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27 Niederlagen am Stück: Die Detroit Pistons und ihr langer Weg zurück

Patrick

Mit der 27. Niederlage am Stück stellten die Detroit Pistons am Dienstag einen unrühmlichen Rekord auf: Noch nie in der Geschichte der NBA hat ein Team so viele Spiele in Folge verloren. Dabei gehört die Franchise mit drei Titelgewinnen eigentlich zum Establishment der Liga, rennt dem Erfolg jedoch seit mittlerweile 15 Jahren hinterher. Der letzte Neuaufbau startete 2020 - doch der Weg zurück ist lang.

Hoffnungsträger Cade Cunningham ist einer von vielen jungen Talente im Team
Hoffnungsträger Cade Cunningham ist eines von vielen jungen Talenten im Kader der Pistons © Keystone / SDA

Vom Seriensieger zum Dauerverlierer

Wann genau sind die Pistons eigentlich falsch abgebogen? Fragt man amerikanische Experten, nennen viele den 3. November 2008 als den Anfang allen Übels. An jenem Tag entschied der damalige General Manager Joe Dumars, dass sein Team einen Weckruf in der Form eines unerwarteten Trades benötigte. Dazu muss man wissen: Zu jener Zeit verfügte Detroit über einen Kader, der ligaweit zu den besten gehörte («The Greatest Five Alive»), viermal in Folge das Finale der Eastern Conference erreichte, dem letzten Titel von 2004 aber keinen weiteren hinzufügen konnte. Zu wenig für Dumars, Klublegende und zweifacher NBA-Champion, der sich vom Tausch mit den Denver Nuggets für Allen Iverson das entscheidende Puzzle-Stück zur Meisterschaft erhoffte. Doch das Gegenteil war der Fall. Mit dem Weggang von Chauncey Billups (für Iverson nach Denver) verlor die Organisation nicht nur ihr zweites defensives Gewissen nach Ben Wallace (2006), sondern auch einen wichtigen Teil ihrer Identität. In der Folge versuchten die Pistons zwar immer wieder den Erfolg mit teuren Stars zu forcieren – operierten dabei aber stets im Irrglauben, nahe genug an einem möglichen Titelgewinn zu sein. Das Resultat war ein Kader, der sich in schöner Regelmässigkeit etwas weiter von der NBA-Spitze entfernte, dabei jedoch stets etwas älter und teurer wurde. Erst im Sommer 2020 kehrte man schliesslich von dieser Philosophie ab. Es war Zeit für einen kompletten Neuanfang.

 

In GM Troy Weaver we trust

Um diesen zu bewerkstelligen, vertraute Besitzer Tom Gores (59) etwas überraschend auf Troy Weaver (55), bis zu jenem Zeitpunkt Assistant General Manager bei den Oklahoma City Thunder. In dieser Position hatte Weaver zehn Jahre Erfahrung vorzuweisen, und sich in dieser Zeit den Ruf erarbeitet, ein Faible für die Sichtung und Weiterentwicklung von Talenten zu haben. Ideal für die Pistons, in deren neuer und noch immer aktuellen Strategie der NBA Draft ein zentrale Rolle einnimmt. Unter Weaver machte sich Detroit daran, ein talentiertes Roster zusammenzustellen, dass aktuell von Spielern wie Shooting Guard Cade Cunningham (22, Nr. 1 im Draft 2021), Point Guard Jaden Ivey (21, Nr. 5 2022) Point Guard Killian Hayes (22, Nr. 7 2020) oder Center Jalen Duren (20, Nr. 13 2022) geprägt wird. Gleichzeitig trennte sich Weaver im Lauf der letzten drei Spielzeiten Schritt für Schritt von älteren Spielern, deren z.T. hochdatierten Verträge die Handlungsfähigkeit der Organisation in der Free Agency einschränkten. Noch hat diese Strategie aber nicht den erwünschten Turnaround gebracht. Einerseits, weil sich Trades für Talente anderer Teams wie im Falle von Center James Wiseman (Nr. 2 Draft von Golden State 2020) nicht bezahlt gemacht haben. Andererseits, weil den Pistons nun ein Nukleus von älteren, erfahrenen Spielern fehlt, die den Youngstern Halt und Orientierung geben können. Hinzu kommt, dass speziell im Fall von Cade Cunningham bislang Verletzungen eine optimale Entwicklung des jungen Spielers verhindert haben.

 

Soll in Detroit wiederholen was in Phoenix gelang_HC Monty Williams
Soll nach Phoenix auch in Detroit den Erfolg zurückbringen: Head Coach Monty Williams

Der (vermeintliche?) Coup mit Monty Williams

Dennoch herrschte in Detroit zum Saisonbeginn im Oktober Optimismus vor. Ein Grund dafür war Monty Williams (52), den die Pistons im Sommer als neuen Chefcoach engagieren konnten. Williams war in den Jahren 2021 und 2022 zweimal zum «NBA Coach des Jahres» gewählt worden, nachdem er die Phoenix Suns innerhalb von zwei Jahren von einem Team mit 19 Siegen in die NBA Finals gecoached hatte. Eine ähnliche Entwicklung soll der ehemalige Profi auch am Ufer des Lake Erie herbeiführen und profitiert dabei von reichlich Vorschlusslorbeeren in der Form eines lukrativen Sechsjahresvertrags. Allerdings konnte Williams bislang noch nicht den Beweis dafür erbringen, auch bei den Pistons der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Gemunkelt wird, dass dies auch auf ein gestörtes Verhältnis zu Top-Pick Cade Cunningham zurückzuführen sein könnte, realistischer erscheint jedoch, dass der Notre-Dame-Alumni bislang am noch zu unausgewogenen Kader Detroits scheitert. Neben Erfahrung fehlt es den jungen Pistons nämlich vor allem an ein paar stabilen Verteidigern und Werfern, um alsbald eine nachhaltige Trendwende einleiten zu können. Kurzfristig geht es aber ohnehin darum, möglichst bald wieder ein bis zwei Siege einfahren zu können, um Druck von der Franchise zu nehmen und den Glauben an die mittel-bis langfristigen Erfolgsaussichten des Projekts zu stärken. Spätestens in der Free Agency im kommenden Sommer sollte Detroit dann wieder bessere Karten in den Händen halten. Dank vornehmer Zurückhaltung in diesem Jahr nehmen die Pistons die nächste Transferphase nämlich mit reichlich Cap Space (= vollen Geldspeichern) in Angriff.

 

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