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Der FCZ und GC schon wieder im Tief - warum eigentlich?

Patrick

Zwei Klubs, fünf Buchstaben und insgesamt 69 nationale Titel: Der Stadtzürcher Fussball, und mit ihm die beiden Aushängeschilder GC und FC Zürich, ist mit Recht Stolz auf seine ruhmreiche Geschichte. In jüngerer Vergangenheit häufen sich jedoch die Negativmeldungen auf beiden Seiten der Geleise – warum eigentlich? Wir liefern vier mögliche Gründe.

Keystone_Ennio Leanza - jeder für sich und doch irgendwie gemeinsam für bessere Zeite
Jeder für sich und irgendwie doch gemeinsam: GC (in blau-weiss) und der FCZ kämpfen um bessere Zeiten © Keystone / Ennio Leanza

Das Stadion

Mehreinnahmen in der Höhe von 5 Mio. CHF pro Klub und pro Saison. Dieser Betrag stünde dem FC Zürich und GC zusätzlich zur Verfügung – hätten die beiden Stadtklubs endlich ihr eigenes, reines Fussballstadion. Der Letzigrund mag eine architektonisch gelungene und moderne Sportarena sein, den Bedürfnissen des modernen Fussballs und eines Grossteils seiner Anhänger:innen wird er jedoch nicht gerecht. Nicht atmosphärisch, aufgrund seiner Dimensionen und der zu grossen Distanz zum Spielgeschehen. Und nicht finanziell, aufgrund der fehlenden Hospitality- und Cateringrechte, welche bei der Stadt, bzw. deren Dienstleister ZFV, liegen. Summa summarum kommt so insgesamt eine Gleichung zusammen, die einer nachhaltigen sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung nicht zuträglich ist, sowohl im Fall des FC Zürich, als auch bei den zuvor während Jahrzehnten im Hardturm beheimateten Hoppers. Im besten Fall ist der Letzi Mittel zum Zweck, oder halt auch einmal ein Klotz am Bein, wenn die beiden Klubs aufgrund eines Anlasses in ihrer „Mietheimat“ wieder einmal für ein Spiel umdislozieren müssen.

 

Die fehlende Abstützung

Zürich ist der Wirtschaftshub unseres Landes – und doch hängen die beiden Klubs am Tropf einiger Weniger: den Canepas beim FCZ und dem Los Angeles Football Club auf Seiten der seit Jahren darbenden Grasshoppers. Eine spezielle Konstellation, insbesondere im Vergleich zur sportlich erfolgreicheren und regional stark verankerten Konkurrenz in Basel, Bern oder St. Gallen.  Aber warum ist ähnliches nicht auch in Zürich möglich? Nun, zum einen sicherlich aufgrund der Tatsache, dass an den genannten Orten in den letzten fünf bis zehn Jahren deutlich besser gearbeitet wurde, als auf dem GC-Campus in Niederhasli oder im „Home of FCZ“ im Heerenschürli. Zum anderen spielt jedoch auch die im Vergleich deutlich heterogenere Sport- und Bevölkerungsstruktur in der grössten Schweizer Stadt eine wichtige Rolle. Denn wo Fussball andernorts unbestrittener König ist, buhlen in Zürich zwei in ihrer Identität unterschiedliche Fussballklubs sowie mindestens zwei professionelle Eishockeyorganisationen um die Gunst eines Publikums, dass sich mehr als in anderen Städten aus allen Teilen der Schweiz und sogar der Welt zusammensetzt. Der FC Zürich und GC sind da nicht zwangsläufig die Klubs der Herzen, sondern nicht selten einfach die nächstbeste, lokale Alternative. Das macht es nicht einfach, eine starke lokale Verankerung aufzubauen, welche die Gruppe der „normalen“ Fans durchdringt und bis in die Kreise wirtschaftlich potenter Partner vordringt. Umso mehr, wenn der nicht unbedingt innig verliebte potentielle Fan und Sponsor dann auch nicht von einem erstklassigen Stadionerlebnis angelockt wird.

 

Keystone_Den Präsidenten neben die Fans gegen sich_FCZ-Sportchef Malenovic wieder in Kritik
Den Präsidenten neben, die Fans gegen sich: FCZ-Sportchef Milos Malenovic (r.) steht aktuell wieder einmal in der Kritik (Keystone / Christian Merz)

Dünn besetzt in der Medienstadt

Zürich ist aber nicht nur die Stadt der Schweizer Wirtschaft – sondern auch die der Medien. Gleich vier führende Medienhäuser (NZZ, Ringier, TA Media und mit Abstrichen CH Media) haben ihren Sitz in der Stadt und ein entsprechend hohes Interesse daran, ihren Leser:innen regelmässig spannende Inhalte zu zwei der bekanntesten Fussballmarken des Landes zu überliefern. Das macht es natürlich schwieriger, sportliche Misserfolge, Fehleinschätzung auf Managementseite oder sonstige Vorkommnisse intern in Ruhe aufzuarbeiten, insbesondere, wenn man dafür personell eigentlich gar nicht aufgestellt ist. Wie in den meisten anderen SL-Standorten sind die Mittel im administrativen Bereich auch in Zürich begrenzt, allerdings bei gleichzeitig disproportional erhöhtem Medieninteresse. Das kostet kurzfristig zwar keine Punkte, sicher aber Ressourcen und Energie, welche stattdessen in die mittel- bis langfristige Entwicklung der beiden Klubs gesteckt werden könnte. Ein Versäumnis, dass sich indirekt irgendwann auch in der Attraktivität und sportlichen Leistungsfähigkeit der Klubs bemerkbar macht.

 

Erwartungshaltung, Unruhe und Aktionismus

Hohe Erwartungen sind im Sport eigentlich etwas Gutes. Sie zeugen von Potential, von einer erfolgreichen Geschichte und von der Möglichkeit, im hier und jetzt etwas erreichen zu können. Und klar ist, dass genau das auch der Anspruch der beiden Stadtzürcher Fussballklubs ist. Mal etwas forscher vorgetragen („Der FCZ ist ein Spitzenklub“), mal etwas ausweichender („Das GC von heute ist nicht mehr das GC von früher“). Fakt aber ist: Kaum ein Schweizer Klubumfeld definiert sich so sehr über seine (alten) Erfolge, wie dass, des Grasshopper Club Zürich und auch beim FCZ ist ganz schnell Feuer im Dach, wenn er – wie derzeit – den sportlichen Ansprüchen („Europa“) hinterher hinkt. Dann wird es unruhig im Umfeld, Veränderungen werden gefordert und es werden Kräfte und Strömungen spürbar, die die Verantwortlichen schon einmal die Worte von gestern vergessen lassen. So geschehen vergangene Woche, als der FCZ den erst im Sommer verpflichteten (und hoch gelobten) Mitchell van der Gaag bereits wieder entliess, mit dem Effekt, dass der Klub nach der Pleite gegen YB und vor dem Klassiker in Basel sportlich nun noch mehr unter Zugzwang steht. Und auch auf der andere Seite der Geleise könnte sich die ohnehin suboptimale sportliche Situation (Rang 11 mit 9 Punkten) angesichts des sehr dünn besetzten Kaders schon bald weiter verschärfen. Ob die Klubführung dem vor der Saison propagandierten Weg mit dem neuen Führungsduo Sutter / Scheiblehner und vielen talentierten, aber sehr jungen Spielern auch bei zunehmendem Gegenwind treu bleiben wird?  Alles andere wäre nach dem x-ten Neuanfang unglaubwürdig.   

 

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