Doch vor allem die erste Halbzeit war erschreckend, meint Sky Sport Reporter Marlon Irlbacher. Ein Kommentar.
Von Marlon Irlbacher
Nicht das Ergebnis steht im Vordergrund, sondern der Auftritt. Eine erste Halbzeit ohne Mut, ohne Zugriff, ohne erkennbare Spielidee. Kein Druck, keine Intensität, keine Leidenschaft.
Erst nach 52 Minuten der erste Torschuss. So darf man sich in einem Halbfinale nicht präsentieren - schon gar nicht, wenn es die letzte realistische Chance in dieser Saison auf einen Titel ist. Diese Möglichkeit hat Bayer 04 Leverkusen, trotz aller Qualität des Gegners, zu leichtfertig liegen lassen.
Und ja: Der FC Bayern München ist aktuell vielleicht die beste Mannschaft Europas. Die individuelle Klasse, die Form, die Art und Weise, wie sie Fussball spielen - das ist alles auf Top-Niveau. Dass man gegen diese Bayern verlieren kann, ist keine Überraschung. Das wusste man vorher. Dann geht es um Mut. Um Haltung. Um den Versuch, dagegenzuhalten - vor allem im eigenen Stadion.
Bayer ergibt sich einfach
Und genau das hat Leverkusen im ersten Durchgang gar nicht - und auch im zweiten - nur in vereinzelten Momenten gezeigt. Kein hohes Anlaufen, kein Risiko, kein echtes Aufbäumen. Es wirkte phasenweise, als hätte man sich dem Spiel einfach ergeben - und das ist der eigentliche Kritikpunkt.
Genau hier schliesst sich der Kreis zur gesamten Saison. Vier Spieltage vor Schluss steht Bayer 04 vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Das grosse Ziel wackelt - und die Wahrscheinlichkeit, es noch zu erreichen, sinkt. Weil das, was man gegen die Bayern gesehen hat, kein Einzelfall ist. Es ist sinnbildlich für diese Spielzeit.
Diese Inkonstanz zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Gute Auftritte wechseln sich mit enttäuschenden ab. Ein klares Entwicklungsmuster? Kaum erkennbar. Und das, obwohl dieser Kader deutlich mehr Qualität hat, als er regelmässig auf den Platz bringt.
Damit rückt zwangsläufig der Trainer in den Fokus. Kasper Hjulmand erreicht die Mannschaft offenbar nicht konstant. Seine Idee kommt nicht durchgehend an. Die Frage, ob er das volle Potenzial ausschöpfen kann, muss erlaubt sein - und sie wird intern gestellt.
Im Sommer steht alles auf dem Prüfstand
Die Blicke von Simon Rolfes und Fernando Caro nach Abpfiff sprachen Bände. Und nach Sky Sport Informationen verdichten sich die Zeichen: Im Sommer steht alles auf dem Prüfstand. Unabhängig davon, ob die Champions League am Ende doch noch erreicht wird.
Die Konsequenz daraus scheint bereits absehbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in dieser Konstellation über den Sommer hinaus weitergeht, ist sehr gering.
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