Serena W. und andere prominente Rückkehrer
Heute am frühen Abend blicken die Tennisfans gebannt nach Wimbledon: Serena Williams gibt im Alter von 44 Jahren auf der grossen Bühne ihr Comeback. Damit reiht sie sich ebenso in die Liste einiger berühmter Sportlerinnen und Sportler ein, die sich im Rampenlicht zurückmeldeten.
Beweisen muss Serena Williams schon lange niemandem mehr etwas. In ihrer langen und erfolgreichen Karriere hat sie 23 Grand-Slam-Titel gewonnen. Einzig die australische Rekordhalterin Margaret Court hat einen mehr. Ob Williams mit ihr gleichziehen kann, ist natürlich fraglich. Doch einen Versuch ist es allemal wert. Williams startet heute in Wimbledon zum 22. Mal ins Hauptfeld des Rasenmekkas. Sieben Mal hat sie das Turnier auf dem Heiligen Rasen bereits gewonnen, letztmals 2016. Und nun also das Comeback mit bald 45 Jahren und als zweifache Mutter, nachdem sie vor ein paar Monaten solche Gerüchte via X noch heftig dementiert hatte. «Oh mein Gott, Leute, ich komme NICHT zurück. Dieses Lauffeuer ist verrückt», teilte sie mit.
Nun spielt sie heute in Wimbledon gegen die Australierin Maya Joint, die aktuelle Weltnummer 87. Als Joint im April 2006 geboren wurde, hatte Williams bereits sieben Grand-Slam-Titel in ihrem Palmarès. Die grosse Frage ist nun, wozu die Amerikanerin fähig ist. Ob das Comeback sportliche Relevanz hat oder nur ein PR-Gag ist. Wobei dahinter kaum ein finanzieller Antrieb stecken dürfte, schliesslich hat sie in ihrer Karriere rund 95 Millionen Dollar Preisgeld eingespielt.
«Ich glaube nicht, dass Wimbledon jeden Tag einer Spielerin eine Wildcard freihält», sagte Williams zuletzt über die Wildcard und ihre Teilnahme. «Mir fallen vielleicht nur eine Handvoll Menschen ein, denen das passiert ist. Ich gehöre zufällig zu diesen Personen. Deshalb dachte ich, ich sollte diese Gelegenheit unbedingt nutzen. Wer weiss, ob ich jemals wieder hier spielen werde? Das könnte meine letzte Chance sein.» Viele Menschen würden davon träumen, Spitzensportler zu sein. Sie habe diese grossartige Möglichkeit, zu zeigen, was sie könne – was sie am besten mache. «Am Ende dachte ich einfach: Das ist etwas ganz Besonderes. Also sollte ich diese Chance ergreifen.»
Serena Williams ist damit der nächste Sport-Superstar, der ein Comeback gibt, nachdem in der Vergangenheit schon viele sensationelle Geschichten geschrieben wurden. Der legendäre Boxer Muhammad Ali kehrte gleich zweimal zurück. Mitte der 1960er Jahre musste er seine Karriere unterbrechen, weil er den Militärdienst verweigerte und ihm Pass und Box-Lizenz weggenommen wurden und er den WM-Titel abgeben musste. Nach drei Jahren kehrte er zurück in den Ring, nach einer Niederlage gegen Joe Frazier folgten mit dem «Rumble in the Jungle» 1974 gegen George Foreman und dem «Thrilla in Manila» 1975 gegen Joe Frazier seine legendärsten Kämpfe – und er wurde erneut Champion. 1978 holte er sich zum letzten Mal den WM-Titel zurück und trat im Alter von 36 Jahren zurück. Zwei Jahre später versuchte sich Ali an einem abermaligen Comeback, nach Niederlagen gegen Larry Holmes und Trevor Berbick beendete er 1981 seine Karriere endgültig.
Das schwedische Tennis-Ass Björn Borg hatte fünfmal Wimbledon gewonnen und sechsmal an den French Open triumphiert und war erst 26 Jahre alt, als er zu Beginn der 1980er Jahre vom Spitzensport zurücktrat. In den folgenden zehn Jahren unternahm Borg mehrere Comeback-Versuche – ohne Erfolg. Auch die Schweizer Tennis-Cracks Martina Hingis und Roger Federer kehrten einst auf die grosse Bühne zurück. Martina Hingis hatte bereits 40 Einzeltitel gewonnen und insgesamt vier Jahre die Weltrangliste angeführt, als sie 2003 im Alter von 22 Jahren auch wegen gesundheitlicher Probleme zurücktrat. 2006 kehrte sie zurück, gewann nochmals drei Titel, hatte aber Mühe, im mittlerweile von Power-Tennis dominierten Sport zu bestehen. 2007 folgte der erneute Rücktritt, aufgrund eines positiven Kokain-Tests. Nach sechs Jahren ohne Spitzensport kehrte Hingis erneut auf die Tour zurück, spielte Mixed und Doppel und gewann neun weitere Grand-Slam-Titel und Olympia-Silber, ehe sie 2017 endgültig zurücktrat.
Etwas anders war es bei Roger Federer: 2016 musste er nach einer Knie-OP, Virusinfektionen und Rückenproblemen die Saison kurz vor den Olympischen Spielen vorzeitig abbrechen. Das Ende seiner grossartigen Karriere schien mit 35 Jahren gekommen zu sein, schliesslich lag sein letzter grosser Grand-Slam-Triumph schon fünf Jahre zurück. Doch der Maestro zeigte es allen, kehrte nach einem halben Jahr Pause bei den Australian Open zurück und bezwang Rafael Nadal in einem epischen Fünfsatz-Final, bevor er im selben Jahr auch Wimbledon gewann und 2018 seinen Titel in Melbourne erfolgreich verteidigte.
Die Liste liesse sich schon fast beliebig lange verlängern, mit Top-Stars wie Michael Jordan, Lance Armstrong, Tiger Woods, Niki Lauda, Michael Phelps, Hermann Maier oder auch Marcel Hirscher, die mehr oder weniger erfolgreich ins sportliche Rampenlicht zurückkehrten. Und natürlich mit Lindsey Vonn, die im vergangenen Winter nach ihrer sensationellen Rückkehr im Ski-Weltcup wieder Siege gefeiert hatte, ehe sie an den Olympischen Spielen in der Abfahrt spektakulär abflog und sich schwer verletzte. Man dachte, das sei es nun endgültig gewesen mit der Karriere der waghalsigen Amerikanerin. Doch mittlerweile hat die 41-Jährige die Krücken weggelegt, trainiert wieder im Fitnesscenter und so ist wohl auch das Undenkbare denkbar: ein weiteres Comeback im Ski-Zirkus.