Die Schweiz als "l'équipe à battre"
Im Weltcup kam das Team des "ewigen" Cheftrainers Tom Stauffer - der Berner ist seit April 2014 und damit so lange wie keiner vor ihm (auch nicht Karl Frehsner) auf diesem Posten -, in diesem Winter auf fast einen Podestplatz pro Rennen. Die 25 Schweizer Top-3-Rangierungen (in 28 Rennen) verteilen sich auf fünf Fahrer: Marco Odermatt (12), Franjo von Allmen (6), Loïc Meillard (5), Alexis Monney (1) und Luca Aerni (1).
Damit ist die Ausgangslage ähnlich wie in der vergangenen Saison vor den Titelkämpfen in Saalbach. Stauffers Fahrer reisten damals mit 26 Weltcup-Podestplätzen nach Österreich - und gewannen total gleich zehn WM-Medaillen.
Angeführt wird das elfköpfige Olympia-Team von Überflieger Odermatt, der an seinen letzten drei Grossanlässen immer mindestens eine Goldmedaille mit nach Hause nahm. Im Weltcup kam der 28-jährige Nidwaldner in dieser Saison bei 19 Starts auf acht Siege und vier weitere Podestplätze; nie war er schlechter als im 6. Rang klassiert (bei einem Ausfall).
Den fünften Gesamtweltcup-Triumph in Serie hat Odermatt schon (fast) gesichert. Auch die Disziplinen-Wertung in der Abfahrt, im Super-G und Riesenslalom führt er jeweils überlegen an. "Es war ein brutaler Januar für mich. Aber nach Kitzbühel, als die ganze Spannung weg war, war es gut für mich, noch Schladming und Crans-Montana zu fahren. Die Energie und Spannung ist zurück. Ich fühle mich bereit für Olympia", sagt Odermatt mit Blick auf seine zweiten Winterspiele.
Im Speed-Bereich hat die Schweiz mit Franjo von Allmen ein weiteres heisses Eisen im Feuer. Der Abfahrts-Weltmeister von Saalbach gewann heuer die Abfahrt in Gröden und zuletzt am Samstag überlegen auch diejenige in Crans-Montana. "Dieser Sieg ist auch hinsichtlich Olympia nicht ganz unwichtig. Ein solch fehlerfreies Rennen tat gut", so der Olympia-Debütant aus dem Berner Oberland.
Stauffer und sein Trainer-Team haben drei weitere Speed-Fahrer für Bormio selektioniert: Niels Hintermann, der nach einer Krebs-Erkrankung eine starke Comeback-Saison zeigt, Alexis Monney, der vor 13 Monaten auf der Piste Stelvio seinen Premieren-Sieg im Weltcup feierte, und Stefan Rogentin, der sich in erster Linie über den Super-G empfohlen hat. Einer dieses Trios wird die Olympia-Abfahrt nicht bestreiten können, da es nur maximal vier Startplätze pro Nation gibt.
In den technischen Disziplinen kommt die Leader-Rolle Loïc Meillard zu. Der 29-jährige Westschweizer, der heuer zwei Riesenslaloms gewann, bestreitet seine dritten Olympischen Spiele. Besser als Fünfter (im Slalom 2022) war er noch nie. Allerdings war Meillard an der letztjährigen WM der erfolgreichste Athlet mit zweimal Gold (Slalom und Team-Kombination) und einmal Bronze (Riesenslalom). Insgesamt figurieren in seinem Palmarès bereits sechs WM-Medaillen.
Die weiteren selektionierten Schweizer sind im Riesenslalom Luca Aerni und Thomas Tumler. Im Slalom startet neben Meillard das Trio Matthias Iten, Tanguy Nef und Daniel Yule. Iten war noch nie an einem Grossanlass der Elite dabei, Nef erst an Weltmeisterschaften. Yule nimmt wie Aerni nach Sotschi, Pyeongchang und Peking zum vierten Mal an Winterspielen teil.