Die triumphale Vonn-Rückkehr und andere Star-Comebacks
Am vergangenen Freitag feierte Lindsey Vonn in St. Moritz in der Abfahrt ihren 83. Weltcupsieg. Es war der erste seit dem 14. März 2018, als sie in Aare ebenfalls in der Abfahrt gewann – und ihr erster Triumph nach 2830 Tagen. Damit ergänzte die 41-jährige Amerikanerin die Liste eindrücklicher Sport-Comebacks um ein bemerkenswertes Kapitel.
Irgendwie ist es, als wäre sie nie weg gewesen. Sie ist wieder da und macht nach einem kurzen Anlauf da weiter, wo sie 2019 nach ihrem Rücktritt aufgehört hat. Die Jahre dazwischen, das vorübergehende Dasein als Rentnerin? Vergessen! Sie wurde kritisiert, bemitleidet und belächelt, als sie im Dezember 2024 in den Weltcupzirkus zurückkehrte. Man empfahl ihr den Besuch bei einem Psychiater. Sie hatte es zu einer weltweit bekannten Grösse gebracht, wegen ihrer sportlichen Erfolge, aber auch wegen ihres Privatlebens, das sie gerne in den sozialen Medien mit der ganzen Welt teilte, insbesondere auch ihre amourösen Beziehungen zu Golf-Superstar Tiger Woods, Eishockey-Ass P.K. Subban oder Ex-Football-Profi Kenan Smith.
Zudem hatte sie aufgrund ihres risikoreichen Fahrstils eine dicke Krankenakte – und eine Teilprothese im rechten Knie. Eigentlich war diese ja gedacht, dass sie ihr Leben als Ex-Spitzensportlerin möglichst beschwerdefrei führen kann. Doch nach fünf Jahren ohne Rennen kehrte sie in den Weltcup zurück, raste im vergangenen Winter im letzten Saisonrennen beim Super-G in Sun Valley hinter Siegerin Lara Gut-Behrami auf Rang 2 – und begann die neue Saison nun mit dem Sieg in St. Moritz, belegte am Tag danach in der zweiten Abfahrt Rang 2 und erreichte zum Abschluss im Super-G Rang 4. Den zu Beginn lauten Kritikern hat sie den Mund gestopft und gezeigt: Die Speed-Queen ist zurück und steht bei den Olympischen Spielen 2026 auf der Favoriten-Liste. Es ist eines der grössten Comebacks in der Sportgeschichte, in der auch andere Stars wieder auf die grosse Bühne zurückkehrten – mit mehr oder weniger Erfolg.
Muhammad Ali
In seiner grossartigen Karriere feierte der legendäre Boxer gleich zwei Comebacks. Mitte der 1960er Jahre musste er seine Karriere unterbrechen, weil er den Militärdienst verweigerte und ihm Pass und Box-Lizenz weggenommen wurden und er den WM-Titel abgeben musste. Nach drei Jahren kehrte er zurück in den Ring, nach einer Niederlage gegen Joe Frazier folgten mit dem «Rumble in the Jungle» 1974 gegen George Foreman und dem «Thrilla in Manila» 1975 gegen Joe Frazier seine legendärsten Kämpfe – und er wurde erneut Champion. 1978 holte er sich zum letzten Mal den WM-Titel zurück und trat im Alter von 36 Jahren zurück, schon damals machte sich seine Parkinson-Erkrankung bemerkbar. Zwei Jahre später versuchte sich Ali an einem abermaligen Comeback, nach Niederlagen gegen Larry Holmes und Trevor Berbick beendete er 1981 seine Karriere endgültig.
Björn Borg
Fünfmal hatte er Wimbledon gewonnen, sechsmal an den French Open triumphiert und war erst 26 Jahre alt, als er zu Beginn der 1980er Jahre vom Spitzensport zurücktrat. In den folgenden zehn Jahren unternahm Borg mehrere Comeback-Versuche. Er versuchte, mit altem Schläger an alte Erfolge anzuknüpfen, doch es gelang ihm nicht. 1993 trat die schwedische Tennis-Legende erneut zurück, diesmal endgültig.
