skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Fussball

Der FC Thun auf den Spuren der Sensationsmeister

Andy

Nach einem Drittel der Meisterschaft liegt der Aufsteiger FC Thun in der Super League souverän an der Tabellenspitze. Befinden sich die Berner Oberländer gar auf dem Weg zu einer grossen Sensation – so, wie es andere Klubs in der Vergangenheit vorgemacht haben?

686128330_highres
Thuner Jubel – es ist aktuell ein gewohntes Bild. © KEYSTONE/Martial Trezzini

13 Spiele, 31 Punkte, Position 1, vor den beiden Giganten FCB und YB, die jeweils neun Punkte im Hintertreffen liegen. Trainer Mauro Lustrinelli und der FC Thun glänzen. Seit der Ligareform 2003/04 war kein anderer Aufsteiger zu diesem Zeitpunkt so erfolgreich, am besten war bislang der FC St. Gallen in der Saison 2012/13 mit 28 Punkten gewesen. Zudem ist der FCT in der Super League-Geschichte erst das achte Team, das nach 13 spielen 31 Punkte oder mehr gewonnen hat – beeindruckend! Und von den bisherigen sieben Teams stemmten sechs in der jeweiligen Saison auch die Meistertrophäe in die Höhe; zuletzt waren dies die Young Boys in der Saison 2018/19. Das einzige Team, das sich noch verdribbelte, waren übrigens die Grasshoppers, welche 2012/13 nach 13 Runden 32 Punkte auf dem Konto hatten und sich am Ende hinter dem FCB mit Platz 2 begnügen mussten.

Auch bei den Buchmachern ist der FC Thun mittlerweile der erste Anwärter auf den Meistertitel. Es wäre eine grosse Sensation. Aber solche Überraschungen gibt es immer wieder, wie ein Blick nach Fussball-Europa zeigt.

Ein Märchen in Schweden

Das aktuellste Meister-Märchen wurde in Schweden geschrieben, wo der Mjällby AIF aus einem 1379-Seelen-Dorf mit 20 Siegen in 27 Spielen die Allsvenskan dominierte und den Titel 2025 gewann. Vor neun Jahren rettete sich Mjällby erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg in die vierte Liga und vor der Insolvenz. Der folgende Neuaufbau verlief dann auch ohne die finanziellen Mittel eines Investors oder Mäzen erfolgreich und gipfelte im Meistertitel, den das Team mit einem Vorsprung von 13 Punkten auf Hammarby gewann. Das Erfolgsrezept liegt im Zusammenhalt im Team, viele Spieler leben gemeinsam in einer Art Studentenwohnheim.

In der Schweiz ereignete sich die letzte grosse Sensation in der Saison 1999/2000. Der FC St. Gallen ging als Abstiegskandidat in die Saison, glänzte mit einer sensationellen Hinrunde und überwinterte als Leader, acht Punkte vor dem FC Basel. Beim Rückrundenstart erfolgte die Initialzündung auf dem Weg zum Titel. Aus einem 0:3-Rückstand macht das Team von Trainer Marcel Koller dank Toren von Charles Amoah (2), Ionel Gane und Jairo noch ein 4:4. Es war für die Ostschweizer nach 1904 der zweite und bislang letzte Meistertitel in der Klubgeschichte.

266753591_highres
1993 gelang dem FC Aarau das Meisterstück.

Unbekümmerter Aarauer Gipfelsturm

Eine dicke Überraschung war auch der Titelgewinn des FC Aarau in der Saison 1992/93. In der Saison zuvor waren die Aarauer fast abgestiegen, nun griffen sie unter Trainer Rolf Fringer nach den Sternen und stürmten unbekümmert auf den nationalen Gipfel. Es war nach 1912 und 1914 der dritte und ebenfalls bis heute letzte Meistertitel des FCA, der damals auf Schlüsselfiguren wie Goalie Andreas Hilfiker, Torminator Petar Aleksandrov oder auch Roberto Di Matteo und Ryszard Komornicki zählte.

In der Vergangenheit dominierten in Frankreich im Meisterrennen meistens entweder Paris Saint-Germain oder Olympique Lyon, sie teilten 18 der 26 Meistertrophäen in diesem Jahrtausend untereinander auf. Doch die grösste Überraschung ereignete sich in der Saison 2011/12. Montpellier, der Klub von der Mittelmeerküste, belegte damals im Budgetranking nur Rang 13, stand in der «richtigen» Tabelle aber am Ende ganz oben. Stars wurden nicht gekauft, sondern gemacht, wie im Beispiel von Olivier Giroud, der in jener Saison in 36 Spielen 21 Tore und 12 Assists erzielte und der Meisterschütze schlechthin war.

In England wurde das letzte Fussball-Märchen in der Saison 2015/16 geschrieben, als Leicester City in der Premier League mit einem Vorsprung von zehn Punkten auf Arsenal triumphierte. Die vom Italiener Claudio Ranieri gecoachten «Foxes» stürmten förmlich zum Titel, standen nach 36 Runden als Champion fest. Im Team standen damals Grössen wie Goalie Kasper Schmeichel, Mittelstürmer Jamie Vardy (24 Saisontore!), Riyad Mahrez oder auch N’Golo Kanté.

imago9480580
Ein meisterliches Duo: Ciriaco Sforza und Otto Rehhagel.

Erst Sforza, dann Benaglio…

Bei den letzten Sensationsmeistern in Deutschland waren auch Schweizer involviert. In der Saison 2008/09 triumphierte der VfL Wolfsburg. Vorne glänzten im Team von «Quälix» Felix Magath Grafite (28 Tore), Edin Dzeko (26 Treffer) und Zvjezdan Misimovic (7 Tore/20 Assists), im Tor war Diego Benaglio der sichere Rückhalt und Marwin Hitz sein Backup. In der Saison 1997/98 eroberte mit dem 1. FC Kaiserslautern erstmals überhaupt in Deutschland ein Aufsteiger den Titel. Die Roten Teufel übernahmen nach dem vierten Spieltag die Tabellenführung – und gaben sie nicht mehr her. Im Mittelfeld lenkten Ciriaco Sforza und der damals 20 Jahre junge Michael Ballack die Fäden, vorne waren Ratinho und Olaf Marschall die grossen Figuren. Otto Rehhagel formte sein Team zu einer verschworenen, meisterlichen Einheit und schwärmte danach: «So etwas wird es nie wieder geben!» Damit lag er richtig – bis heute wurde in Deutschland kein Aufsteiger mehr Meister.

Die nächsten Wochen werden nun zeigen, ob dem Aufsteiger FC Thun auch in der Schweiz ein meisterlicher Coup gelingt.

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss