Aufgefallen: Der 33. Spieltag in der Brack Super League
Ein kleines Penalty-Festival zum Abschluss der Qualifikationsrunde. Ein unerwartet freier Abend, der sich mit Verzögerung doch noch zum gefühlten Sieg entwickelte. Ein weiterer Rückschlag in Bern sowie der mögliche K.o.-Schlag für Winti. Das sind die Geschichten zum letzten Super-League-Spieltag vor der Tabellentrennung.
Abstiegskrampf
Kampf und Krampf waren im Abstiegskracher zwischen Winterthur und GC angesagt, Kampf und Krampf waren es denn auch, die den 8'700 Fans auf der Winterthurer Schützenwiese am Samstagabend geboten wurden. Die fussballerischen Leckerbissen beschränkten sich quasi auf die letzte Szene des Spiels (90. + 10), in der Michi Frey mit einem Lob aus über 50 Metern für das siegsichernde 0:2 für die Gäste aus Zürich sorgte. Zuvor kamen die beiden Teams gemeinsam und bis weit in die zweite Hälfte hinein auf genau einen Torschuss, den Jonathan Asp Jensen in der 18. Minute zum enorm wichtigen 0:1 für die Hoppers im Winti-Netz versenkte. Danach stand über weite Strecken der Partie vor allem Schiedsrichter Sandro Schärer im Mittelpunkt, der in einer intensiven, aber fussballerisch schwachen Partie mehr als ein Argument für die Wichtigkeit des VAR lieferte. Am Ende holte sich der Rekordmeister (Rang 11, 27 Punkte) nach fünf Pleiten in Folge wieder einmal einen Sieg, der den FCW vermutlich teuer zu stehen kommen wird. Denn den Winterthurern verbleiben nun nur noch fünf Partien, um acht Punkte plus 26 Tore Rückstand aufzuholen und so dem direkten Abstieg doch noch zu entrinnen. Eine Hürde, die sich als zu hoch erweisen könnte.
Torlos
Drei Spiele, null Tore und drei Niederlagen. So lautet die ernüchternde Saisonbilanz des FC Zürich gegen den FC Lugano, der dem Stadtklub auch im finalen Direktduell kein Erfolgserlebnis gönnte. Im Gegenteil: Nach einer der wenigen Zürcher Torchancen in Halbzweit zwei, entwischte Renato Steffen der aufgerückten FCZ-Verteidigung im direkten Gegenzug und versenkte eine Kopfballverlängerung von Sturmkollege Georgios Koutsias in der 61. Minute souverän zum 0:1. Drei wichtige Zähler für die Bianconeri (Rang 3, 57 Punkte), die im Kampf um Europa damit mit dem Rückenwind von zwei Siegen sowie einem kleinen Punktepolster in die finalen Direktduelle der Championship Group steigen werden. Auf der anderen Seite kassierte der FCZ (Rang 10 mit 34 Punkten) seine sechste Pleite in den letzten sieben Spielen und kann mit Blick auf die verbleibenden Spiele in der Relegation Group noch nicht ganz aufatmen. Sieben Punkte Vorsprung auf Stadtrivale GC sind zwar ein schönes Polster, näher sollten die Zürcher die Hoppers jedoch nicht mehr heranrücken lassen.
No boots, no game
Aussergewöhnliche Spielabsage am Samstagabend in Thun. Aufgrund eines Kabinenbrands bei Gegner Basel am Vorabend, waren die Bebbi nicht in der Lage, ihre Auswärtspartie in der Stockhorn Arena wie geplant zu bestreiten. Der Grund: Im Feuer, nach dessen Ursache noch geforscht wird, kamen dem FCB neben zahlreichem Sport- und Medizinalequipment auch die Fussballschuhe der Spieler abhanden, ohne die an ein Spiel nun mal nicht zu denken war. Immerhin: Personen kamen auf Basler Seite keine zu Schaden und die Partie wird nun am kommenden Samstagabend nachgeholt. Ein vollgepackte Thuner Arena dürfte auch dann Tatsache sein.