Martina Hingis und Roger Federer
Auch die Schweizer Tennis-Asse kehrten einst auf die grosse Bühne zurück. Martina Hingis hatte bereits 40 Einzeltitel gewonnen und insgesamt vier Jahre die Weltrangliste angeführt, als sie 2003 im Alter von 22 Jahren auch wegen gesundheitlicher Probleme zurücktrat. 2006 kehrte sie zurück, gewann nochmals drei Titel, hatte aber Mühe, im mittlerweile von Power-Tennis dominierten Sport zu bestehen. 2007 folgte der erneute Rücktritt, aufgrund eines positiven Kokain-Tests. Nach sechs Jahren ohne Spitzensport kehrte Hingis erneut auf die Tour zurück, spielte Mixed und Doppel und gewann neun weitere Grand-Slam-Titel und Olympia-Silber, ehe sie 2017 endgültig zurücktrat. Etwas anders war es bei Roger Federer: 2016 musste nach einer Knie-OP, Virusinfektionen und Rückenproblemen die Saison kurz vor den Olympischen Spielen vorzeitig abbrechen. Das Ende seiner grossartigen Karriere schien mit 35 Jahren gekommen zu sein, schliesslich lag sein letzter grosser Grand-Slam-Triumph schon fünf Jahre zurück. Doch der Maestro zeigte es allen, kehrte nach einem halben Jahr Pause bei den Australian Open zurück und bezwang Rafael Nadal in einem epischen Fünfsatz-Final, bevor er im selben Jahr auch Wimbledon gewann und 2018 seinen Titel in Melbourne erfolgreich verteidigte.
Michael Jordan
Der Basketballer war auf dem Karrierehöhepunkt, als er 1993 nach drei NBA-Titeln in Folge seine Karriere beendete. Kurz zuvor war sein Vater ermordet worden. Als dessen Wunsch galt, dass Michael Jordan Baseballspieler werden solle – und Michael wollte ihm nun diesen Wunsch erfüllen. Er war ein guter Baseball-Spieler, für eine grosse Karriere aber zu wenig gut. So kehrte er zum Basketball zurück und gewann zwischen 1996 bis 1998 mit den Chicago Bulls erneut dreimal die Meisterschaft – und trat wieder zurück. Drei Jahre später entschied er sich zu einem erneuten Comeback, diesmal bei den Washington Wizzards, für die er auch als Team-Manager arbeitete, ehe er sich am Ende der Saison 2003 im Alter von 40 Jahren zum dritten Mal und endgültig vom Basketball verabschiedete.
Lance Armstrong
Nicht nur einmal, sondern gleich zweimal kehrte der Amerikaner mit Pauken und Trompeten auf die Velo-Bühne zurück. 1998 gab Armstrong nach eineinhalbjähriger Pause wegen einer Krebserkrankung sein Comeback, gewann sieben Mal in Folge die Tour de France und trat 2005 zurück. Vier Jahre später beendete er sein Leben im Ruhestand, fuhr als Dritter bei der Tour noch einmal aufs Podest und trat 2011 definitiv zurück. Keine zwei Jahre später gestand er jahrelanges und systematisches Doping, worauf ihm sieben Tour-de-France-Siege aberkannt wurden.
Tiger Woods
Im Dezember 2017 erreichte der Amerikaner einen Tiefpunkt in seiner Karriere. Monatelang hatte der einstige Golf-Superstar nicht mehr gespielt, in der Weltrangliste belegte er nur noch Position 1199. Der Rücken machte ihm Probleme, dazu kamen privater Ärger und diverse Eskapaden. Man hatte ihn abgeschrieben und kaum jemand traute Woods zu, was er im April 2019 schliesslich schaffte: Beim US Masters in Augusta feierte er seinen 15. Major-Titel – elf Jahre nach seinem letzten Sieg. Zwei Jahre später verletzte er sich bei einem Autounfall schwer, erlitt mehrere offene Trümmerbrüche. Seine Teilnahme an Turnieren ist aufgrund der Verletzungen nach wie vor stark reduziert, er wählt selektiv Events aus. Eine Rückkehr zu einer regulären Tour-Saison ist unwahrscheinlich.
