Kein Schnee in Cortina d’Ampezzo
Vor 70 Jahren ist die Sportwelt bereits einmal in Cortina d’Ampezzo zu Gast. Doch im Winter 1956 fehlt in den Dolomiten ein essenzielles Gut: Schnee. Die Schweiz holt dreimal Gold.
Cortina d’Ampezzo werde "immer als Winterspiele der Rekorde in Erinnerung bleiben", schrieb die Schweizer Fachzeitung "Sport" am 8. Februar 1956, drei Tage nach der Schlussfeier der siebten Olympischen Winterspiele, auf ihrer Titelseite. Ganz recht hatte der Schreiber damit nicht. Die genannten Rekordzahlen, 32 (teilnehmende Länder), 947 (gestartete Athleten) und 24 (Anzahl Konkurrenzen), nehmen sich heute, 70 Jahre später, ziemlich bescheiden aus.
Im Gegensatz zu den folgenden Sommerspielen in Melbourne, die wegen der sowjetischen Niederschlagung des Ungarn-Aufstands und der Suez-Krise von einigen Nationen - darunter der Schweiz und Liechtenstein - boykottiert wurden, hatte Cortina Glück und blieb von politischen Spannungen weitgehend verschont. Der Nobel-Ferienort in den Dolomiten hatte sich bei der Wahl gegen die drei nordamerikanischen Kandidaten Montreal, Colorado Springs und Lake Placid durchgesetzt, nachdem er 1944 bereits einmal hätte Austragungsort sein sollen.
Grösste Herausforderung war 1956 der schneearme Winter. Lastwagenweise musste die italienische Armee die weisse Pracht in die Berge karren, um die Wettkämpfe möglich zu machen. Die Schweizer Athletinnen und Athleten waren erfolgreich. Die Waadtländerin Madeleine Berthod gewann Gold in der Abfahrt, die Genferin Renée Colliard im Slalom und der Zürcher Franz Kapus mit seinem Viererbob-Team. Auch diesmal werden die Wettkämpfe der Skifahrerinnen und der Bobfahrer in Cortina ausgetragen.
Der grosse Star war 1956 der Österreicher Toni Sailer. Der "Blitz aus Kitz" triumphierte im Alter von 20 Jahren in allen drei Männerrennen - mit 3,5 Sekunden Vorsprung in der Abfahrt, 4 Sekunden im Slalom und sagenhaften 6,2 Sekunden im Riesenslalom.