Königlicher erster Wettkampftag von Werner Schlegel
Werner Schlegel geht als Führender in den zweiten Tag des Eidgenössischen Schwingfests in Mollis. Während viele Favoriten straucheln, mausert sich der Toggenburger zum Königskandidaten Nummer 1.
Viermal angetreten, viermal gewonnen. Nach dem ersten Tag des Saisonhöhepunktes im Kanton Glarus können dies nur zwei Schwinger von sich behaupten: Werner Schlegel und Fritz Ramseier. Während der eine vor dem Fest zu den meistgenannten Favoriten gezählt hatte, ist die Spitzenklassierung des anderen eine faustdicke Überraschung.
Schlegel, der Toggenburger Spitzenschwinger, pflügte sich regelrecht durch die ihm zugeteilten Gegner. Im Anschwingen bodigte er den Zuger Hünen Pirmin Reichmuth, als wäre es das einfachste auf der Welt. Auch Lukas Bissig und Matthias Herger hatten dem 22-Jährigen nichts entgegenzusetzen. Das Husarenstück gelang Schlegel im 4. Kampf, als er kurz vor Ablauf der Gangdauer einen Angriff von Fabian Staudenmann konterte und zum Resultat kam.
"Pure Freude" habe er verspürt, als das Resultat vom Kampfrichterpult bestätigt worden war. Es sei ein von Taktik geprägter Gang gewesen, in dem nicht er, sondern sein Gegner unter Zugzwang gewesen sei. "Einen Gestellten hätte ich besser verkraften können als Staudenmann. Am Schluss hat er attackiert, ich habe meine Chance gesehen und sie genutzt."
Schlegel hat am Sonntag die grosse Chance, die 18 Jahre andauernde Durststrecke seines Verbandes zu beenden und der erste König aus der Nordostschweiz seit Jörg Abderhalden 2007 zu werden. Ein Viertelpunkt beträgt sein Vorsprung auf Überraschungsmann Fritz Ramseier. Domenic Schneider und Curdin Orlik im geteilten 3. Rang liegen bereits einen Punkt zurück, König Joel Wicki und Armon Orlik nach ihrem gestellten 4. Gang gar schon 1,5 Punkte.
Fritz Ramseiers Auftritt am Samstag erinnerte an jenen von Adrian Odermatt vor drei Jahren. In Pratteln hatter der Teilverbandskranzer aus der Nordwestschweiz nach dem ersten Tag überraschend mit vier Siegen geführt. Ramseier, der ebenfalls noch keinen eidgenössischen Kranz gewonnen hat, weist nach dem ersten Wettkampftag auch vier Siege aus.
Zufall ist es nicht, dass der 31-jährige Emmentaler ganz vorne in der Rangliste anzutreffen ist. Ramseier legte nach dem Teilverbandskranzer Johann Borcard drei Eidgenossen ins Sägemehl. Erst bezwang er das Luzerner Schwergewicht Sven Schurtenberger, dann den St. Galler Mitfavoriten Damian Ott, ehe er auch gegen den nach zwei Gängen Führenden Nordwestschweizer Joel Strebel gewann.
"Ich bin zufrieden, es ist gut gelaufen", sagte Ramseier ziemlich cool. Ob er der Überraschungsmann sei? "Ich weiss nicht, äuä scho." Druck, und dies nimmt man ihm ab, verspüre er aufgrund der guten persönlichen Ausgangslage und in Anbetracht der ansonsten teilweise arg zurückgebundenen Verbandskollegen nicht. "Ich will dem Team so gut es geht helfen. Morgen sind die Berner an der Reihe."