Auch über Harry Kanes Chancen auf den Gewinn des Ballon d'Or sowie über ein mögliches Engagement von Julian Nagelsmann bei Manchester United wurde diskutiert.
Oliver Kahn über …
… Jürgen Klopps Aussage zu Kompanys Spielsystem gegen Arsenal (2:2) in der Champions League: "Ich habe erst nachdenken müssen, ob er Nationaltrainer ist oder immer noch Fussballexperte. Das war so eine typische Fussball-Experten-Aussage, die er da gemacht hat. Dass das natürlich auch als Kritik an einem Vereinstrainer gewertet werden könnte. Ich glaube, das sollte Jürgen Klopp schon auch klar sein. […] Das hat er damals auch schon angefangen mit dieser, für mich schwierigen Aussage, die ja dann irgendwo im Überschwang gefallen sein soll, über Julian Nagelsmann, als gesagt wurde, er sei Noch-Bundestrainer. Ich glaube, es geht hier auch ein bisschen um Kollegialität unter den Trainern. Und ich glaube, gerade ein Bundestrainer muss schon genau wissen, was er da sagt. Denn das könnte natürlich, und das passiert ja genau jetzt, dazu führen, dass wir über diese Worte diskutieren. Mich haben die Worte überrascht, weil man das von einem Bundestrainer normalerweise nicht kennt."
… über Harry Kanes Auftritt gegen Arsenal: "Ich hatte gegen Arsenal zum ersten Mal das Gefühl, dass die Mannschaft insgesamt etwas vorsichtiger agiert hat. Ob Harry Kane, der seine Qualitäten auch im Mittelfeld hat, allein dadurch, dass er überragende Pässe spielen kann, sich mal ins Mittelfeld fallen lässt, okay. Das kann man nachvollziehen. Dass er allerdings am eigenen Sechzehner spielt, das fand ich ehrlich gesagt zumindest fragwürdig. [...] Im Grunde ist seine Position klar: Er soll als Mittelstürmer Tore machen. Dass sich einer, der Tore machen soll, auch mal ins Mittelfeld fallen lässt, weil er dort ebenfalls Qualitäten hat, Stichwort Passspiel, finde ich normal. Nur musst du natürlich aufpassen, dass du dadurch nicht das gesamte Gefüge durcheinanderbringst. Und die anderen dann gucken: Okay, wir haben unseren Mittelstürmer jetzt plötzlich hier am Elfmeterpunkt. Ob das vom Trainer tatsächlich so gewollt war, wage ich zu bezweifeln."
… über den ausgedünnten Kader des FC Bayern München: "Es fällt im Moment schon auf, dass derzeit nicht die beste Mannschaft des FC Bayern zusammenspielen kann, auch wegen der Ausfälle. Aber dann sieht man, und das war bei Bayern auch in der Vergangenheit schon so, immer die Frage: Wenn drei oder vier Top-Leute ausfallen, wie hoch ist dann die Qualität? Die Qualität ist immer noch enorm hoch. Aber ist sie auch so hoch, dass du mit diesen Spielern noch drei Titel gewinnen kannst? Das ist immer die entscheidende Fragestellung. Die wichtigste Antwort darauf ist, dass es eine Philosophie gibt. Und diese Philosophie finde ich auch okay und richtig. Dass man sagt: Nein, wir besetzen manche Kaderpositionen nicht mit einem 80-Millionen-Euro-Spieler und noch einmal mit einem 100-Millionen-Euro-Spieler, sondern auch mit jungen Spielern, die von hinten nachkommen und möglicherweise aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen werden. Das ist einfach eine Philosophiefrage. Und eben nicht zu sagen: Okay, ich besetze jede Kaderposition ausschliesslich mit absoluten Top-Spielern, so wie man es bei Arsenal oder Paris sieht."
