Duell unter alten Freunden: Basel trifft auf Thorsten Fink und Genk
Hätten Sie’s gewusst? Beim EL-Auswärtsspiel in Genk kommt es für den FC Basel heute Abend zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Thorsten Fink steht beim belgischen Vertreter seit Sommer 2024 an der Seitenlinie. Um den zweifachen Basler Meistertrainer (2010 und 2011) war es nach seiner Entlassung bei GC ruhig geworden, nun aber greift der mittlerweile 58-Jährige in der belgischen Provinz Limburg noch einmal an.
Vom Shooting-Star zum Auslaufmodell
Dieses Debüt konnte sich in der Tat sehen lassen. Gleich bei seiner ersten Trainerstation feierte Thorsten Fink im Mai 2008 den Aufstieg in die 2. Bundesliga (mit dem FC Ingolstadt). Für seine Zweite zog es den ehemaligen Bayern-Akteur dann im Sommer 2009 zum FC Basel, wo er in etwas mehr als zwei Spielzeiten die nächsten drei Titel (2x Meister, 1x Cupsieger) einheimste. Der Weg in die Bundesliga war vorgezeichnet – und wurde im Oktober 2011 mit dem Wechsel zum Hamburger SV dann auch vollzogen. Den damaligen Bundesliga-Dino übernahm Fink auf Platz 18 und führte ihn in seiner ersten Spielzeit zum Ligaerhalt, im zweiten Jahr sogar auf Rang 7. Und dann? Wurde der gebürtige Dortmunder in der Spielzeit 2013/2014 nach nur fünf Spieltagen entlassen und hat bis heute keine weitere Chance in der Bundesliga bekommen. Wie ist das möglich?
Die Kritik des langjährigen Weggefährten
Zum Zeitpunkt seiner Entlassung stand Fink mit dem HSV auf Rang 15. Kein Ruhmesblatt, sicher, aber auch kein Beinbruch, zumindest nicht jener Art, die Fink weitere Engagements in der Beletage des deutschen Profi-Fussballs quasi verunmöglichen sollte. Aber genau das passierte, vermutlich nicht zuletzt aufgrund der überraschend harten und kritischen Worte, mit der der damals 46-Jährige von seinem langjährigen Weggefährten Oliver Kreuzer (damals HSV-Sportchef) aus der Hansestadt verabschiedet wurde. «Ein fehlendes Konzept» wurde Fink damals u.a. vorgeworfen, wobei die Kritik, wonach die Mannschaftsführung des ehemaligen Mittfeldmannes «inakzeptabel» gewesen sei, wohl noch vernichtender wirkte. Eine «Red Flag» in den Augen anderer Verantwortlicher, wobei Finks selbstbewusstes Auftreten in Kombination mit einer gewissen Unabhängigkeit vom Dasein und den Pflichten als Trainer wohl ebenfalls eine Rolle gespielt haben dürften. Auf alle Fälle heuerte der Westfale als Nächstes für ein halbes Jahr in Zypern an, wechselte dann zur Wiener Austria, ehe er schliesslich im Frühjahr 2018 zu GC kam, wo er erstmals in seiner Karriere tatsächlich kein Mittel fand, um eine sportliche Verbesserung herbeizuführen. Im Gegenteil: Nach 30 Spielen und einem miserablen Punkteschnitt von 0,83 Punkten pro Spiel wurde Fink bei den Hoppers im März 2019 entlassen und verabschiedete sich wie der absteigende Rekordmeister kurze Zeit später – zumindest in unseren Breitengraden – aus dem Rampenlicht.
Japan, Lettland, VAE
Die nächste Aufgabe erwartete Fink nämlich im Sommer 2019 in der japanischen J-League. Bei Vissel Kobe (zur damaligen Zeit mit Andrés Iniesta, David Villa und Lukas Podolski) gewann er in 15 Monaten Cup und Ligapokal, ehe er aus familiären Gründen nach Europa zurückkehrte. Dort wagte er Anfang 2022 gar einen halbjährigen Abstecher nach Riga, ehe er zum Sommer zu Al-Nasr SC in die Vereinigten Arabischen Emirate wechselte. Beim kleinen Bruder der Saudi Pro League erlebte der Deutsche zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Fiasko (0,83 Punkte pro Spiel), worauf er nach nur vier Monaten wieder entlassen wurde. Im Anschluss blieb er für eineinhalb Jahre ohne Anstellung, ehe er im Sommer 2023 beim kleinen belgischen Erstligisten VV St. Truiden noch einmal einen Anlauf nahm.
Comeback aus dem Nichts
Wirklich auf dem Radar hatten diesen Wechsel zumindest hierzulande nur die Wenigsten, was sich erst im Jahr darauf nachhaltig ändern sollte. Dannzumal verpflichtete ihn der KRC Genk, der in diesem Jahrtausend immerhin drei Mal die belgische Meisterschaft für sich entscheiden konnte und sich mit Fink ziemlich überraschend daran machte, den insgesamt fünften Meistertitel in die Kleinstadt (knapp 70'000 Einwohner) zu holen. Am Ende reichte es nach einer überragenden Regular Season (Rang 1) «nur» zu Platz 3, doch Fink bewies, dass er durchaus noch dazu in der Lage ist, erfolgreichen Fussball spielen zu lassen. In Genk tut er dies zuweilen zwar etwas weniger angriffig als auch schon, dennoch darf sich der FC Basel für die heutige Partie schon einmal auf ein Wiedersehen freuen, welches im Minimum auf Augenhöhe stattfinden wird. Der Kader um den belgisch-griechischen Shooting Star Konstantinos Karetsas (18) verfügt über den rund doppelt so hohen Marktwert wie der FCB und hat in dieser EL-Saison in den Auswärtspartien bei Lech Posen (1:5), den Glasgow Rangers (0:1) und bei Sporting Braga (3:4) bereits bewiesen, dass er auf diesem Niveau absolut konkurrenzfähig ist. Ohnehin dürfte dem Duell der beiden einstigen Weggefährten wegweisender Charakter zukommen: Dem Sieger winkt die Qualifikation für die Runde der letzten 24 und zumindest weiterhin die Chance, sich möglicherweise sogar direkt für die Achtelfinals zu qualifizieren. Und das wäre in einer Spielzeit, in der bislang beide Kontrahenten ihrer Form aus dem Vorjahr hinterherhinken, keine schlechte Perspektive, um dann im neuen Jahr noch einmal eine Schippe draufzulegen.