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«Zwischen Euphorie und vorsichtigem Optimismus»: Ein Blick in die GC-Fanseele vor dem Stadtzürcher Derby

Patrick

Besitzerwechsel, Sieg im Stadtderby, Niederlage im Kantonsderby – der Grasshopper Club Zürich blickt auf ereignisreiche Wochen zurück. Trotz der jüngsten Niederlage gegen Winterthur und Tabellenrang 9 blickt GC-Fan und «Sächsfoif» Podcast-Host Stephan Wernli optimistisch in die Zukunft. Im Gespräch mit Sky Sport erklärt der 25-Jährige warum.

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Ewiges Duell um die Vormachtsstellung in der grössten Schweizer Stadt: Zürich und GC treffen am Samstag zum 285. Mal aufeinander © Keystone / SDA

Sky Sport:  Die vergangenen Wochen bei GC hatten es in sich - speziell für einen langjährigen Fan wie dich. Wie siehst du die jüngsten Entwicklungen?

 

Stephan Wernli (SW): Mit einer gehörigen Portion Optimismus. Die Art und Weise wie die neuen Investoren bislang aufgetreten sind und auch die Tatsache, dass sie nicht zum ersten Mal einen Verein neu oder wieder aufbauen (siehe LA, siehe Wacker Innsbruck) und entsprechend über ein Netzwerk sowie Erfahrung verfügen, stimmt mich zuversichtlich.

 

Sky Sport: Was hat dich zuletzt im Zusammenhang mit GC am meisten beeindruckt?

 

SW: Rein sportlich gesehen sicherlich der Last-Minute-Erfolg gegen den FCZ. Das Siegtor in der 95. Minute live in der Kurve zu erleben, war ein sehr intensiver Moment, wie wir ihn als GC-Fans seit längerer Zeit nicht mehr erleben durften. Abseits des Rasens gefällt mir, dass die neue Führung um Stacy Johns transparent und kommunikativ auftritt, aktiv auf GC-nahe Kreise wie den Donnerstags-Club oder unseren Fan-Podcast zugegangen ist und den Austausch mit den Mitarbeitern sowie potentiellen Partnern sucht, um sich Inputs und Feedbacks abzuholen. Das hat es unter den chinesischen Investoren viel zu wenig gegeben.

 

Sky Sport: Mit deinem Podcast hast du dein Ohr auch am Puls der Fans. Wie ist dort die aktuelle Stimmungslage?

 

SW: Ich würde sagen irgendwo zwischen euphorisch und vorsichtig optimistisch. Vielen sind natürlich die überzogenen Zielsetzungen der ehemaligen Besitzer noch in bester Erinnerung, die sich dann grösstenteils als «heisse Luft» herausstellten. Insofern betrachte ich die Tatsache, dass der LAFC bislang zwar ambitioniert, aber auch realistisch auftritt und sich bewusst ist, den Klub erst einmal wieder aufbauen zu müssen, als positives Zeichen. Ich glaube, dass ein Grossteil der GC-Fans auch deshalb optimistisch nach vorne blickt, weil der LAFC nicht nur Finanzkraft, sondern auch viel sportliches Know-how mitbringt.

 

Sky Sport: Was denkst du ist in dieser Saison für GC sportlich noch möglich?

 

SW: Ich denke, dass GC diese Saison ungefähr dort beenden wird, wo es jetzt steht. Das heisst, dass der Ligaerhalt einigermassen sicher bewerkstelligt, der Sprung in die «Championship Group» aber verpasst wird. Etwas anderes zu erwarten wäre meiner Meinung nach vermessen. Die neuen Besitzer können den dafür notwendigen Entwicklungsprozess zwar anstossen, aber nicht herbeizaubern.

 

Sky Sport: Keine Angst vor der Barrage?

 

SW: Komplett ausschliessen kann ich dieses Szenario nicht, aber grundsätzlich glaube ich schon, dass es unserem Team gelingen wird, mindestens zwei Klubs hinter sich zu lassen. Dafür ist der Kader breit und stark genug.

