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Ist die Zeit endlich reif für den Gottéron-Titel? Zwei Meinungen!

Fribourg-Gottéron führt im Playoff-Final gegen den HC Davos mit 2:1 Siegen und kann sich am Freitag mit einem Heimsieg drei Meisterpucks sichern. Klappt es also dieses Mal mit dem lange ersehnten ersten Meistertitel? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Gottéron feiert den Sieg gegen den HCD und führt in der Serie mit 2:1 – reicht es nun zum historischen Meistertitel? © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Andy Maschek sagt: Ja

Ganz klar: In diesem Jahr ist Gottéron-Time! Die Freiburger sind in der Lage, endlich erstmals in ihrer Geschichte Meister zu werden und die Titel-Dürre zu beenden. Gründe dafür sehe ich gleich mehrere.

Da ist Reto Berra, der Goalie, der weiss, wie man Meister wird, seit er 2009 mit dem HCD triumphierte. Er ist 39 Jahre alt und hat einen prall gefüllten Rucksack an Erfahrungen, auf die er in diesem Playoff-Final zurückgreifen kann, und hat nun die Chance, in Fribourg in die Geschichte einzugehen, bevor er zurück zu seinen Wurzeln geht und nach Kloten wechselt. Beim Sieg am Mittwoch in Davos war Berra mit 39 Paraden und 95,12 Prozent gehaltenen Schüssen ganz klar besser als sein Gegenüber Sandro Aeschlimann, dem zwar beim 2:1 von Filip Zadina ein Assist gelang, in dessen Statistik aber auch «nur» 24 Paraden und 88,89 Prozent gehaltene Schüsse standen. Es ist ein Wert, der nicht zu einem Titel reicht – und es sind Zahlen, die unterstreichen, weshalb vielerorts erhebliche Zweifel bestehen, ob Aeschlimann die Fähigkeiten hat, ein Meistergoalie zu werden. Ich sage: Nein. Der Emmentaler wird auch in den kommenden Spielen schwächeln.

Für Gottéron spricht auch die Tatsache, dass alle wissen, dass sie nun nur noch zwei Siege davon entfernt sind, in die Geschichte einzugehen und für immer und ewig Heldenstatus zu erlangen. Das kann Druck erzeugen – gleichzeitig ist es aber eine Mission, die enorme Kräfte freilegt und zu einem Gefühl der Unbesiegbarkeit führt. Gottéron ist mental im Vorteil und hat das Momentum auf seiner Seite, während der HCD nach einer problemlosen Saison mit (zu) vielen Siegen in die Enge getrieben ist und zuerst noch beweisen muss, dass er mit solchen Hindernissen umgehen kann.

Ein weiterer Faktor sind die Spieler. Christoph Bertschy präsentiert sich in überragender Verfassung und ist aktuell ein Erfolgsgarant. Marcus Sörensen ist rechtzeitig zurückgekehrt, um wieder mit seinem kongenialen Partner Lucas Wallmark zu zaubern. Jacob De La Rose sorgt für die nötige Stabilität, Yannick Rathgeb ist giftig, und Simon Seiler ist furchtlos, lässt die Muskeln spielen und ist eine der grossen Entdeckungen dieser Playoffs. Und Altmeister Julien Sprunger zeigt im Spätherbst seiner Karriere und kurz vor seinem Rücktritt, dass er nach wie vor über viel Qualität verfügt und war am Mittwoch mit einem Tor in der 89. Minute (auf Pass von Simon Seiler) der gefeierte Matchwinner. Gottéron ist so als Kollektiv in der Lage, die Ausfälle der Leistungsträger Andrea Glauser und Sandro Schmid verkraften. Zudem wollen alle ihrem Captain Julien Sprunger einen märchenhaften Abschied bescheren.

Last but not least kann Gottéron auch hinter der Bande auf meisterliche Qualitäten zählen. Der Schwede Roger Rönnberg gilt als ein Erfolgscoach und weiss, wie man ein Team auf eine grosse Aufgabe einstellt. Dazu kommt als Assistent Lars Leuenberger, der schon den SCB zum Meistertitel führte und der 2024 als Interimstrainer mit Gottéron den Spengler Cup gewann. Es war der erste Titel in der Vereinsgeschichte – und der hat Appetit auf mehr gemacht. Und genau diesen Hunger wird Fribourg-Gottéron in dieser Saison stillen und den HCD im Playoff-Final bezwingen.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Ich muss zugeben: Dass die Fribourger am heutigen 23. April zwei Siege vor dem Titel stehen, hätte ich nicht gedacht. Nicht nach dem beinahe fatalen Playoff-Auftakt gegen Rapperswil-Jona. Nicht nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Andrea Glauser, Sandro Schmid und Marcus Sörensen (der mittlerweile wieder zurückgekehrt ist). Und vor allem nicht angesichts der Konkurrenz aus Zürich und Davos, die ich ganz einfach stärker eingeschätzt habe.

Und klar: Dass die Fribourger im Halbfinale den ZSC Lions mit etwas Lausanner Unvermögen aus dem Weg gehen konnten, hat in der Saanestadt mit Sicherheit niemanden gestört. Schlussendlich aber hat sich der HCFG mit einer Art Post-Rappi-Sturmlauf die Tatsache verdient, dass man nun nach drei Finalspielen an die Türe zur Meistersuite klopft. Dass man dort in Kürze auch den Meisterpokal in die Höhe stemmen wird, glaube ich jedoch immer noch nicht.

Denn an der Schwelle stellt sich mit dem HC Davos noch immer der absolute Gigant der Schweizer Eishockeysaison 2025/26 in den Weg. Nicht mehr ganz so souverän wie in der 117 Punkte und 37 Siege schweren Regular Season, aber meiner Meinung nach noch immer fähig, im ultimativen Endspurt einen Gang hochzuschalten. Dass ein Stransky (sieben Punkte in den ersten beiden Playoffrunden) oder ein Ryfors (bis jetzt neun Punkte) im Finale weiter nicht skoren, glaube ich nicht. Genauso wenig, dass es den Fribourgern trotz einem starken Berra (93,07% Fangquote in der Serie gegen Davos) weiter gelingen wird, Spiele zu gewinnen, in denen sie eigentlich deutlich weniger offensive Akzente setzen als ihr Bündner Kontrahent, dabei jedoch deutlich effizienter agieren.

Womit ich bei den aktuell so heissen Drachen angelangt wäre. Seit dem in extremis abgewendeten Aus im Viertelfinale, fegen die Fribourger übers Eis, als sei eine riesige Last von ihren Schultern gefallen. Plötzlich agieren sie diszipliniert anstatt dämlich, überzeugt ein Wallmark wieder mit Toren und ist Gottéron mit so viel Energie unterwegs, dass auch ein historisch schlechtes Powerplay (3,39% Erfolgsquote über die gesamten Playoffs) einfach weggesteckt wird. Was aber, wenn sich der Kopf wieder einschaltet, in einem Klub, der noch nie so nahe vor dem grossen Ziel stand, wie gerade jetzt? Spätestens nach dem nächsten Sieg wird die aktuelle Hoffnung in gewisser Weise einer Erwartung weichen, kann man gefühlt plötzlich wieder etwas verlieren. Dann wird sich zeigen, ob Fribourg-Gottéron unter Roger Rönnberg wirklich bereit ist, um den Titel zu gewinnen. Ich glaube aktuell nicht daran.

 

 

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