungen wie Mateo Mantini entlasten – und gleichzeitig (Fehl)Transfers wie Alan Arrigoni, die seit geraumer Zeit überhaupt keine Rolle mehr spielen, wettmachen. Doch das neue Personal brachte keine Wende. Im Gegenteil: Seit der Winterpause wirkt das Team fahriger denn je, was auch an Scheiblehners ständigen Wechseln lag. Anstatt sich auf eine Stammelf festzulegen, wechselte der Österreicher sein Personal von Spieltag zu Spieltag, schenkte und entzog Vertrauen gefühlt nach Belieben. Erfahrene oder in der Vorrunde bewährte Kräfte wie Ullmann, Decarli oder Samuel Marques spielten plötzlich keine Rolle mehr, kreative Flügel wie Veron Lupi (mittlerweile zurück in Südamerika) erhielten gar nie eine Chance. Gerade offensiv verteilte sich die Verantwortung im Spiel des Rekordmeisters deshalb rasch auf ganz wenigen Schultern.

 

Das Duo Messner/Gashi solls richten

Nun soll ein noch relativ unerfahrenes, junges Trainer-Duo aus den eigenen Reihen die Saison retten. Gernot Messner und Shkelzen Gashi sorgten zuletzt mit der U21 für Furore (19 Punkte aus sieben Spielen), müssen auf höherer Stufe nun aber sofort liefern und werden für zusätzliche Defensiv-Expertise durch ex-Hopper Daniel Pavlovic ergänzt. Eine durchaus gewagte Wahl, auch wenn das Team mit Hammel, Köhler, Abrashi und Frey in der Theorie über eine tragfähige und erfahrene Achse verfügt, der es zudem nicht an Mentalität fehlt. Allerdings waren mangelnder Einsatz und Motivation in dieser Spielzeit nie ein GC-Problem, in der es dafür umso mehr an Struktur, Orientierung und schlussendlich Vertrauen fehlte. Dieses sollen Messner und sein Trainerteam nun innert Rekordzeit wieder aufbauen, wobei klar ist, dass die Mannschaft im Trainer-Staff nun in erster Linie eine Stütze braucht, an der sie sich aufrichten kann. Diese Aufgabe einer auf diesem Niveau unerfahrenen Trainer-Kombi zu übertragen, ist durchaus mit einem gewissen Risiko verbunden. Aber wie sagte Sportchef Sutter schon zu Saisonbeginn: „Wir fahren eine Hochrisiko-Strategie.“ Dass diese trotz Messner & Co, die den systemtechnisch unter Scheiblehner eingeschlagenen Weg fortführen sollen, in der Challenge League endet, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschossen werden.

 

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