Gut gewechselt: Avdullahu und Hajdari mit Kosovo auf Höhenflug
Sie gehören wahrscheinlich zu den meistdiskutierten Schweizer Fussballern der letzten Monate: Leon Avdullahu (21) und Albian Hajdari (22), beide mit Basler Vergangenheit und seit diesem Herbst in Diensten der kosovarischen Nationalmannschaft. Ein Entscheid, der die Fussball-Schweiz in Aufregung versetzte – und sich für die beiden Youngster bislang als genau richtig erwies.
Im Gleichschritt
Einst arbeiteten die Beiden gemeinsam im Nachwuchs des FC Basel an ihrem Profi-Traum, absolvierten gemeinsam eine KV-Lehre und liessen (und lassen) sich auf ihrem Weg vom selben Berater begleiten. Die Rede ist - natürlich - von Leon Avdullahu und Albian Hajdari, zwei Zukunftshoffnungen des Schweizer Fussballs, die einst gemeinsam für die Schweizer Nationalmannschaft hätten auflaufen sollen, nachdem sie dies in den Nachwuchsauswahlen bereits getan hatten. Dann trennten sich ihre Wege. Hajdari wechselt mit 18 zu Juve und von dort weiter nach Lugano, wo er sich zum Super-League-Leistungsträger und Nati-Kandidaten entwickelte. Der zehn Monate jüngere Avdullahu tat es ihm in Basel gleich. Im Frühjahr debütierte Innenverteidiger Hajdari im Freundschaftsspiel gegen Luxemburg in der Nati, wenige Wochen später feierte der defensive Mittelfeldmann Avdullahu seine ersten Titel mit Basel. Der Sprung in die Nati schien der logische nächste Schritte – bis er es nicht mehr war. Stattdessen wechselten die Beiden alten Freunde zur TSG Hoffenheim in die Bundesliga und entschieden sich dort wenig später, künftig für die Nationalmannschaft des Kosovo aufzulaufen.
Für den Kosovo – gegen die Schweiz
Ein Entscheid, dem hierzulande logischerweise nicht nur mit Verständnis begegnet wurde. Schliesslich waren die beiden Talente den hiesigen Verbands- und Nachwuchsförderungsstrukturen entwachsen, entschieden sich dann aber für die Heimat ihrer Vorfahren. Und dies nicht etwa, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Doppelbürgern im Schweizer Fussball keine Chance gehabt hätten, in der Nationalmannschaft Fuss zu fassen. Nein, Advullahu und Hajdari begründeten ihren Beschluss als „Entscheid des Herzens“ und „als Entscheid für den Kosovo und für die Chance, mit der jungen Nation etwas aufzubauen.“ Trotzdem werden die Beiden heute Abend erst einmal gegen die Schweiz antreten, im bis Dato grössten Spiel des jungen Landes. Und auch wenn die Chancen auf eine direkte WM-Qualifikation verschwindend klein sind – dass sie am letzten Quali-Spieltag überhaupt noch da sind, ist eigentlich schon eine mittelgrosse sportliche Sensation. Auch dank der beiden Basler Youngster, die in bislang drei gemeinsamen Spielen für ihre „neue-alte“ Heimat noch keinen einzigen Gegentreffer zugelassen und noch keine Niederlage kennengelernt haben.
Auch in der Bundesliga auf Höhenflug
Natürlich ist aus Schweizer Sicht die berechtigte Hoffnung da, der kosovarische Höhenflug möge heute Abend den zweiten Dämpfer in dieser WM-Qualifikation erleiden. Doch selbst wenn, dürfen sich Hajdari, Avdullahu und die übrigen „Schweizer“ wie Amir Saipi, Kreshnik Hajrizi und Fidan Aliti darauf freuen, im kommenden März in den WM-Playoffs den Sprung nach Nordamerika noch schaffen zu können. Bis dahin werden die Beiden weiterhin in der Bundesliga ihren Mann stellen, die seit dieser Spielzeit zu ihrer sportlichen Heimat geworden ist. Bei der grauen Maus aus Hoffenheim gehören Mittelfeldmann Avdullahu und Innenverteidiger Hajdari seit Saisonbeginn zum Stamm und haben gemeinsam mit Landsmann Fisnik Asllani (5 Saisontore) grossen Anteil am gegenwärtigen Höhenflug der Sinsheimer. Zuletzt holte die Truppe des österreichischen Trainers Christian Ilzer gar vier Siege in Folge (gegen St. Pauli, Heidenheim, Wolfsburg und Leipzig) und grüsst aktuell vom sechsten Tabellenplatz. Ein Aufstieg, den den Kraichgauern zu Saisonbeginn nur wenige zugetraut hatten. Aber mit der Rolle als überraschender Underdog, der seine Haut so teuer wie möglich verkauft, hat das Duo Avdullahu / Hajdari diesen Herbst ja bereits mehrfach gute Erfahrungen gemacht. Auch heute im Duell gegen die fast schon qualifizierte Schweiz?