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Der FC Zürich geht den alten Weg mit neuem Aushängeschild

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Der FC Zürich hat noch im alten Jahr das Kapitel Malenovic geschlossen. Mit dem zum Cheftrainer beförderten Dennis Hediger beginnt am Sonntag in Genf eine neue Ära und bestenfalls eine Aufholjagd.

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Vom Interims- zum Cheftrainer: Mit Dennis Hediger beginnt der FCZ am Sonntag bei Servette eine neue Ära © KEYSTONE/ANDREAS BECKER

Die Winterpause war in diesem Jahr für die Klubs der Super League nicht viel mehr als eine kleine Auszeit während der Festtage. Bereits am 3. Januar stand der FC Zürich im Heerenschürli wieder auf dem Trainingsplatz, genau zwei Wochen nach dem 2:4 in Thun zum Abschluss der Hinrunde. Und trotzdem markiert das neue Jahr für den FCZ einen Neubeginn. Nicht umsonst sagte Dennis Hediger zum Trainingsstart mit seinen Spielern vor dem "Home of FCZ": "Wir haben viel darüber geredet, wie wir den Weg gehen wollen."

Die Vereinsbosse Ancillo und Heliane Canepa nutzten die Tage vor Weihnachten, um Klarheiten zu schaffen nach Monaten, in denen der FCZ allzu oft auf und abseits des Feldes wenig souverän gewirkt hatte. Sportchef Milos Malenovic wurde am gleichen Tag abgesetzt, an welchem Dennis Hediger vom Interims- zum Cheftrainer befördert wurde. Eine rein zufällige zeitliche Übereinstimmung, die aber deutlich zeigt, wohin der Weg des FC Zürich personell führen soll: weg vom autoritären und etwas eigenbrötlerischen Malenovic, hin zum kommunikativen Teamplayer Hediger.

Beim FC Zürich ändert sich die Form, nicht der Inhalt. An der Vision, die die Canepas für ihren Klub haben und die Malenovic begonnen hat umzusetzen, wird nicht gerüttelt. Die FCZ Academy soll die erste Mannschaft zuverlässig mit Spielern versorgen. Das sei unter Malenovic gut gelungen, hielten die Canepas bei einer Talkrunde auf "blue Sport" fest. Bloss: Der Imageschaden, für den der frühere Spieleragent mit gewissen Aktionen und Aussagen gesorgt hatte, war für den Klub nicht mehr haltbar. Sponsoren und Fans beklagten sich.

"Unsere Werte wurden angezweifelt", bedauerte Canepa, der seit gut zwei Jahren verstärkt daran arbeitet, seinen Klub für die Zukunft und damit auch für eine Zeit ohne ihn an vorderster Front auszurichten: "Dafür brauchen wir Ruhe." Wer als Sportchef in die Fussstapfen von Malenovic treten wird, ist noch offen. Ad interim übernahm Ancillo Canepa den Lead beim vakanten Posten und die damit verbundenen Aufgaben, wie etwa die Auflösung des Vertrags von Steven Zuber und den Transfer von Mariano Gomez.

Es sind gewichtige Abgänge, die Hediger zu Beginn dieses Jahres hinnehmen musste. Zuber und Gomez waren zwei von jenen Spielern, denen der neue Coach so viel Bedeutung zumass, weil sie mit ihrer Erfahrung den Jungen Halt und Sicherheit gaben. Auch wenn Hediger sagt, sein erster Blick bei Bedarf an Spielern gehe immer Richtung eigene Akademie, so ist speziell der Abgang von Zuber mit einem Nachwuchsspieler nicht zu kompensieren. Als Siebter mit beträchtlichem Rückstand auf die Europacup-Plätze kann sich der FCZ mit dem Beginn seiner Aufholjagd nicht viel Zeit lassen. Ziel ist es immer noch, Ende Saison ins internationale Geschäft zu kommen.

Mit dem Europacup steht und fällt in finanzieller Hinsicht alles beim FC Zürich, könnte man etwas überspitzt sagen. Ohne die Prämien der UEFA lässt sich das strukturelle Defizit nicht decken. Die Canepas schossen in den letzten beiden Geschäftsjahren ohne Europacup über 15 Millionen Franken in den Klub ein. Es fehlte dem FCZ in den nun fast 20 Jahren unter Präsident Canepa trotz zweier Meistertitel und dreier Cupsiege die Nachhaltigkeit, die es in Basel und Bern ermöglichte, über den Europacup die Vereinskasse regelmässig zu füllen.

Für den sportlichen Neuanfang nach dem Fiasko unter Mitchell van der Gaag wählte man beim FC Zürich eine Mischung aus Risiko und Sicherheit. Risiko, weil der 39-jährige Dennis Hediger erstmals auf höchstem Niveau als Chefcoach im Einsatz ist, Sicherheit, weil die Zürcher Führung anders als beim Anfang Saison rasch entlassenen Niederländer Van der Gaag den Trainer bestens kennt. Seit zwei Jahren ist Hediger als Nachwuchs-, Assistenz- und Interimscoach im FCZ tätig. Gekommen war er vor zwei Jahren vom FC Basel dank Milos Malenovic.

In Gesprächen mit Ancillo und Heliane Canepa sowie dem designierten Verwaltungsrat Claudio Cisullo konnte sich Hediger vor seiner Beförderung nochmals erfolgreich empfehlen. Er setzte sich gegen andere Bewerber durch, die im Dezember angehört worden waren. "Es kommt nicht so oft vor, dass ein Verein einem jungen Schweizer Trainer die Chance gibt, mit einer ebenfalls jungen Mannschaft zu arbeiten", sagt Hediger erfreut.

Für den bis 2027 unter Vertrag stehenden Berner sprachen mehr die Fortschritte des Teams und seine Ausstrahlung als die nackten Resultate. Sein Punkteschnitt von etwas mehr als einem Zähler pro Spiel, seit er Ende Oktober das Traineramt zunächst interimsmässig übernommen hat, sind keine beeindruckende Referenz. Aber seine Energie konnte überzeugen. Hediger scheint der Richtige zu sein, um eine junge Mannschaft anzutreiben.

Der beim Trainingsstart mit den Spielern angesprochene Weg stützt sich denn auch weniger auf Taktisches als auf mentale Aspekte. "Maximal fokussiert, hohe Intensität, grosse Entschlossenheit", sind Schlagwörter, die fallen und am Ursprung der ersehnten Punkte und Ruhe stehen sollen.

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