Mailänder Derby mit viel Swissness
Leader Inter Mailand gegen den Tabellendritten AC Mailand: Am Sonntagabend kommt es in der Serie A zum Spitzenkampf, der auch bei uns brennend interessiert – schliesslich ist auch ein Schweizer Quartett involviert.
Am Sonntagabend steigt im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion das Derby della Madonnina. Es ist ein Highlight in der italienischen Fussballagenda, und dies umso mehr, weil beide Klubs in der Serie A vorne mitmischen. Inter ist der aktuelle Leader, die AC folgt noch hinter der AS Rom und vor Titelverteidiger Neapel auf Rang 3. Aus Schweizer Sicht speziell ist dieses Derby vor allem, weil mit Yann Sommer, Manuel Akanji, Ardon Jashari und Zachary Athekame gleich vier aktuelle, ehemalige oder künftige Nationalspieler involviert sind.
Goalie Yann Sommer steht bereits die dritte Saison im Tor von Inter Mailand, und dies mit Erfolg. Im ersten Jahr wurde er gleich Meister und in der zweiten Saison reichte es in der Champions League bis in den Final, in dem es dann aber gegen Paris Saint-Germain eine heftige 0:5-Ohrfeige absetzte. Und auch in dieser Saison läuft es bemerkenswert, auch wenn Sommer zwischendurch zwei Spiele auf der Ersatzbank verbrachte. Inter ist in der Champions League nach vier Spielen ohne Verlustpunkte und liegt in der Serie A mit acht Siegen und drei Niederlagen (gegen Udinese, Juventus und Napoli) an der Tabellenspitze. Sommers Bilanz gegen Stadtrivale Milan ist dagegen lediglich ausgeglichen – in seiner Statistik in der Meisterschaft und der Supercoppa stehen zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden sowie acht Gegentore, aber noch kein Spiel, in dem er die Null festhalten konnte.
Premiere für Akanji
Für Manuel Akanji wird es am Sonntag das erste Mailänder Derby, nachdem er erst kurz vor Ende des Sommertransferfensters in einem Leihgeschäft von Manchester City zu Inter gewechselt hatte, gleichzeitig spielt er erstmals überhaupt gegen die AC Milan. Und die persönlichen Vorzeichen stehen gut. Er habe sich in Mailand gut eingelebt, verriet Akanji während des letzten Nati-Zusammenzugs: «Zu Beginn wechselten wir von Hotel zu Hotel, danach zu zwei Airbnb's und vorübergehend in eine Wohnung. Seit zehn Tagen sind wir in unserer definitiven Wohnung. Der Umzug war der schwierigste Teil für unsere drei Kinder, auch gilt es, für sie eine neue Schule zu finden. Es gibt immer noch viele Dinge zu regeln, aber es kommt sehr gut.» Obwohl alles so schnell ging, habe er sich bei Manchester City später doch noch verabschieden können, «ich habe für die Spieler ein Nachtessen organisiert, fast alle sind gekommen».
Er sei in Mailand gut angekommen, was natürlich leichter falle, weil er auch spiele. «Es läuft, wir sind endlich Erster und dürfen gerne da oben bleiben. Der Fussball in Italien ist anders als in England. Die Serie A ist weniger physisch als die Premier League. Viele italienische Teams spielen in einem 3-5-2 oder so ähnlich, es hat weniger schnelle Flügelspieler. Auch wird kontrollierter gespielt und öfters mit Flanken von der Seite zur Mitte. Das liegt mir, ich glaube, meine Leistungen waren bis anhin gut», so Akanji, der bei Inter unumstrittener Stammspieler ist. Gemäss Transferexperte Gianluca Di Marzio steht auch bereits fest, dass Inter nach der Saison die Kaufoption ziehen und den Innenverteidiger für 15 Millionen Euro übernehmen wird. Die «Gazzetta dello Sport« beschrieb die Leihe zuletzt als «Jackpot» und schrieb: «Wenn es einen Schritt gibt, den man ohne grosses Nachdenken tun sollte, dann ist es, diesen Scheck über 15 Millionen für City auszustellen und ihn zu einem vollwertigen Inter-Spieler zu machen.» Akanji selber hatte kürzlich noch gesagt: «Wer weiss, was dann im nächsten Sommer passiert. Stand jetzt würde ich nach dem Leihende aber sehr gerne bei Inter bleiben.»
Wie Akanji spielen auch Ardon Jashari und Zachary Athekame seit dieser Saison in Italien, allerdings bei der AC Milan. Jashari wechselte nach einem längeren Poker für stattliche 36 Millionen Euro von Brügge zur Milan, zog sich aber bereits Ende August im Training einen Wadenbeinbruch zu und war seither zum Zuschauen verdammt. Anfang November kehrte der Mittelfeldspieler gegen die AS Rom und Parma wieder in den Kader zurück, wurde aber noch nicht eingesetzt. Gut möglich, dass er nun gegen Inter zu seinem Comeback kommt.
Ebenfalls im Sommer wechselte Zachary Athekame nach Italien, ging von YB zu Milan – für eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro. Seither kam er in sieben Meisterschaftsspielen und einem Cupmatch zum Einsatz und erzielte gegen Pisa sein erstes Serie A-Tor. «Ich habe bei Milan unterschrieben, weil ich Ziele habe. Ich behalte sie lieber für mich, aber ich möchte sie erreichen. Deshalb habe ich auch nicht gezögert, als mein Agent mir von der Möglichkeit erzählte, dort zu unterschreiben«, erklärte er kürzlich in einem Interview. «Ich bin nicht herumgesprungen oder habe vor Freude geschrien. Ganz und gar nicht. Aber ich bin natürlich glücklich und stolz, das schon. Aber mir war sofort klar, dass ich Ja sagen würde.» Wenn er an diesen Verein denke, denke er an Ronaldinho, Kaká, Maldini, so Athekame, «das sind Legenden, es ist unglaublich, in ihre Fussstapfen zu treten».