Aufgefallen: Der 14. Spieltag in der Brack Super League
Patrick Rahmen zurück in Bern? Autsch. Peter Zeidler back in St. Gallen? Ärgerlich. Und Ludovic Magnin wieder einmal im Letzigrund? Enttäuschend. Rückkehrer hatten es an diesem Wochenende also ziemlich schwer, Teams in Überzahl allerdings auch. Unser Rückblick auf das jüngste Super-League-Wochenende.
Nullnummer
0:10 Torschüsse, 0:5 Tore und als Konsequenz null Punkte für den FC Winterthur beim Gastspiel in Bern. Dabei kamen die Eulachstädter bei Patrick Rahmens Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte so richtig unter die Räder und mussten sich nach drei Gegentoren innerhalb von acht Minuten (Chris Bedia in der 21., Alvyn Sanches in der 27. und Christian Fassnacht in der 29. Minute) noch vor Ablauf der ersten halben Stunde von der Hoffnung auf einen Punktgewinn verabschieden. Bereits zuvor hatte Jaouen Hadjam (7.) den Torreigen eröffnet, den die Berner wohl noch weiter in die Höhe hätten treiben können, hätten sie in Halbzeit zwei weiterhin aufs Gaspedal gedrückt. So kam nur noch ein weiterer YB-Treffer hinzu (Christian Fassnacht, 75.), während sich der FCW im fünften Spiel unter Rahmen zum ersten Mal eine richtige Abreibung abholte. Die rote Laterne bleibt somit fix in Winti, während Gelb-Schwarz unter Gerry Seoane weiter fleissig punktet. Mit 25 Punkten grüssen die Bundesstädter neu von Rang 2.
Doppeldeutig
Mittlerweile kann man sich beim FC Luzern die Fussballer-Phrasen fast schon beliebig aussuchen – zur aktuellen Situation rund um den Klub kann man sie sich ziemlich sicher zurechtbiegen. Wie wär es also mit «der gefährlichsten Führung» (2:0) oder der «lieber einmal mit 6:0, als sechsmal mit 1:0»-Variante? Dumm einfach, dass es aktuell die Leuchten sind, die einmal richtig austeilen (gegen GC) und in den übrigen Spielen regelmässig einstecken (ein Sieg aus den letzten sieben Spielen). Entsprechend war die Reihe am Samstag an Servette Genf, um eine schon früh ziemlich verlorene Partie (0:2 nach neun Minuten) dank Toren von Timothy Cognat (57.) und Florian Ayé (72.) noch in einen Punktgewinn umzuwandeln. Immerhin: Anders als beim jüngsten Gastspiel in Zürich, ging der FCL dieses Mal nicht komplett leer aus, verspielte aber zum bereits dritten Mal seit Anfang Oktober eine Zweitore-Führung (Julian von Moos und Matteo Di Giusto hatten getroffen). Und zumindest so viel scheint glasklar: Wer nicht (mehr) gewinnt, muss sich die Top 6 wohl eher früher als später abschminken.
Mit Verspätung
Was wäre, wenn der FC Lugano die Saison nicht mit lauter Niederlagen (sieben in den ersten zehn wettbewerbsübergreifenden Spielen) begonnen hätte? Logisch, man wäre in mindestens einem der beiden K.o.-Wettbewerbe noch dabei. Immerhin: In der Meisterschaft haben die Tessiner ihre Start-Hypothek langsam abgearbeitet (22 Punkte, Rang 5). Zuletzt zeigten die Bianconeri am Samstagabend Aufsteiger Thun den Meister, gewannen ein Spiel, dass die Berner Oberländer zuweilen besser im Griff hatten, als ihre Gegner in den Wochen zuvor. Doch für einmal waren sie es, die wiederholt gute Torchancen liegen liessen (Heule, Imeri, Reichmuth, Meichtry) und sich am Ende trotz Überzahl (Rot gegen Uran Bislimi nach 74 Minuten) mit 0:1 beugen mussten. Torschütze des Tages war Claudio Cassano (85.), der auch deshalb zum Einsatz kam, weil den Luganesi mit Renato Steffen ein bewährte Offensivkraft weiterhin verletzungsbedingt fehlt. Doch den Tessinern läuft es derzeit auch ohne ihren Captain. Seit sich der Routinier im September verletzte, hat der FC Lugano in sieben Spielen nur noch einmal verloren.