… über den Anteilsverkauf des FC Bayern München an die Viessmann Generations Group: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man einen neuen Partner aufgenommen hat, weil es irgendwelche Liquiditätsprobleme oder sonstige Probleme gibt. Ich glaube, das ist vollkommen richtig. Das zeigt einfach die Zusammenarbeit des FC Bayern mit strategischen Investoren. Ich würde sie immer als strategische Investoren, also langfristige Partner, bezeichnen. Das ist auch ein Erfolgsrezept der vergangenen Jahre gewesen. Natürlich stellt sich die Frage, wofür das Geld letztendlich verwendet wird. Da gibt es dann immer ein paar Floskeln wie Stärkung der Eigenkapitalbasis und so weiter. Aber interessant wird schon sein, wohin das Geld fliesst und ob investiert wird. Es gab ja auch immer wieder die Diskussion, dass an der Säbener Strasse Investitionen notwendig sind, um den Klub weiterzuentwickeln. Letztendlich sieht man aber auch, dass sich das Geschäft weiterentwickelt, Stichwort Spielergehälter. Es wird ganz bestimmt nicht günstiger werden, einen Harry Kane zu verlängern oder einen Michael Olise halten zu wollen. Diese Top-Spieler sind in Europa bei absoluten Top-Klubs gefragt, die maximale finanzielle Möglichkeiten haben. Und ich glaube, in dieser Konstellation zusätzliche finanzielle Mittel zu generieren, ist grundsätzlich nichts Verkehrtes. [...] Ich kann mir nicht vorstellen, dass da im Moment irgendeine Krisensituation beim FC Bayern vorliegen soll. Das glaube ich nicht. Ich kann mir gut vorstellen, wenn man sich Fussballklubs anschaut und wie sie aktuell bewertet werden, dass das immer auch von der Bewertung abhängt. Wenn wir von 6,5 bis 6,7 Prozent sprechen, dann läge die Bewertung nach der Kapitalerhöhung bei ungefähr 3,75 bis vier Milliarden Euro. Und man muss die Entwicklung sehen, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden hat. Ich glaube, es macht immer dann Sinn, Anteile abzugeben, wenn auch die Bewertung stimmt."
… über Harry Kanes Chancen auf den Gewinn des Ballon d'Or: "Ich finde schon, dass Harry Kane das absolut verdient hätte. Zum einen aufgrund seiner Toranzahl. Aber er ist ja nicht nur, und das hat er auch gezeigt, was wirklich grandios ist, jemand, der Tore erzielt. Er ist auch jemand, der Tore vorbereitet. Er ist ein absoluter Leader, und zwar ein angenehmer Leader. Einer, bei dem die Mannschaft nicht das Gefühl hat: Der nervt oder der setzt uns permanent unter Druck. Das ist auch sehr wichtig. Champions-League-Halbfinale, WM-Halbfinale, also überall sehr weit gekommen und überall seinen Anteil daran gehabt. Ich weiss natürlich, dass beim Ballon d'Or oft diejenigen bevorzugt werden, die am Ende die Champions League oder möglicherweise die WM gewonnen haben. Aber unterm Strich, wenn man nicht nur Titel bewertet, hätte er es für mich absolut verdient."
… über Julian Nagelsmann und ein mögliches Engagement bei Manchester United: "Aus seiner Sicht ist das keine einfache Situation. Er ist jetzt nicht derjenige, der die ganz grossen Erfahrungen hat, gerade was ausländische Teams betrifft. Die Premier League und Manchester United sind nicht dafür bekannt, in den vergangenen Jahren eine besondere Kontinuität auf der Trainerposition gehabt zu haben. [...] Er muss sich schon fragen: Was ist jetzt mein nächster Schritt? Muss der sitzen? Oder verbinde ich ihn direkt mit einem enormen Risiko wie Manchester United, wo im Grunde jeder Trainer in den letzten Jahren früher oder später gescheitert ist? Bayern München und die Nationalmannschaft waren für ihn schon Einschläge. Da musst du dir gut überlegen: Wo liegen meine Stärken? Welchem Verein kann ich wirklich helfen? Ich glaube, Julian ist jemand, der einen Klub und eine Mannschaft entwickeln und weiterentwickeln kann. Ob Manchester United dafür der richtige nächste Schritt ist, kann nur er selbst wissen."
