Ein Sportjahr – sechs Superstars
Das Jahr 2025 bescherte uns im Spitzensport viele Emotionen. Es wurden Helden geboren und gefeiert und unzählige bemerkenswerte Geschichten geschrieben. Wir präsentieren stellvertretend sechs dieser Figuren, die im Rampenlicht standen.
Luis Enrique
Namhafte Trainer wie Thomas Tuchel, Mauricio Pochettino oder Carlo Ancelotti versuchten, Paris Saint-Germain zum Gewinn der Champions League zu führen, doch früher oder später scheiterten sie alle. Der 55-jährige Spanier Luis Enrique meisterte nun als erster diese schwierige Aufgabe, überwand mit seinem Team alle Hürden und krönte sich dank einer 5:0-Gala im Final in der Münchner Allianz Arena gegen Yann Sommers Inter Mailand. Zudem coachte Luis Enrique, der seit Juli 2023 bei PSG unter Vertrag steht und in 143 Spielen auf einen Punkteschnitt von 2,28 kommt, den Klub in den letzten zwei Saisons jeweils zum Meistertitel, Cupsieg und Supercup-Triumph. Dazu kommt der Gewinn des Uefa-Supercup und zuletzt, eine Woche vor Weihnachten, mit dem Sieg im Interkontinental-Cup bereits die neunte Trophäe seit seinem Amtsantritt. Der Vertrag des Spaniers, der zuvor schon mit Barcelona alles gewonnen hat, das man gewinnen kann, läuft bei PSG noch bis 2027. Unter seiner Führung wurde das Kader mit Talenten weiterentwickelt statt nur durch den Einkauf von teuren Stars aufgepeppt, und so ist es wenig erstaunlich, dass die Pariser ihn langfristig an sich binden wollen und mit dem Gedanken spielen, ihm einen Lebensvertrag zu geben.
Luke Littler
Das Jahr 2025 war erst ein paar Tage alt, da begann die Ära von Luke Littler. Der Engländer wurde drei Wochen vor seinem 18. Geburtstag der jüngste Darts-Weltmeister der Geschichte. « The Warrington Wonderkid» bezwang im Ally Pally in London im Final der Darts-WM den dreifachen Champion Michael van Gerwen mit 7:3 und setzte sich die Krone auf. «Ich kann es nicht glauben», sagte der Engländer, der im Vorjahr bei seiner WM-Premiere im gestanden und gegen Luke Humphries verloren hatte, kurz nach seinem Triumph. «Jeder träumt davon, diese Trophäe zu gewinnen. Dass ich es jetzt geschafft habe, ist unglaublich.» Littler, der sich nach Spielen gerne mit einem Kebab belohnt, erhielt die 23 Kilogramm schwere Sid Waddell Trophy und einen Siegercheck in Höhe von umgerechnet rund 565'000 Franken. Littler war nach Michael Smith und Luke Humphries der dritte englische Weltmeister in Folge – und ist aktuell auf bestem Weg, die englische Regentschaft auszudehnen und seinen Titel zu verteidigen. An der WM in London hat er die ersten drei Hürden ohne Mühe gemeistert und steht im Achtelfinal. «Der Kerl ist absoluter Wahnsinn», lobte ihn sein letzter Gegner, der routinierte Österreicher Mensur Suljovic.
Tadej Pogacar
Der Slowene ist im Radrennsport aktuell das Mass aller Dinge. Er begann das Jahr 2025 mit dem Triumph an der UAE Tour, wo auch zwei Etappensiege feierte. Im März gewann er die Strade Bianche zum dritten Mal, wobei er nach einem frühen Angriff zu Sturz kam und das Rennen mit mehreren Abschürfungen beendete. Zwei Wochen später beendete er Mailand–Sanremo auf Rang 3. In der Folge siegte er auch bei der Flandernrundfahrt und der Flèche Wallonne, zudem triumphierte er zum Abschluss der Frühjahressaison bei Lüttich–Bastogne–Lüttich. Pogacar dominierte auch den Rest des Jahres, gewann die Dauphiné-Rundfahrt und entschied zum vierten Mal die Tour de France sowie vier Etappen und die Bergwertung für sich. Und wurde Welt- und Europameister, gewann das Rennen Tre Valli Varesine und zum fünften Mal in Folge «Il Lombardia». Er stand so bei allen fünf Monumenten der Saison auf dem Podest, was vor ihm noch keinem anderen Radrennfahrer gelungen war. Pogacar ist im Radzirkus ein Kannibale, frisst auf den Strassen die Siege – und ist im Jahr 2026 auch in der Schweiz zu bestaunen: Mitte Dezember wurde bekannt, dass Tadej Pogacar die Tour de Suisse 2026 (17. bis 21. Juni) bestreiten wird.
