GC zu wenig aggressiv und zu fehlerhaft
Für die Grasshoppers wird die Luft in der Super League nochmals dünner. Nach der 1:2-Niederlage im Zürcher Derby bemängelt Trainer Gerald Scheiblehner die Einstellung einiger Spieler.
Das 293. Zürcher Derby war für beide Teams die grosse Chance zum Befreiungsschlag. Die Fans des FC Zürich hatten mit dem Trainingsbesuch am Freitag die Bedeutung der Partie unterstrichen. Auch bei den Grasshoppers war man sich bewusst, dass in 90 Minuten einiges zu korrigieren ist, was in den Wochen zuvor schiefgelaufen war.
Entsprechend enttäuscht war Gerald Scheiblehner nach der Partie. Der Österreicher sprach Klartext: "Es war nicht genug. Einigen Spielern fehlte die nötige Aggressivität." Das Spiel sei eine grosse Chance gewesen, weil zwei Mannschaften auf Augenhöhe agiert hätten. "Es waren aber nicht alle in der Verfassung für so ein Derby."
In die Details ging Scheiblehner bei seiner Kritik nicht. Sicher ein Nachteil für die Grasshoppers war, dass Stürmer Michael Frey offensichtlich nicht ganz fit war und bereits zur Pause ausgewechselt wurde. Vom Neuzugang hätte die Schärfe und Giftigkeit kommen können, von der der Coach zu wenig sah oder erst zu spät. Die Reaktion von GC nach dem 1:2 zeigte recht deutlich, dass gegen den verunsicherten FCZ mehr möglich gewesen wäre.
Ja, es gebe positive Aspekte, die man aus dieser Partie mitnehmen könne, so Scheiblehner. "Es hat mir gefallen, dass wir nie aufgesteckt haben". Aber in der aktuellen Situation stehe das Resultat im Vordergrund und dieses sei sehr enttäuschend. "Ärgerlich!", nannte es der Coach in ruhigem Tonfall.
Die Ruhe will Scheiblehner auch in den nächsten Tagen nicht verlieren, auch wenn der Druck auf die Mannschaft und auf ihn persönlich nochmals steigen wird. Mit nur etwas mehr als 0,8 Punkten im Schnitt pro Spiel hat der Coach nicht viele Argumente auf seiner Seite. Die Qualifikation für den Cup-Halbfinal (Mitte April bei Stade Lausanne-Ouchy) ist sein bislang grösster Leistungsausweis bei GC.
"Es ist für alle hier unangenehm", beschreibt Scheiblehner gegenüber SRF die Situation in der Meisterschaft. Er ist aber überzeugt, dass nicht viel fehlt für bessere Resultate. Im Derby konnte sich GC nicht für eine gute Startphase mit einigen Torchancen belohnen und kassierte das Gegentor wie aus dem Nichts. Unaufmerksamkeiten kosten dem Vorletzten der Super League zu oft Punkte. Das 0:2 entsprang einem ambitionierten Spielaufbau der Grasshoppers von ganz hinten, der mit einem fatalen Fehlpass endete.
Lernen und Verbessern heisst es für die nächsten Spiele. Noch stehen 12 Runden an, die einiges verändern können. Aktuell allerdings ist GC mit sieben Punkten Vorsprung auf das Schlusslicht Winterthur und genauso viel Rückstand auf den rettenden 10. Platz recht deutlich auf Barrage-Kurs.
"Es ist nicht so, dass wir durch die Niederlage im Derby in den Abstiegskampf gekommen sind", so Scheiblehner. "Wir wissen schon die ganze Saison, dass wir gegen den Abstieg kämpfen." Vor zehn Jahren war der Rekordmeister letztmals zum Saisonende in der vorderen Tabellenhälfte klassiert, in den vergangenen beiden Spielzeiten gelang der Klassenerhalt erst in der Barrage.