Die Suche von GC nach den Gründen für das Debakel
Die Grasshoppers erreichen wenige Tage nach dem Trainerwechsel einen Tiefpunkt in dieser Saison. Das 0:5 in Genf macht den GC-Anführer sprachlos und zwingt andere zur Ursachenforschung.
Amir Abrashi ist normalerweise kein Mann der leisen Töne und zurückhaltenden Gesten. Aber am frühen Samstagabend schien selbst der energiegeladene Anführer der Grasshoppers am Ende mit seiner Kraft und seinem Latein. Es sei brutal, schmerzhaft und mache ihn sprachlos, meinte der 35-Jährige, der sich das Auswärtsspiel seiner Mannschaft gegen Servette im TV-Studio von "blue" ansah und zur Halbzeit ein erstes Fazit zog. Wegen einer Sperre fehlte er seinem Team in Genf.
Der Einfluss von Abrashi auf das Spiel von GC ist in seiner zehnten Saison beim Rekordmeister nicht so gross, als dass man das Debakel in Genf an seinem Fehlen festmachen könnte. Und doch hätte ein Leader und Kämpfer diesem nach zehn Minuten komplett auseinanderfallenden Team gutgetan. "So schnell nach dem 0:1 darf man niemals das 0:2 kassieren", hielt Abrashi fest. GC fand nach dem frühen Rückschlag keinen Halt mehr. Innerhalb von zehn Minuten kassierte es vier Tore und lag nach 18 Minuten mit 0:4 zurück - ein Super-League-Rekord, auf den GC gern verzichtet hätte.
Für Gernot Messner war es ein Horrorstart in sein neues Amt, das er erst am vergangenen Montag von Gerold Scheiblehner übernommen hatte. "Wir sind in den ersten 5, 10 Minuten gut in die Partie gestartet, Dann gerieten wir mit der ersten Torchance von Servette in Rückstand und natürlich haben wir solche Geschenke verteilt, dass man kein Spiel gewinnen kann", sagte er gegenüber SRF. Für die vielen Fehler machte er Mentalität, Konzentration und "in manchen Situationen" Qualität verantwortlich.
Der Österreicher verzichtete wohlweislich darauf, seine Spieler an den Pranger zu stellen. Aber aus den Aussagen von Abrashi und Captain Dirk Abels ist zu schliessen, dass die Mannschaft den Matchplan nicht umsetzen konnte. Probleme wurden im Vorfeld angesprochen, die am Samstag in Genf erneut aufgetreten sind, Anweisungen wurden gegeben, die nicht befolgt wurden. Deshalb wollte Abels nicht von einem Kopfproblem sprechen, sondern meinte: "Wir hatten nichts zu verlieren. Wenn man hierher kommt und in den ersten 20 Minuten alles wegwirft, war man entweder nicht fokussiert oder hat sich nicht an den Plan gehalten."
Nach der Niederlage bei Servette scheint das Beste, das für GC in der laufenden Super-League-Saison noch zu erreichen ist, die Barrage zu sein. Es wäre die dritte in Folge. Sieben Runden sind bis dahin noch zu spielen, und es werden noch dringend Punkte benötigt, vor allem gegen das Schlusslicht Winterthur, auf das man noch zweimal trifft: in der zweiten Partie nach der Länderspiel-Pause am 11. April und in der Relegation Group.
Mehr denn je in dieser Saison befindet sich GC in einer Notsituation und gleichzeitig darf es noch von einem Cupsieg träumen. Die richtige Balance zu finden, wird eine der schwierigsten Aufgaben für Messner werden. Eine Woche nach dem Ligaspiel gegen Winterthur steht der Cup-Halbfinal gegen Stade Lausanne-Ouchy an. Der allfällige Cupfinal am 24. Mai könnte wenige Tage später von Barrage-Partien gefolgt werden. Es warten wohl noch einige Emotionen auf die Grasshoppers.