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Leichtathletik-EM: Überfliegerin Werro und andere Medaillen-Hoffnungen

Andy

Aktuell kämpft die europäische Leichtathletik-Elite in Birmingham um EM-Medaillen. Auch mehrere Schweizer Athletinnen und Athleten liebäugeln mit Edelmetall – allen voran die Freiburgerin Audrey Werro.

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Audrey Werro will auch an der EM ihren Löwenjubel und den Gegnerinnen die Krallen zeigen. © KEYSTONE/Claudio Thoma

Rund 1650 Sportlerinnen und Sportler aus 49 Nationen bestreiten in Birmingham die Wettkämpfe. Es sind so viele wie noch nie. Mit dabei sind auch 67 Schweizerinnen und Schweizer, die wie vor zwei Jahren in Rom glänzen wollen. Damals, an der EM 2024, gewann die Schweiz neun Medaillen. Es war der nationale Rekord an einer Freiluft-EM.

Selbstverständlich lebt auch nun wieder der Traum von Edelmetall. Wohl am meisten bei Audrey Werro. Die 22-jährige Freiburgerin ist die Überfliegerin der Saison. Nach ihrer Silbermedaille bei der Hallen-WM in Torun lief sie Ende Juni in Paris über 800 Meter mit 1:53,80 Minuten eine Fabelzeit. Damit ist sie die schnellste Frau des laufenden Jahrtausends über diese Distanz und gehört in Birmingham zu den Top-Favoritinnen. Sie hat gute Chancen, ihren Löwen-Jubel zu zeigen, der in einem Motivationsspruch ihres Vaters Claude begründet ist. «Er hat mir in meiner Kindheit vor Wettkämpfen immer gesagt: Sei nicht schüchtern, sei eine Löwin!», verriet Audrey jüngst dem Sonntagsblick.

Nr. 3 in der ewigen Bestenliste

Und sie zeigt den Gegnerinnen tatsächlich ihre Krallen. Sie reiht Sieg an Sieg und dominiert die 800-m-Strecke. In der Diamond League startete sie dreimal und gewann ebenso oft. Und sie hat einen beeindruckenden Grundspeed: Zweimal blieb sie unter der magischen 1:54-Minuten-Marke. In Paris verpasste sie den scheinbar unknackbaren Uralt-Weltrekord um gerade mal 52 Hundertstel. Nur zwei Frauen sind die Distanz jemals schneller gelaufen als die Freiburgerin: die tschechoslowakische Weltrekordhalterin Jarmila Kratochvilova (1:53,28 Minuten im Jahr 1983) und die für die Sowjetunion antretende Nadezhda Olizarenko (1:53,43 Minuten im Jahr 1980).

Die wohl heisseste Gegnerin in Birmingham ist Titelverteidigerin Keely Hodgkinson. Die 24-jährige Britin – Olympiasiegerin, Hallenweltmeisterin und Europameisterin – ist in ihrer Heimat ein Superstar und geniesst den Heimbonus. Sie ist damit die grosse Rivalin von Werro, die ihrerseits cool bleibt und sagt: «Für mich ist es sehr gut, dass es eine andere Athletin gibt, die ebenso schnell ist. Wir können uns zu neuen Bestzeiten pushen.» Wobei «ebenso schnell» nicht ganz zutrifft: Die persönliche Bestzeit der Schweizerin liegt bei den erwähnten 1:53,80 Minuten, jene der Britin bei 1:54,33 Minuten.

Medaille als Ziel, Gold als Traum

Damit geht Werro heute als Favoritin in die Vorläufe. Der 800-m-Final der Frauen steht dann am Freitagabend um 22.46 Uhr auf dem Programm. «Mein Ziel ist eine Medaille. Gold wäre ein Traum, aber jede Medaille ist sehr gut, weil die Konkurrenz in Europa sehr stark ist», sagt Werro, die wohl früher oder später auch den Uralt-Weltrekord von Jarmila Kratochvilova knacken wird. Es ist der älteste Leichtathletik-Weltrekord, aufgestellt am 26. Juli 1983 in München. So sagte zuletzt SRF-Expertin Ellen Sprunger: «Audrey wird diesen Weltrekord brechen, davon bin ich überzeugt. Sie hat Qualitäten, die nur ganz wenige mitbringen. Das hat man schon früh gesehen. Mich überrascht nur, dass sie schon mit 22 Jahren so stark ist.»

Neben Werro hat die Schweiz aber auch noch andere Trümpfe im Medaillenkampf, auch wenn am Montag zwei Kandidaten leer ausgegangen sind. Géraldine Di Tizio-Frey verpasste über 100 m die Bronzemedaille um den Hauch von einer Hundertstelsekunde. Und Dominic Lobalu, vor zwei Jahren noch Dritter über 5000 m, beging taktische Fehler, leistete Führungsarbeit und verpuffte so Kraft, die ihm am Ende fehlte. Statt der erhofften Medaille blieb ihm nur Rang 7. Lobalu bekommt am Samstag aber eine zweite Chance. Über 10'000 m tritt er als Titelverteidiger an und ist erneut ein ernsthafter Medaillenkandidat. Jetzt sagt er: «Das war dumm von mir, ich weiss, dass ich einen Fehler gemacht habe, am Samstag will ich das korrigieren!»

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Simon Ehammer peilt im Weitsprung eine Medaille an.

Ehammer, Kambundji, Moser…

Simon Ehammer, der an dieser EM den Zehnkampf auslässt und auf den Weitsprung fokussiert, peilt seine dritte Medaille in dieser Disziplin an Grossanlässen an. 2022 gewann er WM-Bronze und 2024 EM-Bronze. Ende Mai verbesserte er mit 8,51 m den Schweizer Rekord im Weitsprung und ist in der Weltbestenliste 2026 die Nummer 2 hinter dem dominierenden Griechen Miltiadis Tentoglou (8,66 m). Ein kleines Fragezeichen besteht allerdings, weil Ehammer zuletzt an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel laboriert hat.

Einige Sorgen bereitet auch Ditaji Kambundji. Als amtierende Weltmeisterin ist sie über 100 Meter Hürden die grosse Favoritin. Allerdings hat sie sich Ende Juni eine Oberschenkelzerrung zugezogen und gab erst vor wenigen Tagen grünes Licht für ihren EM-Start. Eine Verletzung plagte zuletzt auch Stabhochspringerin Angelica Moser, die als Titelverteidigerin antritt, sich aber schnell von ihrer Bänderverletzung erholte und auch aufgrund ihrer vier Diamond-League-Podestplätze in dieser Saison eine Schweizer Medaillenhoffnung ist. Auch Annik Kälin hat Ambitionen, stellte in dieser Saison im Siebenkampf zweimal Schweizer Rekord auf und hält die Jahresweltbestleistung. .

Mujinga Kambundji ist Titelverteidigerin über 200 Meter, doch nach ihrer Babypause dürfte sie noch zu weit von ihrer Topform entfernt sein. Auch die Rom-Helden Timothé Mumenthaler (Gold über 200 m), William Reais (Bronze über 200 m) und Jason Joseph (Dritter über 110 m Hürden) wissen, wie es sich auf dem Podest anfühlt. Und der ehemalige Orientierungsläufer Matthias Kyburz hat den Wechsel auf die 42,195 Kilometer lange Marathonstrecke erstaunlich gut gemeistert und Ende 2025 in New York Rang 4 belegt. Nun strebt der Fricktaler Edelmetall an.

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