Malorie Blanc zwischen Euphorie und Olympia-Blues
Mit dem ersten Weltcupsieg im Super-G von Crans-Montana sorgt Malorie Blanc unlängst für ein in dieser Saison rares Erfolgserlebnis der Schweizer Speedfrauen. Bei Olympia läuft es ihr aber noch nicht.
Noch ist Malorie Blanc nicht so recht bei Olympia angekommen. Vor ihrem ersten Einsatz in der Abfahrt vom Sonntag sagte die 22-jährige Walliserin, sie sei noch "am Beobachten, am Entdecken" und sie finde erst langsam heraus, warum Olympia für viele Athletinnen so wichtig sei. Blanc ist ein Olympia-Neuling, der in der letzten Saison mit dem 2. Platz in der Abfahrt von St. Anton wie ein Wirbelwind an der Spitze auftauchte. Ähnlich überraschend kam Ende Januar im Super-G von Crans-Montana der erste Weltcupsieg.
Noch aber fehlt es der Unterwalliserin an Konstanz. Eine Wiederholung des Exploits in der Heimat wäre im Olympiarennen vom Donnerstag eine grosse Überraschung. Sie findet die Strecke Olimpia delle Tofane zwar "richtig spannend", fand aber in den Abfahrtstrainings und dem Rennen keinen Zugang dazu. Es fehlen ihr die technischen Schwierigkeiten, in den langen Kurven und den flacheren Passagen verfügt sie nicht über die geforderten Gleiterfähigkeiten. Auch wenn sie sich überzeugt zeigt, dass sie in dem Bereich Fortschritte gemacht habe.
Crans-Montana scheint in diesen Tagen, da sich das auch von Verletzungen gebeutelte Schweizer Speedteam wie schon zuvor in dieser Saison schwer tut, weit weg. Blanc kann in ihrem Alter und mit wenig Erfahrung kaum die Teamleaderin sein. "Freude", verspüre sie über den überraschenden Sieg in der engeren Heimat, "aber ansonsten merke ich persönlich keinen grossen Unterschied."
Dennoch macht es stark den Anschein, dass der Erfolg in Crans-Montana Blanc stärker ausgelaugt hat, als sie selber denkt. In der Abfahrt war sie mit Platz 20 die schlechteste des Schweizer Quartetts. Folgerichtig wurde sie für die Team-Kombination nicht aufgeboten. "Wir haben in den letzten Tagen eine mentale Müdigkeit bei Malorie festgestellt", erklärte der Cheftrainer Brat Tschuor den Entscheid.
"Meine Saison ist jetzt schon richtig gut", stellte Blanc fest. "Und ich bin noch jung, das sollte man nicht vergessen." Das erklärt vielleicht den Leistungsabfall, der sich in Cortina schon in den Trainings abgezeichnet hat. Nach der Abfahrt sprach sie zwar von "einer guten Erfahrung" in ihrem ersten Olympiaeinsatz. Trotzdem hatte auch sie mehr von sich erwartet.
Das möchte sie nun im Super-G am Donnerstag (11.30 Uhr) nachholen. Eine Medaille zu erwarten wäre wohl vermessen. Neben den beiden Podestplätzen stehen bislang nur zwei weitere Ränge in den Top 10 in Blancs Palmarès. Den 12. Platz von der WM im letzten Jahr in Saalbach möchte sie aber zumindest verbessern.
Und wer weiss: Mittlerweile hat sie den Trubel mit dem ersten Weltcupsieg und den ziemlich überwältigenden ersten Eindruck im Olympiatrubel nun etwas hinter sich gelassen und kann wieder befreit Ski fahren. Das war wohl die Absicht der Trainer, ihr ein paar Tage Pause zu geben, um den Kopf zu lüften.