Kym begeistert die US-Fans trotz knapper Niederlage
Der verblüffende Qualifikant Jérôme Kym scheidet beim US Open in der 3. Runde aus - jedoch nach einem grossen Kampf. Er unterliegt der Weltnummer 4 Taylor Fritz 6:7 (3:7), 7:6 (11:9), 4:6, 4:6.
Jérôme Kym spielt am späten Freitagabend New Yorker Zeit erstmals in einer Riesenarena, dem Louis Armstrong Stadium mit rund 14'000 Fans, erstmals gegen einen Top-Ten-Spieler - und der 22-jährige Aargauer begeistert auch hier. Selbst, wenn es nach fast genau drei Stunden eine Niederlage gibt.
Kym hatte inklusive Qualifikation bereits fünf Matches in den Knochen, darunter in der 2. Runde der viereinhalbstündige Marathon gegen Brandon Nakashima. Zweieinhalb Sätze lang ist zwischen der Nummer 175 der Welt und dem Vorjahresfinalisten nicht der geringste Klassenunterschied zu sehen. Sogar die amerikanischen Fans bringt Kym gegen die grösste US-Hoffnung zumindest zwischenzeitlich mit seinem couragierten und furchtlosen Auftritt auf seine Seite.
Im Duell zweier starker Aufschläger entscheiden Details. Das erste Break gelingt erst Fritz zum 4:3 im dritten Satz, mit dem ersten Breakball der Partie überhaupt. Damit ist eine Vorentscheidung gefallen, denn nach dem verlorenen dritten Satz muss sich Kym an der Schulter behandeln lassen, der so wichtige Aufschlag verliert danach viel von seiner Wirkung. Doch der Aargauer kämpft bis zum Ende und schafft beim Stand von 1:4 sogar noch das erste Break. Da huscht auch ein Lächeln über sein Gesicht.
Zurecht: Trotz der Niederlage kann er seinen grossen Auftritt auch geniessen und wird verschiedentlich mit einer Standing Ovation der Fans belohnt. Kym hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht., doch mit dem 20. Ass macht Fritz den Sack zu.
Die ersten beiden Sätze wurden logischerweise in Tiebreaks entschieden. Im ersten unterliefen Kym zwei Vorhandfehler zu viel, was ein Spieler von der Klasse von Fritz sofort nutzte. Im zweiten Durchgang wehrte der Fricktaler drei Satzbälle - zwei davon bei Aufschlag des Amerikaners - ab.
Vom Publikum gab es dafür zum Teil Szenenapplaus, auch, nachdem die deutsche Schiedsrichterin Kym nach einer krachenden Vorhand den Punkt aberkannte, weil er angeblich zu laut gestöhnt hatte. Würde man diesen Massstab regelmässig anwenden, gäbe es in fast jedem Match mehrere aberkannte Punkte. Bei einem gesetzten Spieler wäre dies mit Sicherheit nicht passiert.
Am Ende war dies eine Randnotiz. Für den in der Vergangenheit so oft von Verletzungen, darunter eine schwere Knieoperation, zurückgeworfenen Kym ist das US Open ein Durchbruch, den es nun zu bestätigen gibt. Er wird im Ranking in etwa auf Platz 153 vorstossen, sein derzeitiges Niveau ist jedoch weit besser.