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Stephan Wernli ist Gastgeber des Fan-Podcasts "Sächsfoif" und drückt den Hoppers seit 20 Jahren die Daumen (Foto.: zVg)

"Es gibt keinen Grund, warum GC nicht wieder an der Spitze mitspielen kann"

 

Sky Sport: Man könnte den erwähnten Kader natürlich auch weiter verstärken. Unserer Meinung nach hat GC in der Winterpause aufgrund von Verletzungen und Abgängen weiter an Substanz verloren. Gekommen sind lediglich ein Spieler aus Deutschlands 3. Liga sowie ein FCL-Reservist…

 

SW: Nüchtern betrachtet sind die getätigten Transfers vermutlich keine Überflieger. Dennoch glaube ich, dass sowohl Asumah Abubakar (ex-Luzern) als auch Oliver Batista Meier (zuletzt Dresden/Verl) Verstärkungen sein können. Abubakar hat dabei in seinen ersten beiden Einsätzen schon gezeigt, dass er mit seinem Tempo ein Gewinn ist, während Batista Meier genau die Art von Spielertyp verkörpert, der offensiv bislang gefehlt hat. Ich hoffe, wir können auch im zentral-defensiven Mittelfeld noch einmal nachlegen, dann wäre ich vorderhand sehr zufrieden.

 

Sky Sport: Blicken wir voraus – was erhoffst du dir in naher Zukunft vom Engagement des LAFC?

 

SW: Sportlich gesehen wäre es natürlich schön, man könnte sich bald wieder in den Top 6 etablieren. Realistisch gesehen, sind die kurzfristigen Möglichkeiten jedoch beschränkt. Deshalb erhoffe ich mir, dass wieder vermehrt in die Marke GC investiert wird. Dazu gehört, sich in den Bereichen Marketing und Kommunikation breiter aufzustellen, zusätzliche personelle Ressourcen und zusätzliches Know-how einfliessen zu lassen, über welches der LAFC verfügt. Es wäre wunderbar, gäbe es wieder mehr Möglichkeiten, sich um die Anliegen der eigenen Fans zu kümmern, in die Content Produktion zu investieren, das Merchandising anzukurbeln oder die Chancen, welche einem die digitale Welt bietet, zum Vorteil des Klubs auszuschöpfen. Hier liegt meiner Meinung nach viel Potential brach.

 

Sky Sport: In der Antritts-PK hat der LAFC viel darüber gesprochen, wieder erfolgreich sein zu wollen und auch das Fanpotential des Klubs wieder «aufzuwecken». Hältst du diese beiden Ziele für realistisch? Der FCZ hat GC in den letzten Jahren doch ziemlich den Rang abgelaufen.

 

SW: Ich bin absolut der Meinung, dass GC nach wie vor über eine grosse Fanbasis verfügt – die aber reaktiviert werden muss. Das bedingt, dass wieder vermehrt und transparent mit den Fans kommuniziert wird und die Spiele einen stärkeren Eventcharakter erhalten. Natürlich geschieht das nicht einfach so, sondern Bedarf insbesondere nach den letzten 5-10 Jahren wieder Aufbauarbeit. So wie ich die neue Führung einschätze, ist sie sich dessen jedoch bewusst und bereit, hier zu investieren. Das Gleiche gilt natürlich auch für den sportlichen Bereich. Wenn gut gearbeitet wird sehe ich jedoch keinen Grund, warum wir nicht wieder an der Spitze der Super League mitspielen können.

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Hoffen am Samstag auf den nächsten Derby-Sieg: Die Fans des Grasshopper Club Zürich (Foto: Keystone / SDA)

Sky Sport: Schauen wir zum Abschluss noch auf das kommende Wochenende: Am Samstag steht das Stadtzürcher Derby gegen den FCZ an. Was bedeutet dir dieses Spiel, bzw. diese Affiche, als langjähriger Fan?

 

SW: Auch wenn am Samstag bereits das dritte Derby der Saison ansteht, sind die Spiele gegen den FCZ für mich immer wieder von neuem Highlights. Als Fan gibt es nichts Schöneres, als den Rivalen zu besiegen, und ich denke diese Atmosphäre überträgt sich auch auf die Spieler auf dem Platz. Zusammenhalt und Nähe zwischen Mannschaft und Kurve sind während den Derbys immer noch etwas grösser – man lebt als Fan für diese Spiele. Ich freue mich extrem auf Samstag!

 

Sky Sport: Wäre GC bei einem Sieg wieder die Nr. 1 in der Stadt?

 

SW: GC ist und bleibt am Samstag auch ohne Sieg die Nr. 1 in der Stadt. Der FCZ hätte bei einem Sieg einfach ein kurzfristiges, sportliches Gegenargument. Blickt man aber auf die gesamte Geschichte und Relevanz der beiden Klubs, ist der Fall klar.

 

Sky Sport: Und in zwei Jahren - wo steht der Grasshopper Club dann?

 

SW: Ich glaube und hoffe, dass wir in zwei Jahren wieder um die europäischen Plätze mitspielen können, uns also in Richtung Top 4 orientieren werden. Sicher weit weg von den Abstiegsplätzen und in einer Position, in der sich GC wieder voll nach vorne orientieren kann.

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