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Ajoie und die nächste «Mission Ligaerhalt»

Andy

Seit dem Aufstieg in der Saison 2021/22 hat der HC Ajoie in der National League ein Abonnement auf den letzten Platz. Es deutet nicht allzu viel oder besser gesagt nichts darauf hin, dass sich dies in der neuen Saison ändert.

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Julius Nättinen war letzte Saison der beste Skorer des HC Ajoie. © PostFinance/KEYSTONE/Georgios Kefalas

Am 9. September legt die National League wieder los. Ajoie trifft dann auswärts auf den Servette-Genève HC, der nach einer total verkorksten letzten Saison viel gutzumachen hat. Aber auch die Jurassier sind gefordert, denn für die letzten vier Jahre weisen sie eine Bilanz des Grauens auf. Viermal beendeten sie die Regular Season als Schlusslicht, immerhin konnte die Relegation in die Sky Swiss League aber jeweils verhindert werden, wenngleich es gerade in der letzten Saison auch Tricks und Kniffe brauchte, die nicht für Sympathien sorgten.

Den EHC Olten schaltete Ajoie als Aufstiegskonkurrenten damals schon im Herbst aus, als die Jurassier ihren Ex-Trainer Christian Wohlwend nur unter der Auflage freigaben, dass Olten das Aufstiegsgesuch zurückzieht. Für die Playoffs verstärkten sie Olten dann mit drei Spielern, worauf die Solothurner den Favoriten La-Chaux-de-Fonds aus dem Rennen warfen. Und in der Ligaqualifikation setzten sie sich gegen Visp vor allem durch, weil Adam Brodecki, Söldner und Leistungsträger der Walliser, mit einem Check hart am Limit ausser Gefecht gesetzt wurde.

Nun folgt für den HC Ajoie die nächste «Mission Ligaerhalt». Und das dürfte erneut ein hartes Stück Arbeit werden. Das Vermeiden von Platz 13 oder 14, der mit dem Gang ins Playout verbunden ist? Unwahrscheinlich. Rang 11 oder 12 und frühzeitige Ferien? Ziemlich sicher ausser Reichweite. Eine Rangierung in den Top Ten und die Qualifikation fürs Play-In? Es bräuchte ein sportliches Wunder, nachdem letzte Saison 25 Punkte auf Rang 12 und gar 27 auf die Top Ten gefehlt hatten.

Die Regular Season wir für Coach Greg Ireland und sein Team lange und hart werden. Vor Jahresfrist gab es in der Qualifikation in 52 Spielen lediglich elf Siege nach regulärer Spieldauer sowie drei in der Overtime und einen im Shootout. Das erste Ziel muss nun sein, diese äusserst bescheidene Ausbeute zu verbessern und möglichst lange den Anschluss an die Konkurrenz zu halten.

Hochklassige Finnen-Power

Immerhin das scheint durchaus realistisch zu sein. Das offensichtlichste Argument dafür sind die Ausländer, in der in erster Linie eine geballte Ladung Finnen-Power vereint ist. In der Defensive sind dies Niklas Friman und Anttoni Honka. Friman hat in den zwei Jahren Ilves Tampere als Captain angeführt und in seinem Palmarès stehen Olympia- und WM-Gold mit Finnland – er ist wahrlich eine grosse Nummer! Anttoni Honka, der Bruder von Rapperswils Julius Honka, spielt seit vergangenem Oktober bei den Ajoulots und hat bereits gezeigt, dass er über Qualität verfügt, gerade auch im Spiel nach vorne.

Auch in der Offensive sind zwei Finnen vielversprechend: Julius Nättinen, letzte Saison mit 22 Toren und 30 Assists der zweitbeste Skorer der Liga und mit 24 Punkten in Überzahl der Powerplay-Spezialist schlechthin in der National League. Und da ist auch Jerry Turkulainen, der auf bestem Weg zum Ligatopskorer war, die Saison aber verletzungsbedingt nach 30 Spielen und satten neun Toren und 29 Assists vorzeitig beenden musste. Keine Frage: In der Offensive wird er für Musik sorgen – aber wann hat er sich von seiner Verletzung endgültig erholt? Und genügt auch seine defensive Arbeit?

Der Franzose Pierre-Édouard Bellemare ist mit seinen 40 Jahren der Saurier der Liga, er verfügt über Routine ohne Ende: 785 NHL-Spiele stehen in seinem Curriculum Vitae, dazu 304 Matches in der schwedischen Elitserien. Er ist der grosse Leader und ein starker Defensivstürmer. Mit den Ajoie-Dauerbrennern Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen ist auch das kanadische Element vertreten. Sie garantieren beide traditionell eine schöne Anzahl Skorerpunkte pro Saison, zudem lockt die Aussicht, dass sie bald einmal den Schweizer Pass erhalten sollten.

Mut macht auch der Transfer von Gottéron-Kultfigut Kilian Mottet, der von den Freiburgern an die Jurassier ausgeliehen wurde, in den ersten beiden Testpartien seine Treffsicherheit bewies und gegen die Rapperswil-Jona Lakers und Rouen insgesamt drei Tore erzielte.

Grösser ist dagegen die Unsicherheit ganz hinten, bei den Torhütern. Benjamin Conz wird demnächst 34 Jahre alt, kämpft immer wieder mit körperlichen Problemen und hielt in der vergangenen Regular Season durchschnittliche 90,12 Prozent der gegnerischen Schüsse. Sein Backup Damiano Ciaccio hat bereits 36 Jahre auf dem Buckel und kam in der letzten Qualifikation auf eine Save Percentage von lediglich 89,18 Prozent. Ganz klar, die Torhüter bereiten Sorgenfalten, sind die Achillesferse im Team. Gut möglich, dass Sportchef Julien Vauclair da früher oder später nachbessern muss.

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Wie lange kann sich Coach Greg Ireland im Amt halten?

Prognose

Auch mit viel Optimismus und mit bestem Willen ist nicht absehbar, dass Ajoie in dieser Saison über den letzten Platz nach der Regular Season hinauskommen wird. Stattdessen wird danach einmal mehr der Kampf gegen den Abstieg akut werden. Die Frage wird sein, wie lange sich Coach Greg Ireland im Amt halten kann respektive wann Sportchef Julien Vauclair die Geduld verliert und in der sportlichen Tristesse Ireland erlöst und durch einen neuen Trainer ersetzt – oder selber als Headcoach interimistisch übernimmt. So wie er das schon im Februar 2022 nach der Trennung von Gary Sheehan, im Dezember 2022 nach der Entlassung von Filip Pesan und im Oktober 2024 während zehn Tagen nach der Amtszeit von Christian Wohlwend und vor der Übernahme von Greg Ireland gemacht hat. So wird der HC Ajoie erneut für Geschichten sorgen, wenn auch nicht für ein sportlich-erfolgreiches Märchen.

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