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Das neue Stadion weckt Hoffnungen

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Es herrscht Aufbruchstimmung in Lugano: Nicht nur das neue Stadion sorgt für Träume, auch die Mannschaft ist nach dem komplett missglückten Saisonstart wieder vorne in der Tabelle angekommen.

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Luganos Renato Steffen jubelt nach dem gelungen Auftakt in die zweite Saisonhälfte © KEYSTONE/URS FLUEELER

Bald hat es ausgedient, das Cornaredo. 75 Jahre nach seiner Eröffnung wird der FC Lugano im Frühling letztmals im altehrwürdigen Stadion auflaufen. Danach folgt der Umzug in die AIL Arena, die im Umfeld des Klubs derzeit grosse Hoffnungen weckt. Das hochmoderne Stadion mit einer Kapazität von über 8000 Sitzplätzen soll dem Nachwuchs als Inspiration dienen und in Transferverhandlungen ein schlagkräftiges Argument sein. Vor allem aber soll es das allgemeine Interesse am Klub neu entfachen.

Die wenigen Tifosi sind ein Thema, das den Verein seit Jahren begleitet. Rund 64'000 Menschen leben in Lugano, hinter Luzern und St. Gallen ist die Stadt die neuntgrösste der Schweiz. Gleichwohl belegt der Klub in der Zuschauerstatistik, sofern nicht gerade ein Yverdon oder Lausanne-Ouchy in der Liga vertreten sind, konsequent den letzten Platz. Dies, obwohl Lugano in den letzten sieben Saisons stets unter den Top 5 klassiert war und in der laufenden Spielzeit bislang die meisten Punkte in Heimspielen gesammelt hat.

Dennoch fanden zuletzt selbst bei einem Gegner wie YB nur etwas mehr als 3500 Fans den Weg ins Stadion. Das Ziel ist, diese Zahl zu verdoppeln. Mit dieser Vision im Kopf hat Klubeigentümer Joe Mansueto grosszügig investiert. Über 100 Anpassungen schlug der Klub vor, um das Stadion noch moderner und eindrücklicher zu gestalten. Der amerikanische Unternehmer unterstützte das Projekt mit knapp 20 Millionen Franken aus eigener Tasche. Dabei gehört das Stadion nicht dem Milliardär, sondern der Stadt. Der Klub wird sich lediglich einmieten.

"Ich kann es kaum erwarten", sagte CEO Martin Blaser kürzlich gegenüber dem Corriere del Ticino. "Für den Klub wird es eine radikale Veränderung sein." Lugano will sich langfristig als Spitzenteam in der Schweiz etablieren. Und es ist kein Geheimnis, dass man im Klub auch davon träumt, den ersten Meistertitel seit 1949 zu gewinnen. Die finanziellen Mittel und ein schlagkräftiges Kader sind vorhanden. Das neue Stadion soll eine Euphorie entfachen, die die Spieler bis zum Schluss trägt.

Doch was - abgesehen von der oft trostlosen Fankulisse - spricht eigentlich dagegen, bereits in dieser Saison den Meistertitel ins Visier zu nehmen? Die Young Boys und Basel, die Dominatoren der letzten Jahrzehnte, tun sich aktuell beide schwer. Auf Überraschungsleader Thun fehlen dem drittplatzierten Lugano derzeit sieben Punkte. Während die Berner Oberländer jedoch nun auf YB, Basel und Servette treffen, stehen den Tessinern zwei Partien gegen Winterthur sowie dazwischen ein Gastspiel bei den Grasshoppers bevor.

Diesen vermeintlich einfacheren Aufgaben nimmt sich Lugano mit dem Selbstvertrauen aus einer Serie von sechs ungeschlagenen Partien und zuletzt vier Siegen in Folge an. Zum Start in die zweite Saisonhälfte gelang ein 5:2-Erfolg in Luzern. "Es ist ein guter Trend, so müssen wir weitermachen", hielt Trainer Mattia Croci-Torti fest. Mit Angriffsparolen in Richtung Thun und St. Gallen halten sich Trainer, Spieler und Klubverantwortliche jedoch zurück. Offiziell gilt als Zielsetzung weiterhin ein Platz unter den Top 6 und damit das Erreichen der Meisterrunde.

Möglich, dass den Tessinern der Fehlstart in die Saison noch immer in den Knochen steckt. Im Frühherbst scheiterte Lugano in der Europacup-Qualifikation an Cluj und Celje, ehe das peinliche Cup-Aus gegen Cham aus der Promotion League folgte. In der Meisterschaft fand sich das Team nach sechs Runden im zweitletzten Rang wieder. Es hätte kaum überrascht, wenn der Klub die Reissleine gezogen und Croci-Torti nach vier Jahren als Cheftrainer freigestellt hätte. Doch die Verantwortlichen hielten am 43-Jährigen fest und vertrauten darauf, dass er den Zugang zu den Leistungsträgern wiederfinden würde. Und das gelang. Es schien, als hätten einige erst mit der Schliessung des Sommer-Transferfensters den Kopf wieder richtig bei der Sache gehabt.

Seither zeigt die Entwicklung nach oben, wenn auch nicht ohne Ausreisser nach unten. Das aggressive Umschubsen von Kevin Behrens gegen Mitspieler Georgios Koutsias in einem Testspiel sorgte international für Schlagzeilen. Behrens, der in seiner Karriere bereits negativ aufgefallen war, wurde mit einer Busse und einem Interviewverbot belegt, stand aber gegen Luzern wieder auf dem Platz und erzielte prompt zwei Tore. "Jetzt hoffe ich, dass die grossartige Leistung ihm und uns allen hilft, die Angelegenheit hinter uns zu lassen", sagte Croci-Torti.

Koutsias hingegen fehlte, offiziell auf eigenen Wunsch, ein Wechsel steht im Raum. Angesichts der Eskalation wäre dieser wenig überraschend, auch wenn sich Behrens öffentlich entschuldigt hat. Es ist ein unnötiger Nebenschauplatz in einer Saison, in der in dieser Liga vieles möglich scheint. Gelingt es Lugano, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, könnte das Abschiedsfest im Cornaredo grösser ausfallen, als ursprünglich gedacht.

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