Niki Lauda
1976 fuhr der Österreicher im Ferrari zu seinem ersten WM-Titel in der Formel 1. Ein Jahr später verunfallte er auf dem Nürburgring und überlebte nur knapp, im Spital bekam er gar die letzte Ölung. Trotz der schweren Verbrennungen, die er erlitten hatte, kehrte Lauda nach nur 42 Tagen und zwei verpassten Rennen beim Grossen Preis von Italien zurück und Lauda wurde hinter Ronnie Peterson, Clay Regazzoni und Jacques Laffite Vierter – mit blutenden Wunden. 1977 wurde Lauda erneut Weltmeister. Zwei Jahre später trat er zurück, um sich seiner Fluglinie zu widmen, doch 1982 holte ihn McLaren von der Rente wieder ins Cockpit– und 1984 wurde Lauda schliesslich zum dritten Mal Weltmeister.
Michael Phelps
Nach Olympia 2012 beendete der Schwimm-Star zum ersten Mal seine Karriere, er war damals mit 18 Goldmedaillen der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Aber in seiner Paradedisziplin 200 Meter Schmetterling hatte er hinter dem Südafrikaner Chad Le Clos nur Silber gewonnen, was an ihm nagte. 2014 wurde sein Comeback offiziell und trotz Depressionen und Klinikaufenthaltes schaffte er eine brillante Rückkehr, gewann an den Olympischen Spiele in Rio fünfmal Gold – und einmal Silber und beendete seine Schwimmkarriere endgültig. Mit 23 Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen ist der Amerikaner der mit grossem Abstand erfolgreichste Olympionike der Geschichte.
Serena Williams
Bei der Geburt ihrer ersten Tochter Alexis Olympia Ohanian erlitt die amerikanische Tennisspielerin im September 2017 eine Lungenembolie und schwebte während Tagen in Lebensgefahr, war dann aber bereits im Frühling 2018 wieder auf den Tenniscourts. Ihren Traum vom 24. Grand Slam-Titel, mit dem sie mit der australischen Rekordhalterin Margaret Court gleichgezogen hätte, konnte sich Williams zwar nicht mehr erfüllen, bis zu ihrem Rücktritt 2022 stand sie aber noch vier Mal im Final eines Major-Turniers. Mittlerweile ist sie 44 Jahre alt, zweifache Mutter und hat kürzlich aufgetauchte Comeback-Gerüchte via X heftig dementiert: «Oh mein Gott, Leute, ich komme NICHT zurück. Dieses Lauffeuer ist verrückt», teilte sie mit.
Hermann Maier und Marcel Hirscher
Auch im österreichischen Skisport gab es schon viel beachtete Comebacks. 2001 zog sich Hermann Maier bei einem Töff-Unfall einen offenen Unterschenkelbruch am rechten Bein und zahlreiche weitere Verletzungen zu, sogar eine Amputation drohte. Der «Herminator» war damals zwar zweifacher Olympiasieger, Doppel-Weltmeister und dreifacher Gesamtweltcup-Sieger, eine Rückkehr auf die Ski schien illusorisch. Die Saison 2001/02 verpasste er, – und kehrte danach fulminant zurück. Er gewann noch einmal den Gesamtweltcup (2004), wurde Weltmeister (2005) und holte bei den Olympischen Spielen 2006 Silber (Super-G) und Bronze (Riesenslalom).
Sein Landsmann Marcel Hirscher gewann den Gesamtweltcup achtmal in Folge, sammelte auch an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften Edelmetall en masse und verabschiedete sich 2019 als Skirennfahrer vom Spitzensport und begann seine Karriere als Unternehmer und gründete die Skimarke Van Deer. Nach 2051 Tagen gab Hirscher am 27. Oktober 2024 beim Riesenslalom von Sölden für die Niederlande sein Weltcup-Comeback und gewann mit dem 23. Platz Weltcuppunkte. Nich einmal zwei Monate später zog er sich im Training einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und musste die Saison beenden, bevor sie richtig begonnen hatte.
Am 3. Dezember 2024 wurde bekannt, dass sich Hirscher im Training einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen hatte. Er musste die Saison daraufhin vorzeitig beenden. Aktuell arbeitet er an seinem zweiten Comeback – wann er dieses gibt, ist allerdings offen. Er komme erst zurück, «wenn ich halbwegs konkurrenzfähig bin, wenn alles gut geht, so dass eine Qualifikation für den zweiten Durchgang möglich ist».