Abwarten
Punkt gewonnen oder Meisterschaft verloren? Vermutlich beides aus Sicht des FC St. Gallen, der sich im «Agrarico» mit 2:2 vom FC Luzern trennte. Eigentlich zu wenig, um den kleinen Traum vom Meistertitel weiterhin aufrecht zu erhalten, aber in ein paar Wochen vielleicht entscheidend, wenn die Europacup-Plätze definitiv verteilt werden. Insbesondere, weil die Ostschweizer in der Swissporarena ohne die gesperrten Leistungsträger Görtler und Daschner antreten und zweimal (nach Luzerns Führungstreffern durch Andrei Vasovic und Lars Villiger) einen Rückstand wettmachen musste. Schliesslich verdankte Grün-Weiss den Punktgewinn Aliou Baldé, der den St. Gallern mit zwei späten Toren (73. und 87.) das Remis sicherte. Welchen Werte dieses schlussendlich haben wird, werden die kommenden Spiele zeigen. Für den Moment steigt der FCSG (32/60) mit einem Vorsprung von mindestens vier Punkten auf Basel (Rang 4) in die in zwei Wochen beginnende Championship Group.
Auf Kurs
Könnte das in dieser Saison noch was werden, mit Europa und dem FC Sion? Zumindest tun die Walliser derzeit alles dafür, um bei etwaigen Ausrutschern der Konkurrenz zur Stelle zu sein. 4:0 am Ostermontag bei GC, 3:0 gestern Sonntag gegen Lausanne und als Folge dessen Rang 5 in der Tabelle, noch immer in Schlagdistanz zum FC Lugano und Rang drei (57 Punkte). Dabei taten sich die Sittener eine Halbzeit lang schwer gegen bescheidene Lausannois, ehe Benjamin Kolollis 1:0 (57.) den Bann brach. Bis zur 75. Minute machten Ilyas Chouaref (70., Elfmeter) und Frank Surdez (74.) dann alles klar und sorgten mit ihren Treffern für eine vielversprechende Walliser Ausgangslage vor dem Start in die Championship Group. Basel und/oder Lugano dort noch zu überholen wird zwar kein Kinderspiel, zu verlieren hat die Mannschaft Didier Tholots (33/52) aber ab sofort rein gar nichts mehr.
Zu wenig
Doch, doch: Den Young Boys vorzuwerfen, sie hätten gestern Sonntag nicht Einiges unternommen, um ihr Heimspiel gegen Servette Genf zu gewinnen, wäre nicht richtig. Schliesslich waren es die Berner, die dieser Partie ihren Stempel aufdrückten und dabei auch ab und an etwas Pech bekundeten (z.B. bei Armin Gigovics Pfostenknaller nach 35 Minuten). Am Ende jedoch war es wieder einmal von zu Vielem zu wenig. Zu wenig Abgeklärtheit vor dem gegnerischen Tor, zu wenig Biss im Verteidigen des eigenen Gehäuses und vor allem zu wenig Punkte. Denn in einer Partie, welche die Berner in Anbetracht der tabellarischen Umstände einfach gewinnen mussten, taten sie genau das nicht. Vielleicht, weil sie im Sturm erneut dem noch immer torlosen Samuel Essende den Vorzug gegenüber Torschützenleader Chris Bedia (traf nach Thomas Lopes Genfer Führungstor schliesslich zum 1:1) gaben, vielleicht aber auch, weil das einfach zur YB-Saison 25/26 gehört. Einer Spielzeit, in der die Berner selten den Eindruck vermitteln, wirklich alles dafür zu tun, um am Ende erfolgreich zu sein. Als Konsequenz droht Gelb-Schwarz (Rang 6, 48 Punkte) nach dem dritten Unentschieden in Folge eine Championship-Runde, in der die europäischen Plätze bereits zum Start ausser Reichweite sein könnten. Stand jetzt gilt es nämlich auch im bestmöglichen Fall mindestens fünf Punkte auf den Tabellenvierten aus Basel (53 Punkte) aufzuholen.