Duell um die Eishockey-Vorherrschaft
Wie bei den Frauen kämpfen auch auch im Eishockey-Turnier der Männer Kanada und die USA um Olympia-Gold. Es ist der erwartete Final.
Für die mit NHL-Stars versehenen Erzrivalen geht es nicht nur um den Olympiasieg, sondern auch um Prestige, Ehre und die Vorherrschaft im Eishockey. "Besser geht es nicht, und die Rivalität könnte nicht grösser sein. Deshalb wird es in den Vereinigten Staaten und Kanada keinen einzigen Fernseher geben, auf dem dieses Spiel nicht läuft", sagte der amerikanische Haudegen Matthew Tkachuk. Teamkollege Dylan Larkin ergänzt: "Ich glaube, es wird ein Duell für die Ewigkeit."
Während die Kanadier den zehnten olympischen Titel anpeilen, den ersten seit 2014, warten die Amerikaner seit 46 Jahren auf den dritten Olympiasieg. In Lake Placid siegten sie mit einem College-Team im Halbfinal gegen die damals als unschlagbar geltende Sowjetunion. Über das "Miracle on Ice" wurde gar ein Film gedreht.
Seither erreichten die USA nur noch 2002 und 2010 den Olympia-Final. Beide Male unterlagen sie den Kanadiern - vor 16 Jahren erst in der Verlängerung. In Vancouver gelang Sidney Crosby in der Overtime der entscheidende Treffer. Der heute 38-Jährige führt die Kanadier in Mailand als Captain an, allerdings steht hinter seinem Einsatz ein Fragezeichen, nachdem er im Viertelfinal gegen Tschechien eine Unterkörperverletzung erlitten hatte und den Halbfinal verpasste. Er trainierte aber wieder mit dem Team. "Sein Einfluss auf die Kabine ist nicht zu unterschätzen. Einen Typen wie ihn am Sonntag dabeizuhaben, hätte einen massiven Einfluss auf uns", sagte Flügelstürmer Seth Jarvis.
Der Final scheint völlig offen zu sein. Zwar sind die Kanadier auf dem Papier leicht höher einzustufen, allerdings entgingen sie sowohl im Viertelfinal gegen Tschechien (4:3 n.V.) als auch im Halbfinal gegen Finnland (3:2) nur knapp einem Ausscheiden. Gegen die Finnen lagen sie 0:2 zurück, den Siegtreffer erzielte Nathan MacKinnon 36 Sekunden vor dem Ende. Die US-Stars gewannen im Viertelfinal gegen Schweden (2:1) ebenfalls erst in der Overtime, ehe sie der Slowakei (6:2) keine Chance liessen.
Bei den Kanadiern war Connor McDavid fast an der Hälfte der 27 Tore beteiligt. Er führt die Skorerwertung mit zwei Toren und elf Assists vor seinem erst 19-jährigen Landsmann Macklin Celebrini (5/5) an. McDavids 13 Punkte bedeuten einen olympischen Rekord. Zuvor hatten diesen gemeinsam die Finnen Teemu Selänne und Saku Koivu gehalten, die 2006 je elf Punkte erzielten. Zu den grossen Stärken der Kanadier gehört das Powerplay, in dem ihre Erfolgsquote an diesem Turnier 43,75 Prozent beträgt. Derweil haben die USA noch kein Tor im Boxplay zugelassen. Bester amerikanischer Skorer in Mailand ist Quinn Hughes (1/6), der aktuell wohl beste Verteidiger der Welt.
Der kanadische Stürmer Tom Wilson sagt zur Ausgangslage: "Die Jungs, die sich das Trikot überstreifen, tragen die Verantwortung, rauszugehen und zu beweisen, warum wir die Besten sind, warum wir die Besten sein sollten und es auch bleiben. Aber gleichzeitig haben wir 2026. Die Amerikaner haben ein verdammt starkes Team; ihre Programme sind inzwischen erstklassig, und sie haben einige unglaubliche Superstars in ihren Reihen. Jeder, der auf dem Eis stehen wird, ist ein herausragender Eishockeyspieler - deshalb wird der Unterschied am Ende hauchdünn sein."
Das war er schon vor einem Jahr im Final am "4 Nations Face-off", als die beiden Teams mit einem ähnlichen Kader antraten - die Kanadier siegten 3:2 nach Verlängerung. Wer sichert sich am Sonntag die Vorherrschaft? Spielbeginn ist um 14.10 Uhr.