(Nicht) Gewusst wie
Knapp eine Halbzeit war im Sittener Tourbillon gespielt, als sich wohl so manch einer im Tourbillon fragte: Wie hat dieser FCZ vor rund zwei Wochen bloss den FC Luzern mit 3:2 besiegen können? Neun Minuten und eine Halbzeitpause später, kannten sie die Antwort. Denn aus dem 0:2 (Torschützen Ilyas Chouaref und Rilind Nivokazi) hatten die Stadtzürcher in Windeseile ein 2:2 gemacht, wobei die FCZ-Initialzündung auch dieses Mal durch einen Elfmeter aus dem Nichts erfolgte (Steven Zuber, 45.). Vier Minuten später vollendete Philippe Keny einen gelungenen Zürcher Angriff und schon war die vermeintlich sichere Walliser Führung dahin. Die Sittener standen zwar auch im Anschluss dem Sieg eher näher, schlussendlich aber verpasste der Tabellen-6. (20 Punkte) den kleinen Befreiungsschlag am Strich, während der FC Zürich zum ersten Mal unter Dennis Hediger zweimal in Folge punkten konnte. Auf Rang 8 mit 17 Punkten bleiben die Zürcher unverändert in Tuchfühlung zu den Top 6, spüren im Hintergrund aber auch den Atem der Teams auf den Rängen 9-11 im Nacken.
Im Mittelpunkt
Sie waren die Minuten von Lausanne-Innenverteidiger Karim Sow – oder zumindest, hätten sie es werden können. Denn beim Auswärtsspiel in St. Gallen stand der 22-Jährige zwischen der 80. und 90. Minute gleich dreimal im Mittelpunkt des Geschehens – und avancierte dabei dreimal nur zum zweiten Sieger. Erst verstolperte der gebürtige Waadtländer in der 80. Minute allein vor FCSG-Keeper Zigi den Lausanner Matchball. Dann spielte Sow den Ball in der 88. Minute im eigenen Strafraum penaltywürdig mit der Hand. Und schliesslich flog er nach seiner zweiten gelben Karte in der 90. Minute noch vom Platz. So wurde die Schlussphase halt zum grossen Moment von St. Gallens Carlo Boukhalfa, der Sows Penalty-Geschenk nach 50-minütiger Unterzahl (Görtler hatte in der 40. Minute Gelb-Rot gesehen) dankend annahm und die Ostschweizer in der 89. Minute doch noch zum Sieg schoss. Mit diesem hat sich Grün-Weiss in der Tabelle als erster Verfolger Thuns (nach Verlustpunkten) positioniert, während die Lausannois (14/16) vorderhand im unteren Tabellendrittel stecken bleiben. Anstatt mit einem Sieg and den FC Sion heranzurücken, gehören die Waadtländer nach den Punktgewinnen von Servette und GC nun sogar zu den Verlierern des Spieltages.
Könnte eng werden
Vielleicht blick der FC Basel irgendwann im Frühjahr auf diesen November zurück und realisiert: In jenen Wochen haben wir die Meisterschaft 2025/2026 verspielt. Natürlich, noch bleibt viel Zeit, um die jüngsten Misstritte und Niederlagen wieder gut zu machen, nur müsste irgendwann damit beginnen, jene Spiele zu gewinnen, in denen die Vorteile in den Füssen der Bebbi liegen. Wie Anfang Monat beim 0:0 in Bern, oder wie gestern Sonntag beim 1:1 gegen GC. Dort liess man sich vom beherzten Auftritt der Zürcher 30 Minuten lang dominieren, ehe Bénie Traoré (33.) zumindest Maximillian Uhlmanns frühes Führungstor (13.) ausgleichen konnte. Mehr Zählbares gelang dem FCB allerdings nicht mehr, trotz guter Chancen durch Salah (39.), Ajeti (56.), Koindredi (79.) oder Otele (84.) und trotz zunehmender Überlegenheit mit fortlaufender Spieldauer. Am Ende mussten sich die Basler mit einem Punkt begnügen, der sie in der Tabelle auf Rang 4 abrutschen liess (14/23), anstatt den Rückstand auf Leader Thun auf sechs Punkte zu reduzieren. Zufriedener dürfte man da auf der Gegenseite gewesen sein, wo GC trotz grosser Personalsorgen zumindest mit der Konkurrenz im Tabellenkeller Schritt halten konnte. Und ein Punktgewinn gegen den (Noch?)Meister, ist für die Zürcher ohnehin kein schlechter Start in die anstehende Derby-Woche.