Markus Söder über …
… Jürgen Klopps Aussage zu Kompanys Spielsystem gegen Arsenal (2:2) in der Champions League: "Er darf alles sagen. Wir leben in einem freien Land, und Jürgen Klopp ist eine Wahnsinns-Persönlichkeit. Alle sind froh, dass er Bundestrainer ist. Natürlich darf er seine Meinung äussern. Ich habe mich allerdings ein bisschen gewundert. Erstens darüber, wie über Harry Kane geredet wurde. Seien wir mal ehrlich: Kane hat gerade in der Situation, in der so viele Spieler ausfallen, wahnsinnig viel geleistet, mit seinen Pässen das ganze Spiel gestaltet. Ich meine, wir wären in der Nationalmannschaft totfroh, wenn wir einen Harry Kane als Spieler hätten, egal wie alt er ist. Dann habe ich mich auch über die Situation um Joshua Kimmich gewundert. Das ist sowieso eine ganz schwierige Situation. Meine Mutter ist auch sehr früh mit 56 Jahren verstorben. Da ist jemand völlig durch. Er hat ihn zwar gelobt, das fand ich gut, hat ihn dann aber mit zehn oder elf anderen Namen verglichen, die man nur dann alle genau einordnen kann, wenn man ein sehr grosser Fussballfan ist. Diese Relativierung hat mich gewundert. Deswegen habe ich schon ein bisschen geschaut. Und ich fand es zum Beispiel gut, dass nicht wieder die ganze Meute nach den Griechenland-Spielen über den Bundestrainer hergefallen ist. Arsenal ist im Vergleich zu Griechenland schliesslich keine Thekenmannschaft. Das sind schon einige der besten Mannschaften Europas. Ich finde, ein bisschen Rückendeckung, Zusammenhalt und Solidarität tut dem Land gut und übrigens auch dem Fussball in Deutschland. [...] Ich würde jetzt nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wir haben jetzt wieder ein paar Tage Zeit, darüber zu reden. Fussball darf auch mal etwas mehr sagen, weil sich vieles spätestens am nächsten Wochenende wieder relativiert und durch neue Spiele überholt wird. Deswegen fand ich das nicht so schlimm. Aber ich finde schon, dass der Bundestrainer und der grösste Verein Deutschlands, Bayern München, in einem guten Miteinander leben sollten. Dortmund ist die Nummer zwei, keine Frage. Aber ohne den FC Bayern war eine deutsche Nationalmannschaft noch nie wirklich ganz erfolgreich."
… auf die Frage, wie er reagiert hätte, wenn Friedrich Merz ihm gesagt hätte, dass er nicht so gut versteht, was er als Ministerpräsident in Bayern macht: "Dann hätte ich ihm gesagt, dass meine Umfragewerte nicht so viel schlechter sind. Wahrscheinlich hätte ich das gesagt. Aber ich fand die Reaktion von Vincent Kompany perfekt, wenn ich das ehrlich sagen darf. Es macht jetzt auch keinen Sinn, einen Streit zwischen Bayern und dem DFB aufzumachen. Das wäre, finde ich, das falsche Signal. Aber noch einmal: Ich habe mich schon ein bisschen gewundert. Über Spielsysteme kann man diskutieren. Darüber, wie eine Mannschaft aufgestellt wird, auch. Jede Mannschaft spielt anders. Dortmund spielt anders, Leverkusen spielt anders, jede Mannschaft hat ihren eigenen Stil. Die Nationalmannschaft hat zuletzt viel ausprobiert. Da kann ich auch noch nicht sagen: Das ist jetzt das Spiel der Nationalmannschaft. Und das finde ich auch völlig okay. Aber bei Harry Kane muss ich schon sagen: Ich bin jetzt nicht der totale England-Fan. Wenn Deutschland gegen England gespielt hat, dann war das immer das wichtigste Spiel, das man gewinnen wollte. Aber Harry Kane ist einer, bei dem man sagt: Der ist so sympathisch, ein unglaublicher und vorbildlicher Sportsmann. Er hätte es auch verdient, gerade in einer Phase, in der es um internationale Auszeichnungen geht, entsprechend gewürdigt zu werden. Deshalb hat es mich ein bisschen gewundert. Wenn man sieht, was Kane gemacht hat: Er nimmt sich als Knipser ja selbst zurück, um Pässe zu spielen. Und gerade die Situation vor dem 1:1 war ja schon super."
Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.