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Ein weiterer Skandal – und der endgültige Abgang?

Andy

Einst produzierte Tiger Woods massenhaft sportliche Schlagzeilen und wurde zum absoluten Superstar. Mittlerweile taucht der Amerikaner praktisch ausschliesslich aufgrund von Skandalen in den Headlines auf. So auch in diesen Tagen wieder.

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Tiger Woods: Der Absturz eines früheren Wunderkindes. © IMAGO / Zuma Press

Nicht selten wurde einst im Zusammenhang mit Tiger Woods der Begriff «Wunderkind» verwendet. Er war golftechnisch gesehen frühreif und hatte schon zwei Jahre vor seinem zehnten Geburtstag ein einstelliges Handicap. Im Laufe der Jahre sorgte er mit dem Golfschläger für Rekorde, hamsterte Turniersiege und liess den Gegnern oftmals keine Chance. Eldrick Tont Woods, wie Tiger mit vollem Namen heisst, wurde zum umjubelten und bewunderten Superstar.

683 Wochen die Nummer 1

1997 feierte er den ersten von 15 Triumphen bei einem Major-Turnier, entschied das Masters in Augusta für sich – mit zwölf Schlägen Vorsprung auf Tom Kite. Während Jahren dominiert Woods seinen Sport, insgesamt ist er 683 Wochen lang die Weltnummer 1 – es ist ein Rekord wohl für die Ewigkeit: Die Nummer 2, Greg Norman, sass nicht einmal halb so lang auf dem Thron, kam auf 331 Wochen. Auch die 82 Siege von Tiger Woods auf der PGA-Tour sind ein Rekord, zudem hält er diverse weitere Bestmarken.

Doch irgendwie ist Woods mit der mit den Erfolgen verbundenen Berühmtheit und dem erlangten Reichtum – Woods brachte es bis zum Milliardär – nicht klar geworden, denn mit den Jahren wurden die sportlichen Schlagzeilen durch Eskapaden abgelöst, fiel der heute 50-Jährige immer tiefer. Die Ehe mit dem schwedischen Model Elin Nordegren, mit der er zwei Kinder hat, endete 2010. Zuvor war publik geworden, dass der Tiger zahlreiche aussereheliche Affären hatte. In der Folge gestand er seine Hypersexualität, zog sich zurück und begab sich in Therapie. Nach den Enthüllungen rund um die Affären, einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik und sportlich schlechte Leistungen sorgten für einen Absturz in der Weltrangliste – bis auf Platz 1199.

Körperliche Probleme, Schmerzmittel und Entzugsklinik

Als der Amerikaner seine privaten Probleme schliesslich gelöst hatte und bereit war, um auf dem Golfplatz für Aufsehen zu sorgen, streikte aber sein Körper. Er musste sich mehreren Rückenoperationen unterziehen und kämpfte mit Knieproblemen. 2017 folgte ein weiterer Skandal. Er wurde bewusstlos in seinem Autositzen gefunden, in seinem Blut werden diverse verbotene Substanzen entdeckt. Er muss an einen Entzugs- und Reha-Programm teilnehmen, es folgen auch Diskussionen über eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln im Nachgang seiner vielen Operationen. Woods liess sich auch dadurch nicht unterkriegen, entpuppte sich als Stehaufmännchen und kämpfte um ein Comeback.

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2019 triumphierte Woods zum fünften Mal beim Masters in Augusta – es war sein letzter Majorsieg.

Die Rückkehr mit einem sensationellen Sieg – und der nächste Crash

Und wie er das schaffte! 2018 gewann er die Tour Championship, das Saisonfinale. Die Ewigkeit von 1876 Tage nach seinem letzten Turniersieg vergangen. Er war wieder an der Spitze – und ein Mitfavorit für das Masters 2019. Er hatte für sein Comeback sein Spiel umgestellt, verkörperte die Präzision, statt ein Longhitter zu sein. Und er gewann so das Masters, durfte sich zum fünften Mal das Grüne Sieger-Jackett überstreifen lassen. Sein Comeback wird als eines der grössten in der Sportgeschichte angesehen.

Doch auch nach seinem letzten Triumph an einem der vier Majorturniere folgte wieder ein Rückschlag. Am 23. Februar 2021 verunglückte Woods in Rancho Palos Verdes schwer, als er mit einem Genesis GV80 des Sponsors, bei dessen PGA-Turnier in Los Angeles er am Wochenende Gastgeber gewesen war, die Kontrolle über seinen Wagen verlor und sich mehrmals überschlug. In einer 70er Zone raste er offenbar mit 135 Stundenkilometern, riss einen Baum nieder und wurde über die beiden Gegenfahrbahnen geschleudert. Er musste durch Rettungskräfte aus seinem Auto gerettet werden und erlitt mehrere offene Trümmerbrüche am rechten Unterschenkel. Bei seinen wenigen Turnierstarts in der Folge schleppte sich das einstige Wunderkind mehr schlecht als recht von Schlag zu Schlag, meistens musste Woods sogar vorzeitig aufgeben.

Und statt sportlicher Schlagzeilen fabrizierte er nun seinen nächsten Skandal. Am vergangenen Freitag war der 50-Jährige nach einem Autounfall bei hohem Tempo festgenommen worden. An der Unfallstelle wirkte Woods gemäss der Polizei lethargisch, er verweigerte auch einen Urintest. Die Ermittler vermuten, dass er ein Medikament oder eine Droge zu sich genommen hatte und Woods wurde wegen Fahruntüchtigkeit am Steuer und Verweigerung eines Tests im Zusammenhang mit dem Unfall angeklagt.

Nun kündigte Woods eine Auszeit auf unbestimmte Zeit an. Er wolle sich in Behandlung begeben und werde sich die Zeit nehmen, «die es braucht, um gesünder, stärker und konzentrierter zurückzukommen. Es ist gut möglich, dass Woods nach dem erneuten Skandal nicht nur nächste Woche beim Masters in Augusta fehlen wird, sondern dass er mit diesem Unfall auch seine beeindruckende Golfkarriere endgültig gecrasht hat. Es wäre ein trauriger Abgang.

 

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