Fertig Keller: Lugano nimmt den Gipfel wieder ins Visier
Spitzen-Nachholspiel in der Brack Super League: Beim heutigen (und Anfang Monat abgebrochenen) Duell zwischen dem FC Lugano und dem FC St.Gallen stehen Rang 2 und der Anschluss an Tabellenführer Thun auf dem Spiel. Speziell für die Tessiner eine grosse Chance, sich nach rund neunmonatigem Tiefflug wieder im Kreis der Titelanwärter anzumelden.
Ein Jahr zum Vergessen
Der FC Lugano im Jahr 2025? Das war über weite Strecken eine absolute Misserfolgs-Geschichte. Als Wintermeister und Meisterschafts-Mitfavorit in die Rückrunde 24/25 gestartet, liessen die Tessiner in den Folgemonaten nahezu überall alles anbrennen. Lediglich neun Siege in 24 wettbewerbsübergreifenden Pflichtspielen standen Mitte September zu Buche, darunter ein zweifaches Cup-Out gegen Promotionligisten, eine peinliche 0:5-Heimniederlage auf europäischem Niveau gegen NK Celje sowie ein natürlich um Meilen verpasster erster Meisertitel seit 75 Jahren. Hinzu kamen Schlagzeilen über Streitereien im Training und eine sportliche Krise, die in der neuen Saison nahtlos ihre Fortsetzung fand. Nach nur vier Punkten und Rang 11 nach sechs Runden, stellte sich deshalb eigentlich nur noch eine Frage: Wie lange noch für Trainer Mattia Croci-Torti ?
Den Sturm gemeistert
Nach heutigem Stand der Dinge kann man wohl sagen: Noch ziemlich lange. Denn der mit Abstand dienstälteste Super-League-Trainer zeigte diesen Herbst, dass er nicht nur kontinuierlichen Fortschritt (Lugano entwickelte sich in den ersten drei Jahren unter Croci-Torti zum beständigen Top 3-Klub und Titelanwärter) kennt, sondern mittlerweile auch Krise kann. Natürlich erhielt der gebürtige Chiassesi dafür auch mehr Zeit als viele seiner Berufskollegen, dass es dem 43-Jährigen schlussendlich aber gelang, die Bianconeri durch diese lange und tiefe Krise zu steuern, dürfte seinen Perspektiven auf dem Trainermarkt irgendwann einmal noch zuträglich sein. Denn zuletzt ging es für den FC Lugano (gezwungenermassen) nur noch in eine Richtung: Nach oben. Basierend auf einer Rückkehr zum bereits in der Hinrunde 2024 bewährten 4-2-3-1 und einer stabilisierten Defensive blieben die Tessiner zuletzt in sechs von sieben Speilen siegreich und könnten sich mit einem Sieg heute Abend sogar am Gegner aus der Ostschweiz sowie am FC Basel vorbeischmuggeln. Es wäre nach der noch im September allgegenwärtigen Krise ein bemerkenswerter Turnaround.
Steffen und Saipi: Zwei Gesichter der Krise – und des Aufschwungs
Denn noch vor zwei Monaten hatten die Wolken über dem Cornaredo eher die Tendenz, noch dichter und dunkler zu werden. Erst nach der Degradierung des zu Saisonbeginn schwächelnden Stammkeepers Amir Saipi (zugunsten David von Ballmoos‘), worauf sich der gebürtige Schaffhauser temporär weigerte, seine Ersatzrolle zu akzeptieren. Und dann vier Tage später, als sich Captain Renato Steffen im Heimspiel gegen Lausanne (1:1) so schwer verletzte (Lungentrauma mit Pneumothorax und Rippenfraktur), dass er seitdem kein Spiel mehr bestreiten konnte. Das Merkwürdige daran: Für Lugano schien Steffens Ausfall eine Art Weckruf, denn just nach dessen Ausfall starteten die Tessiner ihre bis heute anhaltende Erfolgsserie, zu der zuletzt auch Amir Saipi wieder seinen Teil beitrug. Aufgrund einer Verletzung von Ballmoos‘ wieder ins Tor zurückgekehrt, überzeugte der kosovarische Internationale in Basel und Thun mit zahlreichen Paraden und präsentierte sich im Anschluss auch in seinen Interviews versöhnlich. Gelingt es Lugano den aktuellen Spirit beizubehalten und dann auch Captain Steffen wieder zu integrieren, dürfte mit den Tessinern auch im weiteren Verlauf der Saison zu rechnen sein. Schliesslich wären die Tessiner nicht das erste Team, dass nach einem überstandenen Tief gestärkt aus der Krise hervorkommt.