Auf die harte Art zur Medaille?
Die Parallelen zum Olympiaturnier vor vier Jahren? "Wir stehen wieder im Halbfinal", sagt Alina Pätz, die Schweizer Frau für die entscheidenden letzten Steine. Und lächelt. Damit soll es aber vorbei sein mit den Parallelen, denn die Erinnerung an das Turnier in China ist eine bitter-süsse. Einer brillanten Vorrunde mit acht Siegen aus neun Spielen folgten Niederlagen im Halbfinal (gegen Japan) und im Bronzespiel (gegen Schweden).
Da trifft es sich vielleicht gut, verliefen die Gruppenspiele etwas harziger, nicht so locker leicht wie in Peking. Unnötig zittern mussten die Schweizerinnen allerdings auch nicht, der Halbfinaleinzug stand vor dem letzten Spiel der Round Robin am Donnerstagnachmittag gegen die USA fest. "Es sind uns zwei, drei Fehlerchen unterlaufen", stellt Pätz fest. "Aber wenn alles perfekt wäre, wäre es ja fast ein bisschen langweilig. Im Grossen und Ganzen sind wir zufrieden."
Gegner ist erneut die USA, die im Zusatzend gegen die Schweizerinnen gewannen, damit das Ausscheiden verhinderten und nun dank dem Sieg in der Direktbegegnung sogar das Recht des letzten Steins haben werden. Ansonsten hätte das Team von Ski Silvana Tirinzoni gegen Kanada gespielt. Auf dem Papier sind die Amerikanerinnen der einfachere Gegner.
Dennoch betont Pätz: "Wir wollten diese Partie unbedingt noch gewinnen." Im zehnten End hatten sie noch einen Dreipunkte-Rückstand aufgeholt, ehe Tabitha Peterson in der Verlängerung einen schwierigen, aber perfekten letzten Stein spielte. "Sie haben heute sehr gut gespielt, und morgen müssen wir noch ein bisschen besser sein."
Nun ist die Ausgangslage eine andere als vor vier Jahren, das Selbstvertrauen vielleicht nicht ganz so gross. "Dafür hoffen wir, dass es diesmal anders herauskommt", meint Pätz lächelnd. Die Situation sei sowieso eine andere. Einerseits seien sie nicht mehr das gleiche Team, auf den ersten beiden Positionen sind Selina Witschonke und Carole Howald neu.
"Und dann hat auch das Niveau nochmal deutlich angezogen", stellt die 35-jährige Zürcherin fest. "Es war jedes Spiel umkämpft, das ist unglaublich." In diesem Jahr sind es sich die Schweizerinnen also gewöhnt zu kämpfen. Das kann im Halbfinal am Freitag (14.05 Uhr) ein Vorteil sein.
Eine Schweizer Olympia-Medaille wäre eigentlich überfällig. Zwei Silbermedaillen 2002 und 2006 sind bisher die überraschend magere Ausbeute bei dem Frauen. Tirinzoni und Pätz ihrerseits sind bereits vierfache Weltmeisterinnen. Wesentlich überschaubarer ist das Palmarès der Halbfinalgegnerinnen. Skip Tabitha Peterson weist bisher eine WM-Bronzemedaille von 2021 auf, eine Olympia-Medaille gewannen die USA in sieben Austragungen noch gar nie. Aber am Donnerstagabend gewannen die Amerikanerinnen im achten Anlauf erstmals ein Spiel bei Olympia gegen die Schweiz. Hoffentlich kein schlechtes Omen.