"Die Gegner helfen mir, immer besser zu werden"
Unschlagbar! Tadej Pogacar gewinnt auch die Flandern Rundfahrt und bleibt im Rennen um den Sieg an allen Radsport-Monumenten im gleichen Jahr. Unmöglich? "Nein, aber schwierig", sagt der Slowene.
Die Zielankunft am Ostersonntag in Oudenaarde war speziell. Die "Fantastischen Vier" (Pogacar, Van der Poel, Evenepoel und Van Aert) erreichten in kurzen Abständen alle solo das Ziel - und zollten dem überragenden Sieger Respekt.
Pogacar hat es wieder getan. Der zweimalige Weltmeister sorgte dafür, dass das Rennen in den letzten zwei Stunden so hart wie nur irgendwie möglich wurde. Und so schüttelte er Konkurrent um Konkurrent ab - und bleibt unbesiegt: Drei Rennen, drei Siege (vorher Strade Bianche und Mailand-Sanremo). "Ich fahre nicht oft. Daher ist der Druck gross, zu gewinnen, wenn ich starte. Bis jetzt läuft alles perfekt."
Nach Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt im letzten Jahr feierte Pogacar den vierten Sieg hintereinander an einem "Monument" (mit Mailand-Sanremo und Flandern Rundfahrt) - eine beispiellose Leistung.
Wer vier gewinnt, kann auch fünf schaffen. Und das nächste Monument, Paris-Roubaix am nächsten Sonntag, ist in Pogacars To-Do-List längst rot markiert. Das Rennen nach Roubaix ist der einzige grosse Klassiker, der Pogacar im Palmarès noch fehlt.
Aber die Radsportwelt sprich mit Bezug auf Pogacar nicht nur vom nächsten Klassiker. Pogacar fährt derart überlegen und wirkt derart unschlagbar, dass auch der Sieg bei allen fünf Klassikern der Saison möglich erscheint. Pogacar: "Alle fünf in einem Jahr? Darüber möchte ich im Moment nicht viel nachdenken.Ich habe erst zwei von fünf geschafft. Wir sollten nichts überstürzen. Ein Radrennen zu gewinnen, egal welches, ist ohnehin schon schwer. Da muss wirklich alles zusammenpassen. Vorerst ist Roubaix die grösste Herausforderung für mich. Aber ich werde es versuchen.“
Verspürt Pogacar Druck - weil er Paris-Roubaix noch nie gewann und weil alle von ihm nur noch Siege erwarten? "Die Motivation ist gross. Der Druck hingegen ist gering - genau wie in den Reifen", scherzte Pogacar an der Pressekonferenz mit Bezug auf die Rennen auf Pflastersteinen.
Was macht Pogacars Dominanz mit der Konkurrenz? In Sanremo sollen die Sprinter im Peloton Pogacars Sieg bejubelt haben, weil sie hoffen, dass der 27-jährige Slowene künftig an der "Primavera" nicht mehr starten will und so vielleicht wieder einmal ein Sprinter ein Monument gewinnen kann. "Ich weiss nicht, was die Konkurrenz denkt", sagt Pogacar. "Ich weiss aber, dass meine Rivalen mir helfen. Sie motivieren mich und stacheln mich an, immer besser zu werden. Aber es wird der Moment kommen, in dem sich Rückschritte einstellen." Und überhaupt: "Ich trug diese Saison erst drei Startnummern, während es schon weiss-nicht-wie-viele-Rennen gab."
In Oudenaarde zollten die Konkurrenten Pogacar den grösstmöglichen Respekt. "Ich hätte mir ein besseres Ergebnis erhofft, aber mehr war nicht möglich", sagte Wout van Aert, der als Vierter ins Ziel kam. Und Remco Evenepoel, der andere Belgier mit Hoffnungen auf den Sieg im Heimrennen, das er erstmals bestritt, freute sich über Platz 3 wie über einen Sieg, denn "ich stehe auf dem Podest mit den Allerbesten, ein schöneres Podest kann ich mir gar nicht vorstellen".
Einzig Mathieu van der Poel, der Niederländer, der Zweiter wurde und von Pogacar als letzter abgehängt wurde, hatte das Gefühl, dass womöglich mehr möglich gewesen wäre. "Denn es hat nicht viel gefehlt, um beim letzten Aufstieg bei Tadej (Pogacar) zu bleiben. Wenn ich das geschafft hätte, wäre ich im Finish womöglich zu meiner Chance gekommen. Aber er hat einmal mehr gezeigt, dass er einfach zu stark war."