Auf der Überholspur den Erfolgen entgegen
Nach drei Wochen Pause nimmt die Formel 1 den Rennbetrieb wieder auf. Als Leader geht der italienische Teenager Kimi Antonelli, der aktuell den PS-Zirkus aufmischt, in Montreal ins GP-Wochenende.
Vier Rennen und zwei Sprints sind in der WM 2026 bereits bestritten worden und an der Spitze thront ein frisches Gesicht: Kimi Antonelli, der Teenager aus Bologna, der sich aufgemacht hat, in der Königsklasse des Motorsports Rekorde zu brechen.
Zum jüngsten GP-Sieger in der Geschichte hat es Antonelli nicht gereicht, als er in China erstmals triumphierte. Diesen Rekord hält Max Verstappen, der seine Premiere 2016 in Barcelona feierte. 18 Jahre und 228 Tage jung war er, als er im Red Bull vor dem Ferrari-Duo Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel gewann. Kimi Antonelli war damals noch keine zehn Jahre alt und noch im Kartsport aktiv, doch seither hat er das Gaspedal durchgedrückt und sich in der PS-Welt einen Namen gemacht.
Premiere mit 19 Jahren und 202 Tagen
Antonelli bestreitet nun erst seine zweite Formel-1-Saison und rast auf der Überholspur den Erfolgen entgegen. Beim Saisonauftakt in Melbourne musste er sich noch seinem Mercedes-Kollegen George Russell geschlagen geben, doch danach startete der Italiener richtig durch. In Shanghai feierte er seinen ersten GP-Sieg – im Alter von 19 Jahren und 202 Tagen, womit er im Ranking der jüngsten Gewinner hinter Verstappen und vor Sebastian Vettel Rang 2 belegt. In China startete er zudem erstmals in seiner noch jungen Karriere von der Pole-Position ins Rennen und stellte so eine Bestmarke auf.
Aktuell hält Antonelli aber noch weitere Rekorde. Er ist der jüngste Pilot, der ein Formel-1-Rennen anführte, der die schnellste Rennrunde aufstellte, dem ein Hattrick – Pole-Position, Sieg und schnellste Runde – gelang, wobei er dieses Kunststück gar in China, Japan und den USA fertigbrachte. Und: Mit seinem Sieg in Suzuka wurde er der jüngste WM-Leader aller Zeiten, löste mit seinen 19 Jahren und 216 Tagen Lewis Hamilton ab, der 2007 mit 22 Jahren und 125 Tagen erstmals ganz oben stand.
Für WM-Leader Antonelli ist damit auch ein weiterer Rekord alles andere als Utopie: jüngster Formel-1-Weltmeister in der Geschichte zu werden. Diese Bestmarke hält immer noch Sebastian Vettel, der 2010 bei seinem Titelgewinn 23 Jahre und 134 Tage jung war – da hat Antonelli also noch etwas Zeit. Er lässt aber die Konkurrenz im Moment hinter sich, hat auch seinen Teamkollegen George Russell im Rückspiegel. In der WM liegt Antonelli 20 Punkte vor dem Briten, dem vor der Saison der WM-Titel eher zugetraut worden war und der nun unter Druck ist, nachdem er die ersten beiden Saisonrennen – den GP in Melbourne und den Sprint in Shanghai – gewonnen hatte.
Ein Winner-Typ lässt Italien träumen
Andrea Kimi Antonelli, wie er mit vollem Namen heisst, strotzt vor Selbstvertrauen und erobert die Formel 1. Er ist frühreif und sieht wie ein Lausbub aus. Aber dahinter versteckt sich ein Winner-Typ, der genau weiss, was er will. So sagt er: «Ich fahre, um zu gewinnen. Ich will Rennen gewinnen und Meisterschaften. Das ist mein Ziel.»
Antonelli lässt das motorsportbegeisterte Italien träumen. Der letzte italienische Weltmeister war Alberto Ascari – vor der gefühlten Ewigkeit vor 73 Jahren. Der Weg bis zu diesem Triumph ist noch weit, das weiss auch Antonelli, der nun mit den grössten dieses Sports verglichen wird. «Natürlich will in Italien jeder über die Weltmeisterschaften sprechen, und es kommen Vergleiche mit Ayrton Senna auf, was ich nicht gerne lese», sagt sein Förderer Toto Wolff. Antonelli selber bleibt dagegen noch cool: «Ich möchte nicht zu viel Wert auf Erwartungen und den Druck legen. Um ehrlich zu sein, spüre ich denselben Druck wie zu Beginn der Saison.»
Start noch als Schwachstelle
Die Karriere des Italo-Teenagers führt kontinuierlich aufwärts. Er durchlief die Kaderschmiede von Mercedes. «Als wir Kimi mit elf Jahren in unser Programm aufnahmen, gab es viele Zweifler. Doch die sind längst verstummt», erinnert sich Silberpfeil-Chef Wolff, der die Entwicklung des WM-Leaders eng begleitete und ihn auch heute noch pusht. Dies beispielsweise, wenn es um die Starts geht, die bei Antonelli noch eine Schwachstelle sind, wie die ersten Rennen gezeigt haben, in denen er immer wieder Positionen verlor. «Das geht nicht, wenn du eine WM gewinnen willst. Dann musst du bei den Starts gut wegkommen», so Wolff, der aber das Team und nicht nur den Fahrer in die Verantwortung nimmt. «Das müssen wir in den Griff kriegen.» Antonelli selber findet, dass er da immer noch etwas zu wechselhaft sei, «vor allem beim schnellen Loslassen der Kupplung».
Die nächste Gelegenheit, um sofort richtig durchzustarten, bekommt WM-Leader Antonelli nun in Montreal, wo er letztes Jahr hinter Teamkollege Russell und Max Verstappen Rang 3 belegt hatte. Nun ist das italienische Wunderkind aber nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Doch die Sterne stehen trotz der zuletzt schwerfälligen Starts gut, zumal Antonelli bereits bewiesen hat, dass er nicht nur über das fahrerische Können verfügt, um auch am Ende der Saison zuoberst zu stehen, sondern dass er auch mental stark und äusserst selbstbewusst und trotz seines jungen Alters bereits sehr reif ist.