Lando Norris
Nach vier Triumphen in Folge von Max Verstappen im Red Bull übernahm in diesem Jahr McLaren-Mercedes an der Spitze das Zepter. Lange schien es, dass der Australier Oscar Piastri und der Brite Lando Norris einsam der an der Spitze wegziehen und den Titel unter sich ausmachen. Doch gegen Saisonende zeigten das Papaya-Team und beide Fahrer Nerven und sorgten mit Fehlern dafür, dass Verstappen in den Titelkampf zurückkehrte. Die Entscheidung musste im letzten Saisonrennen, beim GP von Abu Dhabi fallen. Verstappen gewann das Rennen zwar vor Piastri und Norris, belegte in der WM-Endabrechnung aber nur Rang 2, mit einem Rückstand von zwei Punkten auf Norris und elf Zähler vor Piastri. So wurde der Brite der 35. Weltmeister in der Geschichte der Formel 1. «Das war für meine Mutter, das war für meinen Vater. Sie haben mir ermöglicht, dass ich diesem Traum hinterherjagen durfte», sagte er mit stockender Stimme. «Ich dachte, ich würde nicht weinen, aber ich musste.» In seinem siebten Jahr in der Formel 1 gelang dem McLaren-Pilot das Meisterstück, als er in der zweiten Saisonhälfte, als es um die Wurst ging, sein ganzes Können zeigte. «Es ist ziemlich surreal. Ich habe so lange davon geträumt. Es gab so viele Höhen und so viele Tiefen in dieser Saison.»
Shai Gilgeous-Alexander
Der 27-jährige kanadische Basketball-Profi drückte in der NBA zuletzt seinen Stempel auf. In der Saison 2024/25 führte er sein Team, Oklahoma City Thunder, zum Gewinn des NBA-Meistertitels und wurde als erster Kanadier in der Ligageschichte als wertvollster Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Er wurde zudem zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt, sammelte die meisten Punkte und wurde, natürlich, auch als wertvollster Spieler der Finalserie geehrt. Es ist ein dreifacher Triumph, der zuvor nur Michael Jordan, Kareem Abdul-Jabbar und Shaquille O’Neal gelungen war, also der Crème de la Crème der NBA. Er ist der wichtigste Spieler bei einem der besten Teams der vergangenen Jahrzehnte. Und das, obwohl ihm als Teenager die wenigsten Fachleute zugetraut hätten, jemals ein NBA-Team anzuführen. «Ich war schwächlich, etwa so gross wie meine Mutter», sagte er in einem Interview über die Zeit, als er 13, 14 Jahre alt war. Er machte dieses Manko Arbeit wett, trainierte an der Highschool um sechs Uhr morgens, noch vor dem Unterricht. Der Einsatz hat sich gelohnt. Heute kassiert der 2,03-Meter-Hüne ein Jahresgehalt von rund 70 Millionen Dollar.
Sarina Wiegman
Die 56-jährige Holländerin Sarina Wiegman verkörpert im Fussball den Erfolg, der auf den ersten Blick surreal erscheint. An der Frauen-EM 2025 in der Schweiz feierte sie einen dramatischen Finalsieg im Penaltyschiessen mit England gegen Spanien und konnte zum dritten Mal in Serie die EM-Trophäe in die Höhe stemmen, nachdem sie 2017 mit ihrem Heimatland triumphiert hatte und 2022 mit den «Lionesses» nachgedoppelt hatte. Ein blitzsauberer Titel-Hattrick als Trainerin war zuvor nur Tina Theune mit Deutschland (1997, 2001, 2005) gelungen. Zudem führte Wiegman 2019 die Niederlande und 2023 England in den WM-Final, verlor dort aber zuerst gegen die USA und dann gegen Spanien. Wiegman ist auf dem Fussball-Olymp angekommen, zur Krönung fehlt nur noch der WM-Titel, und der soll 2027 folgen, wie König Charles nach dem EM-Titel über die sozialen Medien mitteilte. «Gut gemacht, Lionesses! Die nächste Aufgabe ist es, die Weltmeisterschaft 2027 nach Hause zu holen, falls möglich!», liess er Sarina Wiegman und ihre Spielerinnen wissen.