Alexis Monney auf der Suche nach der fehlerfreien Fahrt
Während seine Teamkollegen über Medaillen jubeln, laufen die Winterspiele für Alexis Monney noch nicht wie gewünscht. Im Super-G vom Mittwoch könnten ihm jedoch die Bedingungen entgegenkommen.
Als Alexis Monney nach der Team-Kombination im Zielraum von Interview zu Interview geht, wandern seine Augen immer wieder hinauf zur Piste. Dort haben die Vorbereitungen für den Super-G bereits begonnen. Pistenchef Matteo Marsaglia, bis vor drei Jahren selbst noch als Athlet aktiv, hat veranlasst, dass nochmals grosszügig gewässert wird. Monney und Co. dürften am Mittwoch eine noch eisigere Stelvio vorfinden.
Das sind Bedingungen, die der 26-jährige Freiburger mag: je härter und ruppiger, desto besser. Gleichzeitig weiss er, dass der Grund dafür, dass er anders als vier seiner Teamkollegen noch keine Olympia-Medaille besitzt, nicht in erster Linie bei den Pistenverhältnissen liegt. Zweimal, in der Abfahrt und in der Team-Kombi, unterliefen ihm im oberen Teil Fehler, die ein besseres Resultat verhinderten. Seine Leistungen im mittleren und unteren Abschnitt machen dagegen Hoffnung. Dort fuhr er so stark, dass er das grosse Handicap fast kompensieren konnte - aber eben nur fast.
In der Abfahrt belegte er Platz 5, in der Team-Kombination übergab er als Zweiter an Daniel Yule, der die starke Vorlage im Slalom jedoch nicht nutzen konnte. "Es ist frustrierend: Ich sehe seit Beginn der Saison, dass ich nicht weit vom Podest entfernt bin", sagt Monney. "Aber dann kommt meistens der eine Fehler zu viel." Deshalb hat es in diesem Winter auch im Weltcup erst einmal für einen Podestplatz gereicht: In Livigno wurde er Zweiter - im Super-G.
Dass ihm die Stelvio liegt, hat Monney bereits in der vergangenen Saison gezeigt. Damals fuhr er dort erstmals richtig ins Rampenlicht. Als bereits alle mit dem ersten Abfahrtssieg von Franjo von Allmen gerechnet hatten, kam Monney mit Startnummer 19 und stahl ihm diesen vor der Nase weg. Tags darauf doppelte er mit Platz 3 im Super-G gleich nach. Auch damals hatte er jeweils nach verhaltenem Start den Schalter umgelegt. Man stelle sich vor, was möglich wäre, wenn Monney die Linie von Beginn an treffen würde.
Darauf angesprochen, verdreht Monney kurz die Augen, lächelt aber sofort wieder. "Wenn ich genau wüsste, woran es liegt, würde ich es ändern", sagt er. "Vielleicht will ich manchmal ein bisschen zu viel oder es zu gut machen. Aber so ist es nun mal. Es ist nicht für alle wie für Marco und Franjo, bei denen es oft fast wie von selbst läuft." Das sei aber auch nicht so schlimm, fügt er an.
Denn so sehr er die beiden manchmal um ihren "Flow" beneidet, so wenig vermisst er das Rampenlicht, in dem sie ständig stehen. Dieses meidet er, so gut es geht. Oder wie Teamkollege Justin Murisier sagt: "Alexis macht nicht viel Lärm um sich selbst."
Im Super-G ist der Kreis der Podestkandidaten grösser als noch in der Abfahrt. In erster Linie muss sich Monney aber wohl gegen seine Teamkollegen durchsetzen, um sich nach den beiden WM-Medaillen im letzten Jahr - Bronze in der Abfahrt, Silber in der Team-Kombi - auch olympisches Edelmetall umhängen zu können.
Der Mann, den es zu schlagen gilt, ist einmal mehr Disziplinenleader Marco Odermatt. Auch für ihn verliefen die Spiele bisher nicht nach Wunsch. Platz 4 in der Abfahrt war eine bittere Enttäuschung, Platz 2 in der Team-Kombi zwar eine kleine Befreiung, dennoch wurden Loïc Meillard und er als "Schweiz 1" ihrer Favoritenrolle nicht gerecht. Nun wird der Nidwaldner alles daran setzen, nach Riesenslalom-Gold in Peking vor vier Jahren auch im Super-G zu triumphieren.
Derweil könnte Franjo von Allmen als erst dritter Skifahrer überhaupt einen Gold-Hattrick an einer einzigen Austragung realisieren. Dafür müsse allerdings alles zusammenpassen, hielt der Berner Oberländer fest. Schon in der Team-Kombi sei ihm im unteren Teil langsam die Kraft ausgegangen. Hinzu kommen die starken Italiener um Dominik Paris und Giovanni Franzoni sowie die von Vincent Kriechmayr angeführten Österreicher.
Es ist ein breites Feld, aus dem es herauszustechen gilt. Monney hat jedoch gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Vielleicht gelingt ihm beim dritten Anlauf ja die erhofft fehlerfreie Fahrt auf der Stelvio.